Liebe Leser,
als ich vor gut zehn Jahren meinen Job als Admin einer kleinen Hausverwaltung antrat, war mir das Thema Hochverfügbarkeit kein Begriff. Was damals auch kein größeres Problem darstellte: Zwar existierte im Netzwerk ein zentraler Rechner unter Windows NT, der den nicht einmal zehn Angestellten als Fileserver diente. Fiel dieser aus, mussten die Anwender den Geschäftsbrief eben auf dem PC zwischenspeichern. Die Mieterdatenbank war lokal installiert; traten damit Probleme auf, musste halt der entsprechende Aktenordner herhalten. Das Internet hatte seinen Höhenflug noch vor sich, so dass eine Downtime der kleinen statischen Webseite nur Wenige interessierte.
Bei meinem Ausscheiden aus der Immobilienbranche Anfang 2008 stellte sich die Lage anders dar: Im Zentrum des Netzwerks stand ein Windows Small Business Server 2003, der neben seiner Tätigkeit als Datenspeicher die Rolle des Exchange-und Datenbankservers innehatte. Es gab per VPN verbundene mobile Mitarbeiter und der dynamische Webauftritt informierte Mietinteressenten über freie Wohnungen. Bei einem Ausfall des Servers drehte die komplette Belegschaft Däumchen, der wirtschaftliche Schaden war greifbar.
Besonders in kleineren Umgebungen wird das Thema Hochverfügbarkeit oft hintangestellt. Speziell hier ist die Vernachlässigung des Themas jedoch brisant, da es nur wenige oder sogar nur den einen Server gibt, der noch dazu mehrere Rollen wahrnimmt. Oft sind es Kostengründe, die Verantwortliche davon abhalten, sich nach einer hochverfügbaren Plattform umzusehen. Zudem sind die Versprechen der einzelnen Hersteller nicht immer transparent und die Frage, ob die Uptime in einer kleineren Büroumgebung nun 99,97 oder 99,98 Prozent betragen sollte, hat eher akademischen Charakter.
Trotzdem ist der Mehrzahl der IT-Verantwortlichen klar, dass Hochverfügbarkeit auch für KMUs täglich wichtiger wird. In dieser Ausgabe erfahren Sie in unserem Test der Open Source-Software OSCAR ab Seite 22, wie sich die kostenlose Cluster-Lösung im produktiven Einsatz schlägt. Wer lieber auf bekannte Marken zurückgreift, liest ab Seite 36, welche Cluster-Funktionen das neue Windows Server 2008 R2 gerade in virtuellen Umgebungen zu bieten hat.
Viel Spaß beim Lesen, Ihr
Lars Nitsch
Volontär IT-Administrator