Fachartikel

Tablet-PCs und Unified Communications

Bis vor kurzem waren im Tablet-Markt zwei der wichtigsten Unified Communications-Anbieter mit eigenen Geräten vertreten – obwohl es bei beiden berechtigte Zweifel gab, ob sie wirklich für diesen ganz speziellen Wettbewerb gerüstet waren. Cisco kündigte nun unlängst das Ende des Cius an. Es stellt sich die Frage, ob dies der Anfang vom Ende einer kurzen Periode ist, in der UC-Anbieter versuchten, sich auch als Tablet-Hersteller zu etablieren. In diesem Zusammenhang wirft dieser Beitrag einen kritischen Blick auf die Gründe für das Cius-Aus, beschäftigt sich mit der Zukunft von Avayas ADVD und beleuchtet, wie die klassischen UC-Anbieter vielleicht doch noch Fuß im Tablet-Sektor fassen können.
Tablets kommen fast ausschließlich von den bekannten Hersteller - UC-Anbietern bleibt nur, ihre Software an die Geräte anzupassen
Mitte 2010 kündigten Cisco und Avaya mit großem Tamtam das Cisco Cius und das Avaya Desktop Video Device (ADVD) an. Bereits damals gab es kritische Stimmen, die jetzt durch die Abkündigung von Cius nun zu einem Teil bestätigt wurden. Die Mängel beider Designansätze waren bereits Ende 2010 abzusehen. Die Ursachen für diese Fehlentwicklung liegen mehr als 10 Jahre zurück. Die Entwicklung der  VoIP- und Voice-Soft-Clients in den frühen 2000er Jahren führte nicht etwa dazu, die Kommunikationsanbieter ihre proprietären Produkte auslaufen ließen und sich auf den PC-Markt fokussierten. Im Gegenteil: Zu der Zeit herrschte die Meinung vor, dass die Integration von Sprachdienste in PCs langfristig nicht notwendig sei. Grund hierfür war die Angst der TK-Hersteller sich dem hart umkämpften PC-Markt zu stellen. Aus irgendeinem Grund bot der Tablet-Markt jedoch anscheinend ein so attraktives Potenzial, dass sich zwei der wichtigsten UC-Anbieter in diesen Bereich vorwagten.

Teure Prototypen mit Kinderkrankheiten
Um fair zu sein: Als die ADVD- und Cius-Konzepte erarbeitet wurden (wahrscheinlich im Jahr 2009), gab es das iPad noch nicht. Allerdings wurde der Markteintritt dieser Produkte mit einem zu kurzen Blick auf die Marktrealität durchgezogen. Apple gab im April 2010 den Startschuss für das iPad und bereits im Juli des gleichen Jahres wurde über das iPad 2 spekuliert. Cisco und Avaya versuchten zu dieser Zeit immer noch, einen extrem hohen Preis für ihre UC-Geräte (den zwei- bis vierfachen Preis des iPads) durchzusetzen. In der Praxis waren die Geräte jedoch nur mit extremen Rabatten an den Mann zu bringen. Beide Modelle waren für UC-Kunden konzipiert und es war wenig ausschlaggebend, dass beide Geräte erhebliche Probleme mit ihrem Formfaktor und der Usability aufwiesen.

Darüber hinaus basierten beide Geräte auf frühen Versionen des Android-Betriebssystems, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht stabil arbeitete. Trotzdem wurden beide Lösungen als Flaggschiffe der jeweiligen Unternehmen positioniert. Als Apple das iPad 2 mit den Dual-Kameras angekündigte, führten die UC-Anbieter mit ihren Geräten den Markt noch überlegen an. Erst mit dem iPad 3 (mit HD-Qualität, dem Retina Display und einer vernünftigen Videokamera) läuteten die Totenglocken der UC-Hersteller. Fakt ist: Der Markt hatte sich drastisch gewandelt. Cisco hat für Cius bereits die Totenglocke geläutet und ADVD war wohl nur ein kurzes Strohfeuer von Avaya.

Zu klein und doch zu groß – Death in the Middle
Sowohl Cius als auch ADVD erschwerten sich den Marktzugang durch fragwürdige Designentscheidungen und konnten sich gegenüber Apple und den Produkten aus Korea nicht behaupten. Obwohl das ADVD von Avaya noch einen vernünftigen Bildschirm (10,6 Zoll) bot, war das Gerät viel zu schwer (mehr als das Doppelte des Gewichts eines iPad 3). Das Avaya ADVD war im Grunde genommen nur ein relativ kleines Desktop-Videosystem. Die teuren Grafik-Chipsätze im ADVD sorgten zwar für eine optimale Videoqualität, aber der Bildschirm war zu klein, um die Vorteile einer hohen Bildauflösung wirklich nutzen zu können.

Das Cius-Konzept passte zwar vom Gewicht und der Bauform, verfügte über einen noch kleineren 7-Zoll-Bildschirm. Gedacht war dieses Konzept als Teil eines "Drop–in-Telefon-Designs“. Ist ein solches Gerät als eigenständige Lösung gedacht, dann bietet sich das "Hosentaschenformat" (typische 4,3 Zoll-Bildschirmdiagonale) der Smartphones an – oder es findet gleich ein größeres Bildschirmformat Verwendung. Ein 10 Zoll-Bildschirm verfügt über doppelt so viel Nutzfläche wie ein 7 Zoll-Gerät. Somit litt Cius an dem "Death in the Middle"-Syndrom. Es war zu groß, um es in die Tasche zu stecken und zu klein, um wirklich als Anzeigegerät nutzbar zu sein.




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18.06.2012/Mathias Hein/ln

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