Die gute Nachricht zuerst: Alle aktuell gängigen Betriebssysteme und viele Open-Source-Anwendungen unterstützen bereits IPv6. Allerdings: Es gibt keinen pauschalen Lösungsweg, um Schwierigkeiten beim Zusammenspiel von Programmen und Betriebssystemen zu umgehen, wenn sie auf IPv6 umgestellt werden. Fast immer bedarf es individueller Lösungen. Die Konfiguration ist dennoch relativ einfach, denn die Autokonfiguration ist im Vergleich zum Vorgänger-Protokoll IPv4 fester Bestandteil bei IPv6. Mobile Geräte und Rechner weisen sich somit selbst eine private IP-Adresse zu, die sie unter anderem aus der MAC-Adresse generieren. Zusätzlich lässt sich, ähnlich wie bei DHCP mit IPv4, eine weitere öffentliche Adresse zuweisen.
IPv6 unter Linux
Der Linux-Kernel unterstützt IPv6 seit der Version 2.2. Bei der Installation aktueller Distributionen wird IPv6 daher neben IPv4 meist schon automatisch benutzt. Auch die gängigen Daemons wie ssh, apache2, bind oder postfix unterstützen IPv6 in den aktuellen Versionen von Haus aus. Im Gegensatz zu IPv4 gibt es für IPv6 keine Aliases von Netzwerk-Schnittstellen (also etwa eth0:123), um mehr als eine IP-Adresse pro Interface anzulegen; das Protokoll unterstützt die Funktion jetzt direkt.
Die Konfiguration erfolgt ähnlich wie bei IPv4 unter /etc/network/interfaces (Debian) oder unter /etc/sysconfig/network-scripts (CentOS). Allerdings geschieht das nicht immer fehlerfrei: Debian 5 hat zum Beispiel gelegentlich das Problem, dass das System versucht, Adressen zu aktivieren, bevor das passende Kernel-Modul für IPv6 geladen wurde. Im dazugehörigen Kernel 2.6.26 funktioniert das Hinzufügen von Adressen nicht, wenn das Interface währenddessen keinen Link hat.

Bild 1: Unter Linux erfolgt die Netzwerkkonfiguration von IPv6 ähnlich wie bei IPv4
IPv6 unter Microsoft-Betriebssystemen
Microsoft bietet IPv6 ab Windows NT 4.0 und 2000. Mit jeder Weiterentwicklung des Betriebssystems wurde die Nutzung des Protokolls verbessert. Deshalb sollte mindestens Windows XP eingesetzt werden, um IPv6 zu verwenden. Auf Windows 7, Server 2008 und Vista ist die IPv6-Unterstützung jeweils ähnlich. Das Protokoll ist dort voll integriert und bietet IPsec sowie Tunneling. Die Microsoft-Betriebssysteme beherrschen die automatisierte und statische Adresszuweisung per IPv6.

Bild 2: Unter Windows 7 lässt sich IPv6 in den Netzwerkeinstellungen auswählen.
Das Betriebssystem unterstützt den Parallel-Betrieb von IPv4 und IPv6.
Die statische Adress-Konfiguration erfolgt bei den neueren Systemen wie gehabt in den Eigenschaften des Netzwerkadapters, bis Windows XP allerdings über Umwege, denn Microsoft bietet dafür keine graphische Schnittstelle. Für deren Konfiguration ist die netsh-Konsole nötig. Das Vorgehen zur Konfiguration einer IP sowie zum Setzen eines Standard-Gateway sieht dann etwa wie folgt aus:
netsh
interface ipv6 add address “{Interface-Name}”{Adresse}
interface ipv6 add route ::/0 "{Interface-Name}" {Router-Adresse}
Kompatibilität zu Open Source-AnwendungenEs gibt zahlreiche Open Source-Anwendungen für E-Mail- und Webserver, die gleichwohl zu IPv4 und IPv6 kompatibel sind. Die Apache-Webserver funktionieren in der Standardkonfiguration mit beiden Protokollen parallel. In manchen Programmen, wie beispielsweise dem Mailserverprogramm Postfix, muss IPv6 manuell freigeschaltet werden. Als eins der wenigen noch nicht kompatiblen, populären Programme ist der MySQL-Server zu nennen.
Alle Anwendungen auf IPv6-Unterstützung prüfen
Wer auf IPv6 umstellt, sollte dies von langer Hand planen und jedes einzelne verwendete Programm auf seine IPv6-Kompatibilität prüfen. Die Unterstützung des Betriebssystems stellt nur das kleinste Problem dar. Wer beispielsweise Websites hostet, sollte bedenken, dass er nicht nur seine eigene Software, wie beispielsweise Hosting-Panels zur Administration umstellen muss. Auch die Software der Kunden muss gegebenenfalls umfangreich angepasst werden.
Die Windows- und Linux-Betriebssysteme erlauben es, IPv6 und IPv4 parallel auf den Servern zu betreiben. Im "DualStack"-Betrieb wird dabei meist IPv6 bevorzugt. Das heißt, dass die Programme auf den Adressen des neuen Protokolls nicht nur eingehende Verbindungen entgegen nehmen, sondern auch ausgehende Verbindungen über IPv6 abwickeln. Wird dies nicht beachtet, kann beispielsweise der Mailversand Schwierigkeiten bereiten, wenn für die IPv6-Adresse eines Hosts keine Zuordnung des Host-Namens im DNS existiert. Prüft der Zielserver den sogenannten "PTR-Record" und findet er ihn nicht, kann die Mail nicht zugestellt werden.
Ähnliche Probleme treten auf, wenn ein Rechner auf einen anderen Host zugreift, der Verbindungen basierend auf der IP-Adresse blockt oder wenn auf Webseiten beispielsweise Limitierungen in der Datei .htaccess existieren. Wird IPv6 aktiviert, ändert sich in manchen Fällen die IP, von der aus die Verbindung aufgebaut werden soll. Hier müssen vorab die Firewalls oder die Software, die nach IPs filtern, angepasst werden.
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