Der Softwaremarkt bietet derzeit eine große Auswahl an Produkten mit verschiedenen Fähigkeiten und Schwerpunkten. Die Herausforderung besteht darin, die eigenen Vorstellungen im gewählten Software-Produkt umzusetzen. Daher sollten Sie bei der Auswahl darauf achten, dass Sie eigene Begrifflichkeiten ohne größeren Aufwand verwenden können – dies beginnt bereits bei der verwendeten Beschreibung für einen Computer und der Frage, ob er Rechner, PC oder Desktop heißen soll.
Automatisierung bei der Gewinnung und Aktualisierung von Informationen spielt eine große Rolle. Einschlägige Netzwerkinventarisierungstools sind bei der Ermittlung des Ist-Zustandes sehr hilfreich, insofern sollte das Produkt der Wahl diese Funktionen entweder mitbringen oder flexible Schnittstellen zu marktgängigen Produkten bieten. Für die Konsolidierung von Schubladenwissen oder Insellösungen wie selbst gestrickten Excel-Tabellen oder Datenbanken sollten Importschnittstellen für CSV- oder XML-Formate vorhanden sein. Diese vielen als antiquiert geltende Methode kann auch gute Dienste bei der Verarbeitung von Informationen aus herstellerspezifischen Tools leisten, etwa zur Ermittlung von Portbelegungen an Netzwerkkomponenten.

Eine CMS-Software sollte auch in heterogenen Umgebungen
Zusammenhänge übersichtlich und eindeutig abbilden
Ein leistungsfähiges Tool sollte über die Fähigkeit verfügen, Daten aus verschiedenen Quellsystemen auszulesen oder einzubinden. Es sollten also entsprechende Protokolle wie WMI und SNMP verfügbar sein. Gleiches gilt für Datenbankklassen für vorhandene Datenbank-Management-Systeme. Für die Ermittlung von Beziehungen zwischen IT-Komponenten, die vielen Projektverantwortlichen als die zentrale Aufgabe innerhalb eines Konfigurationsdatenbank-Projektes gilt, kann die verfügbare Technik heute nur bedingt helfen. Es gibt jedoch Anbieter, die vielversprechende Lösungen zur Ermittlung von Netzwerkstrukturen anbieten. Die Erwartungen an die arbeitserleichternde Wirkung sollten jedoch nicht zu hoch geschraubt werden.
Aus funktioneller Sicht sollte bei der Produktauswahl neben der beschriebenen Integrationsfähigkeit auch auf Techniken zur Sicherstellung von Eindeutigkeit und Korrektheit der gesammelten Informationen geachtet werden. Ein Server etwa lässt sich anhand seiner IP-Adresse, seines DNS-Namens oder seiner Hardware-ID identifizieren. Ein leistungsfähiges CMS sollte Funktionen bieten, die eine eindeutige Zuordnung von Informationen aus verschiedenen Datenquellen ermöglicht. Ein ganz wichtiger Funktionsbereich ist die Visualisierung von Infrastrukturen und identifizierter Beziehungen. Es sollten Übersichten auf Basis verschiedener Beziehungstypen möglich sein, um bei der Vielzahl möglicher Beziehungen nicht die Übersicht zu verlieren.
In diesem Zusammenhang bringen gängige Produkte neben alltäglichen Reporting-Fähigkeiten erweiterte Analysefunktionen mit, die die Einschätzung von Auswirkungen bei Systemausfällen erlauben. Hier sei wieder auf das oben genannte Beispiel "Wartungsarbeiten am Lohnbuchhaltungsserver" verwiesen, wobei die Auswirkungsanalyse in diesem speziellen Fall sicher auch mit gesundem Menschenverstand zu leisten wäre. Eingängige Navigationsmöglichkeiten und verschiedene Perspektiven auf visualisierte Infrastrukturen runden das Funktionsangebot eines CMS-Tools ab. Die implizit geforderte "Usability" sollte keinesfalls eine untergeordnete Rolle spielen. Angesichts der zu erwartenden Komplexität einer möglichst umfassenden Infrastruktur-Dokumentation verdient die Bedienerführung besonderes Augenmerk.
Beschränkung auf die geschäftskritischen Komponenten
Selten liegen Erwartungen und Wirklichkeit so weit auseinander wie beim Aufbau eines Configuration Management Systems. In aller Regel stehen nur wenige, sowieso schon ausgelastete Mitarbeiter zur Verfügung, so dass es zu Beginn und während des Projekts vor allem auf erfolgreiche Überzeugungsarbeit ankommt, um die beteiligten Mitarbeiter zur Aufgabe des vielzitierten Schubladenwissens zu bewegen und später die notwendige Disziplin bei der Pflege von Daten sicherzustellen.
Getreu dem Motto "Der Weg ist das Ziel" sollten Sie eine schrittweise Herangehensweise wählen, ansonsten scheitert ein Projekt sehr schnell am Umfang der zu pflegenden Informationen. Denn trotz automatisierten Scanner-Tools wartet eine Menge manuelle Arbeit, die der Toolhersteller zwar unterstützen, sie dem Projektteam aber nicht abnehmen kann. Im Rahmen der Planung ist zunächst zu klären, welche Komponenten Sie erfassen wollen und in welcher Detailtiefe. Ein bewährter Startpunkt sind die wirklich geschäftskritischen Komponenten, Der Ausgangspunkt ist also eine sehr hohe Ebene. Beginnen Sie auf sehr niedriger Ebene, etwa beim Arbeitsplatz-PC, dann besteht die Gefahr, sich zu verzetteln, und es entsteht Frust statt Nutzen.
Bei der Auswahl der zu erhebenden Informationen sollten Sie stets überprüfen, für wen eine bestimmte Information wichtig sein könnte und worin der Nutzen ihrer Verfügbarkeit im Notfall bestünde, denn der Datenbestand muss pflegbar bleiben. Die Kapitulation der Mitarbeiter vor unverhältnismäßigem Pflegeaufwand ist der Anfang vom Ende.
Fazit
Bei der Einführung und Anwendung eines CMS geht es weniger um Dogmen als um Praxisorientierung. Auch wenn die Begrifflichkeit aus der ITIL stammt, bedeutet die Anschaffung eines als CMS oder als CMDB vertriebenen Systems nicht automatisch die uneingeschränkte Umsetzung der ITIL-Praktiken. Sicher lohnt sich die Lektüre der Empfehlungen, welche die Dokumentationsbestrebungen sinnvoll leiten können. Aber welchen Namen das Kind letztlich trägt ist buchstäblich Schall und Rauch, entscheidend ist die Verfügbarkeit hilfreicher Funktionalitäten. Daher ist die Verwendung eines professionellen Software-Produktes sinnvoll, aber der Erwerb eines Tools allein noch kein Allheilmittel. Es soll auch schon erfolgreiche Dokumentationsprojekte auf Excel-Basis gegeben haben.
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