Bei der großen Zahl verschiedener Cisco Zertifizierungen den Überblick zu behalten, ist selbst für IT-Weiterbildungsexperten eine echte Herausforderung. Aufgrund der jüngsten Neuerungen im Bereich der CCNA Concentrations bringt IT-Administrator Sie auf den aktuellen Stand dieser gefragten Weiterbildungsmöglichkeiten für Netzwerkfachleute.
Die seit Langem bewährte Basis im Bereich der Cisco Zertifizierungen [1] bildet der CCNA. Dieser sogenannte "Associate Level" gewährleistet ein solides technisches Fundament für den Umgang mit Cisco Produkten. Um diesen Status zu erreichen, sollten die beiden Kurse ICND1 und ICND2 (Interconnecting Cisco Networking Devices Part 1 und 2) besucht werden. Diese jeweils fünftägigen Seminare belasten Ihr Budget mit zirka 2.500 Euro – vergleichbare Preise gelten auch für die anderen Cisco Kurse. Zu jedem Kurs ist in einem Pearson VUE-Testcenter das zugehörige Examen abzulegen. Als Alternative können Netzwerkverantwortliche das sogenannte "Composite Examen" wählen, das beide Kursinhalte in einer einzigen Prüfung abbildet. Die Examen umfassen nicht nur die bekannten Single Choice- und Multiple Choice-Fragen, sondern auch Aufgaben, bei denen zum Beispiel der richtige Befehl in einer simulierten Betriebssystemumgebung einzugeben ist.
Für alle Cisco Zertifizierungen gilt, dass der Besuch der Kurse zwar empfohlen, aber nicht vorgeschrieben ist. Wer eine Prüfung auch ohne Kursbesuch erfolgreich ablegt, erwirbt damit die entsprechende Zertifizierung. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass selbst für erfahrene Cisco Administratoren ein Kursbesuch fast immer ratsam ist, um das Prüfungswissen zu erarbeiten. Wer schon viel Vorwissen mitbringt, kann auch beide Kurse in einer Woche in verdichteter, zusammengefasster Form besuchen.
Wesentliche Neuerungen beim CCNA
Speziell im CCNA-Umfeld hat Cisco in jüngster Zeit einige wesentliche Neuerungen eingeführt. So gibt es seit 2007 den sogenannten "Entry Level". Wer nur die Prüfung zum ICND1-Kurs ablegt, darf sich bereits CCENT nennen. Diese Maßnahme diente vor allem dazu, für Neueinsteiger im Netzwerkbereich die Hürde der ersten Zertifizierung – gemessen am kompletten CCNA – etwas niedriger anzusetzen.
Im Juni 2008 kamen dann die "CCNA Concentrations" dazu. So werden drei neue Vertiefungen des CCNA in den Bereichen Voice, Security und Wireless bezeichnet. In allen drei Fällen muss zunächst der CCNA bestanden werden. Anschließend folgt jeweils ein weiterer Kurs samt zugehöriger Prüfung. Während der CCNA Wireless für sich alleine steht, bilden die CCNA Concentrations Voice und Security den Übergang zu den weitergehenden Zertifizierungen im Professional-Bereich.
Die Webseite von Cisco gibt einen ersten Überblick über die verschiedenen Zertifizierungs-Level
Im Bereich Netzwerkdesign gibt es auf dem Associate Level die CCDA-Zertifizierung. Dazu gehört der Kurs DESGN (Designing for Cisco Internetwork Solutions) samt Prüfung. Allerdings wird empfohlen, zusätzlich die CCNA-Prüfung abzulegen und den Kurs BCMSN (Building Cisco Multilayer Switched Networks) ergänzend zu hören.
Weiter auf der Karriereleiter zum Cisco Professional
Wer sich tiefer in die Netzwerkmaterie einarbeiten will, dem steht im Bereich der Cisco Zertifizierungen eine umfangreiche Auswahl an weiterführenden Ausbildungswegen zur Verfügung. Ausgehend vom Associate Level, der CCDA,CCNA und die neuen CCNA Concentrations umfasst, lässt sich im nächsten Schritt auf eine Professional-Zertifizierung hinarbeiten. Hier werden verschiedene Themenbereiche angeboten. Passend zum eigenen Tätigkeitsschwerpunkt kann eine der folgenden Ausbildungsrichtungen gewählt werden:
- CCNP – Routing & Switching
- CCVP – Voice
- CCSP – Network Security
- CCIP – Service Provider
- CCDP – Design
Alleine die Kursbesuche einer einzigen Professional- Ausbildung, wie beispielsweise CCVP, umfassen bis zu 25 Tage. Hinzu kommen noch die erforderlichen Zeiten für die Prüfungsvorbereitung und die Examen selbst. Als Voraussetzung für eine Professional-Zertifizierung muss ein gültiges CCNA-Zertifikat vorliegen. Für die CCVP-Zertifizierung ist zusätzlich der CCNA Voice nötig, für CCSP der CCNA Security. Bis 23. Juni 2009 gilt hier allerdings noch eine Übergangsregelung und es können die Professional-Zertifizierungen auch nach den früheren Regeln ohne CCNA Voice beziehungsweise CCNA Security absolviert werden. Eine Ausnahme bildet der Bereich Design, hier wird statt des CCNA der CCDA als Basis verlangt.
Kronjuwelen der Zertifizierung
CCIE und CCDE Herausragende theoretische und praktische Kenntnisse in gleichermaßen großer Detailtiefe und thematischer Breite lassen sich im “Expert Level” unter Beweis stellen. Auch in diesem Spitzenfeld der Cisco Zertifizierungen werden verschiedene Ausrichtungen angeboten:
- CCIE Routing & Switching
- CCIE Voice
- CCIE Network Security
- CCIE Service Provider
- CCIE Storage
- CCDE (Design)
Der Ablauf der CCIE- und CCDE-Zertifizierungen unterscheidet sich allerdings von den Mechanismen im Associate und Professional Level. Jeweils eine theoretische und eine praktische Prüfung sind abzulegen. Das theoretische Examen ist nicht mehr dem Inhalt eines einzigen Kurses zugeordnet, sondern umfasst bereits ein großes Wissensspektrum, das eine erhebliche praktische Erfahrung mit den Cisco Systemen und den jeweiligen Technologien voraussetzt. Wer diese Hürde genommen hat, darf innerhalb der nächsten 18 Monate in Brüssel zu einem Praxistest antreten. Höchst komplexe Fehlerszenarien müssen dort unter Zeitdruck gelöst werden. Auch mit bester Vorbereitung kann es sein, dass der Prüfling diese Herausforderungen nicht im ersten Anlauf meistert. Ist der Test aber bestanden, kann der frisch gebackene CCIE jedoch mit Fug und Recht behaupten, in der Topliga der Netzwerkfachleute zu spielen. Stolz kann er dann seine persönliche CCIE-Nummer vorweisen. Viele CCIEs schätzen diesen Status für ihre berufliche Laufbahn höher ein als einen Hochschulabschluss.

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