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Marktübersicht Monitoring (2)

Monitoring ist nicht gleich Monitoring. Unternehmen müssen ihre Anforderungen an entsprechende Werkzeuge genau definieren, um für das geplante Budget auch die notwendigen Leistungen zu erhalten. Doch neben dem Preis spielen auch Aspekte wie Usabilty, Support und die via Monitoring zu erhebenden Daten eine Rolle. Und mittlerweile gilt es natürlich auch hier eine Entscheidung zu treffen, ob Monitoring on premise oder über die Cloud erfolgen soll. Unsere Marktübersicht hilft bei der richtigen Wahl. Im zweiten Teil schauen wir uns an, was der Open-Source-Markt im Bereich Monitoring hergibt. Außerdem werfen wir einen Blick auf Monitoring-as-a-Service und Application Performace-Monitoring.
Open-Source-Lösungen haben traditionell einen guten Stand im Bereich Netzwerkmanagement.
Facettenreiches Open-Source-Monitoring
Open-Source-Lösungen sind im Monitoring-Bereich recht weit verbreitet. Was Leistungsfähigkeit und Zielgruppen angeht, deckt Open Source die gesamte Bandbreite ab. Je nach Tool und investiertem Aufwand lassen sich Open-Source-Monitoring-Tools im kleinen Unternehmen für Basisaufgaben wie die SNMP-basierte Bandbreitenüberwachung einsetzen, aber auch als zentrale Überwachungsinstanz in großen Unternehmensnetzwerken. Viele Rechenzentren laufen unter Linux und da liegt es nahe, auch beim Monitoring vorhandene Open-Source-Ressourcen zu nutzen.

Klarer Marktführer im Open-Source-Bereich ist Nagios mit seinen zahlreichen Ablegern, unter denen wiederum Icinga der verbreitetste sein dürfte. Eine riesige Community sorgt für ständigen Modul-Nachschub und zahlreiche Dienstleister bieten sich für Implementierung und Wartung an. Was zunächst einmal sehr positiv klingt, gibt aber auch einen Hinweis auf die Schattenseiten: Out-of-theBox bieten diese Tools nur wenig. Um ein umfassendes Monitoring auf Nagios-Basis zu etablieren ist viel Know-how und Handarbeit nötig. Das erfordert entweder die Investition in einen Dienstleister oder bindet eigene Ressourcen. In jedem Fall erzeugt es Abhängigkeiten.
Auch der weitere Betrieb einer solchen Lösung erfordert in der Regel ständige Wartung und Anpassung. Eingesparte Lizenzkosten spielen auf längere Sicht höchstens eine Rolle, wenn die Alternative komplexe und hochpreisige Produkte sind, wie sie sich unter den Big 4 oder den Big 4-Aspiranten finden. Da sind die Aufwände für Implementierung und Betrieb nicht unerheblich und zusätzlich kommen noch Lizenzkosten dazu, die auch schon mal im sechs- oder siebenstelligen Bereich liegen können.


Bild 4: Icinga – ein Nagios-Derivat – gilt als Monitoring-Marktführer, nicht nur im Open-Source-Umfeld.
Typischerweise erkaufen sich Anwender solcher Werkzeuge die Datenvielfalt jedoch mit hohem
Einrichtungs- und Supportaufwand.


Neben Nagios und dessen Derivaten findet sich eine ganze Reihe von Open-Source-Monitoring-Tools mit teils unterschiedlichen Schwerpunkten, unter denen Cacti, MRTG, Wireshark oder Zabbix zu den geläufigsten gehören dürften. Ist im Unternehmen das entsprechende Know-how vorhanden, können Open-Source-Tools durchaus interessante Optionen sein. Auch wenn die Anforderungen an das Monitoring sehr individueller Natur sind, sodass in jedem Fall ein Customizing der eingesetzten Lösung erforderlich ist, bieten sich die Open-Source-Variante an. Sind die Ressourcen knapp, das Knowhow im Bereich Linux-Entwicklung nicht sehr ausgeprägt oder die Anforderungen an das Monitoring eher Standard, dann ist eine standardisierte, kommerzielle Lösung oft die günstigere Variante. Auch der Support-Aspekt sollte dabei nicht vernachlässigt werden: Ein Hersteller mit Produktverantwortung liefert in der Regel kompetenteren und zuverlässigeren Support als eine Entwickler-Community.

Kommerzielle Open-Source-Lösungen
Eine Art Zwitter zwischen Open Source und kommerziellen Angeboten bilden sogenannte kommerzielle Open-Source-Lösungen. Dabei handelt es sich um lizenzkostenpflichtige Lösungen auf Basis von Open-Source-Tools – auch hier ist Nagios sehr verbreitet. So hat beispielsweise der ursprüngliche Entwickler von Nagios, Ethan Galstad, 2007 Nagios Enterprises gegründet. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt mit Nagios XI und einer Reihe weiterer Produkte eigene Nagios-Ableger. Diese bieten gegenüber der Open-Source-Variante ein deutliches Plus in puncto Funktionalität und Usability, sind dafür aber auch kostenpflichtig. Für Nagios Enterprises steht ein konkreter Ansprechpartner für Support-Anfragen zur Verfügung – der sich diesen Service aber natürlich auch entsprechend bezahlen lässt. Aufgrund der Software-Basis, die nach wie vor Nagios und damit Open Source ist, bietet auch Nagios XI ein hohes Maß an Flexibilität und Erweiterbarkeit – was aber auch wieder entsprechenden Aufwand erfordert. Sehr ähnlich ist die Geschichte von Zenoss: Auch hier hat der Entwickler einer Open-Source-Monitoring-Lösung, Erik Dahl, ein Unternehmen gegründet und bietet jetzt "Monitoring as a Service" auf Basis seines Open-Source-Tools Zenoss an, wobei der Fokus hier auf der umfassenden Überwachung (Unified Monitoring) sehr großer Netzwerke liegt.

Ein etwas anders gelagertes Geschäftsmodell findet sich vor allem im deutschen Markt relativ häufig: Ein Systemhaus setzt im Auftrag eines Kunden auf Basis von Nagios eine komplexe Monitoring-Lösung um und generiert im Rahmen der Zweitverwertung daraus ein Produkt. Oft werden diese Lösungen als Appliance angeboten: Vorinstalliert auf optimierter Hardware spart das die Erstinstallation und gewährleistet, dass die Hardware den Anforderungen der Applikation genügt – allerdings will die Hardware auch bezahlt werden. Und der eigentliche Aufwand in Form von Implementierung und Anpassung an kundenindividuelle Anforderungen bleibt bestehen. Auch die weitere Liste der Vor- und Nachteile liest sich ähnlich wie die von Nagios XI. Zu den bekannteren Vertretern im deutschsprachigen Markt dürften Azeti Sonarplex oder NetEye des Bozener Systemhauses Würth Phoenix gehören.

Interessant werden kommerzielle Open-Source-Lösungen, wenn entsprechendes Know-how (Linux-Entwicklung, Monitoring) vorhanden ist, die Ressourcen für Einführung und Pflege einer klassischen Open-Source-Lösung aber zu knapp sind. Die meisten kommerziellen Open-Source-Lösungen richten sich an größere Kunden mit komplexen Aufgaben im Monitoring-Bereich: Lizenzkosten und immer noch erforderlicher Implementierungsaufwand rechnen sich erst, wenn die Alternativen noch höhere Lizenzkosten (Big 4) oder noch größerer Implementierungsaufwand (Open Source) sind.

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9.10.2017/jp/ln/Thomas Timmermann

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