Teure Prototypen mit Kinderkrankheiten
Um fair zu sein: Als die ADVD- und Cius-Konzepte erarbeitet wurden (wahrscheinlich im Jahr 2009), gab es das iPad noch nicht. Allerdings wurde der Markteintritt dieser Produkte mit einem zu kurzen Blick auf die Marktrealität durchgezogen. Apple gab im April 2010 den Startschuss für das iPad und bereits im Juli des gleichen Jahres wurde über das iPad 2 spekuliert. Cisco und Avaya versuchten zu dieser Zeit immer noch, einen extrem hohen Preis für ihre UC-Geräte (den zwei- bis vierfachen Preis des iPads) durchzusetzen. In der Praxis waren die Geräte jedoch nur mit extremen Rabatten an den Mann zu bringen. Beide Modelle waren für UC-Kunden konzipiert und es war wenig ausschlaggebend, dass beide Geräte erhebliche Probleme mit ihrem Formfaktor und der Usability aufwiesen.
Darüber hinaus basierten beide Geräte auf frühen Versionen des Android-Betriebssystems, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht stabil arbeitete. Trotzdem wurden beide Lösungen als Flaggschiffe der jeweiligen Unternehmen positioniert. Als Apple das iPad 2 mit den Dual-Kameras angekündigte, führten die UC-Anbieter mit ihren Geräten den Markt noch überlegen an. Erst mit dem iPad 3 (mit HD-Qualität, dem Retina Display und einer vernünftigen Videokamera) läuteten die Totenglocken der UC-Hersteller. Fakt ist: Der Markt hatte sich drastisch gewandelt. Cisco hat für Cius bereits die Totenglocke geläutet und ADVD war wohl nur ein kurzes Strohfeuer von Avaya.
Zu klein und doch zu groß – Death in the Middle
Sowohl Cius als auch ADVD erschwerten sich den Marktzugang durch fragwürdige Designentscheidungen und konnten sich gegenüber Apple und den Produkten aus Korea nicht behaupten. Obwohl das ADVD von Avaya noch einen vernünftigen Bildschirm (10,6 Zoll) bot, war das Gerät viel zu schwer (mehr als das Doppelte des Gewichts eines iPad 3). Das Avaya ADVD war im Grunde genommen nur ein relativ kleines Desktop-Videosystem. Die teuren Grafik-Chipsätze im ADVD sorgten zwar für eine optimale Videoqualität, aber der Bildschirm war zu klein, um die Vorteile einer hohen Bildauflösung wirklich nutzen zu können.
Das Cius-Konzept passte zwar vom Gewicht und der Bauform, verfügte über einen noch kleineren 7-Zoll-Bildschirm. Gedacht war dieses Konzept als Teil eines "Drop–in-Telefon-Designs“. Ist ein solches Gerät als eigenständige Lösung gedacht, dann bietet sich das "Hosentaschenformat" (typische 4,3 Zoll-Bildschirmdiagonale) der Smartphones an – oder es findet gleich ein größeres Bildschirmformat Verwendung. Ein 10 Zoll-Bildschirm verfügt über doppelt so viel Nutzfläche wie ein 7 Zoll-Gerät. Somit litt Cius an dem "Death in the Middle"-Syndrom. Es war zu groß, um es in die Tasche zu stecken und zu klein, um wirklich als Anzeigegerät nutzbar zu sein.
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