Fachartikel

Video-Workshop: Systeme sicher administrieren (III)

Mit Hilfe der Software 'Open Management Architecture' (OMA) erstellte Archiv-Images sind rein auf Dateiebene gezogene Abbilder. Diese lassen sich sowohl zur Wiederherstellung eines Rechners als auch zum massenhaften Verteilen eines Betriebssystems verwenden. In der vorangegangenen Folge unseres Video-Workshops hatten wir Ihnen gezeigt, wie Sie Windows mit Hilfe von OMA auf einer größeren Anzahl von Computern ausrollen. Die gleiche Vorgehensweise eignet sich natürlich auch für Linux-Umgebungen und stellt eine Alternative zur Arbeit mit physikalischen Images dar.
Im dritten Teil unseres Video-Workshops zeigen wir Ihnen, wie Sie mit "OMA" Linux-Systeme verteilen
Natürlich lassen sich mit OMA auch physikalische Images von Linux ziehen. Sie könnten dabei zwischen den Programmen "dd" und "partimage" wählen, wenn es denn unbedingt ein herkömmliches und damit meist sehr großes Image sein soll. Statt mit diesen starren und unflexiblen Abbildern zu arbeiten, ist es eleganter, nur die unbedingt benötigten Dateien einzufangen. Auch beim Deployment von Linux arbeitet OMA mit Musterinstallationen. Eine Debian 4.0 Workstation-Installation oder eine Red Hat 5.3-Serverinstallation stellen kein Problem dar, gerade da im Bereich der automatischen Hardwareerkennung die meisten Distributoren dazu gelernt haben. Um wirklich alle Facetten des OMA-Managements auszunutzen, bietet es sich an, mit einer OMA-Managementpartition zu agieren. Das Ausrollen funktioniert dann – wie auf der nächsten Seite in Film 3 gezeigt – auch ohne jeden Netzkontakt zu einem OMA-Deployment-Server.

Einsatz der Managementpartition
Auf einer OMA-Managementpartition bootet genau die gleiche OMA-Management-Client-Console wie beim Booten vom Netz. Die erste primäre Partition mit einer Größe von 200 MByte gehört bei Verwendung einer Managementpartition immer OMA. Danach können Linux, Windows, Solaris, FreeBSD oder andere Systeme veranstalten, was immer Sie wollen. Die Managementpartition arbeitet wahlweise mit einem LILO- oder einem GRUB-Bootmanager, dessen Konfiguration in Abhängigkeit von der gewünschten Verteilung Sie bei jeder Bespielung anpassen können. Wird ein neuer Computer vom Netz in die Linux basierte OMA-Management-Client-Console gebootet, können Sie die Managementpartition und ein Linux Archiv-Image in einem Atemzug verteilen. So entsteht bei Verwendung der Managementpartition kein administrativer Mehraufwand. In Film III-1 dauert das Übertragen der Dateien auf die Managementpartition nur wenige Sekunden.



Boot-, Root-, Home- und Swap-Dateisystem
In unserer Musterinstallation besetzt ein Unix-Derivat stets einen Teil der Festplatte für das root-Dateisystem und einen Teil für ein leeres home-Dateisystem. Zusätzlich ist ein Bereich für das swap-Dateisystem möglich, wobei Sie die nötigen Einstellungen auch in der Datei /etc/swapfile hinterlegen können. In unserem Fall wählen wir die selbstbestimmte Platteneinteilung. Ein boot-Dateisystem besitzen wir mit der Managementpartition bereits, aber um beispielsweise auch bei einer Red Hat-Installation auf Nummer sicher zu gehen, spendieren wir Red Hat zusätzlich ein eigenes boot-Dateisystem. Auf keinen Fall sollte der Bootmanager automatisch an den Anfang der Festplatte gesetzt werden, wie das bei den Linux-Distributionen fast durchgängig die Voreinstellung ist. Hingegen sollten Sie sich während der Installation Ihrer Linux-Distribution nach Wahl vom System stets die Frage stellen lassen, wohin der Bootmanager geschrieben werden soll. Dies sollte stets der Anfang der eigenen Bootpartition sein, falls Sie eine verwenden, oder aber der Anfang des eigenen root-Dateisystems. So geraten Sie nicht mit der Managementpartition in Konflikt. Der auf der Managementpartition platzierte Bootmanager kann dann entweder selbst den Linux-Kernel und die Initial-RAM-Disk Ihres Linux-Systems laden oder er springt an den Anfang der boot-Partition Ihres Linux-Systems, um Ihnen beispielsweise einen roten Hut zu zeigen.

Verteilen von Debian 4.0
Nach der Installation von Debian 4.0 neutralisieren wir die Installation. Die Prozedur oma2linux.sh rufen Sie dazu direkt auf dem eingesteckten USB-Stick auf. Diese Vorgehensweise deaktiviert alle Netzwerkkarten und sorgt dafür, dass später nicht bei jeder Verteilung neue Netzkarten entstehen, nur weil der LAN-Adapter eine andere Mac-Adresse hat. Um eine Musterinstallation für viele Systeme zu verwenden, sind mittlerweile auch in Linux einige unsinnige Voreinstellungen zu eliminieren. Nach einem erneuten Bootvorgang existiert Netzkarte nur noch der Loopback und der Rechner heißt "paradiesvogel". Damit beim Abziehen und Bespielen auch der Versuch unternommen wird, ein OMA-Archiv-Image zu verwenden, müssen Sie lediglich einen passenden Imagetyp auf dem OMA-Server vereinbaren. Am Anfang müssen Sie selbstverständlich denjenigen Imagetyp nehmen, der Ihrer manuellen Installation entspricht. Wenn Sie Ihr Linux mit einem ext3-Filesystem installiert haben und einen Reiser-FS-Imagetyp festlegen, werden Sie schon beim Abziehen Ihrer Musterinstallation abgeschmettert.



Da uns die Eigenschaften des Linux-Kernels auf der Managementpartition ausreichen, verwenden wir weder den Linux-Kernel noch die Initial-RAM-Disk, welche die Debian 4.0 Installation auf dem root-Dateisystem abgelegt hat. In Film III-2 ist zu sehen, dass bei der Verteilung eine Hardwaredifferenz nachgespielt wird. So wie wir die Debian-Installation verwenden, reichen die Dateien /etc/fstab und /etc/X11/xorg.conf aus, um die unterschiedliche Hardware der Rechner abzufangen. Den symbolischen Link /dev/cdrom haben wir über ein Softwarepaket im Griff. Dieses Paket besteht nur aus einer Prozedur und findet allein heraus, ob /dev/hda oder /dev/hdc ein CD-Laufwerk ist. So können wir das Debian von jedem beliebigen Rechner abziehen und müssen nicht auf die Hardware gehen, an der die Musterinstallation ursprünglich ausgeführt wurde. Nach einer Bespielung mit Debian 4.0 booten unsere OMA-Server immer richtig (/etc/fstab) und sind immer bunt (/etc/X11/xorg.conf). Dies soll uns zunächst genügen. Da sich bei einem Archiv-Image das zu formatierende Dateisystem jederzeit ändern lässt, müssen Sie nicht das Image, sondern bei Bedarf nur die separat verwaltete Datei /etc/fstab ändern. Auch für Linux gilt der Grundsatz, dass Softwarepakte schon vor dem ersten Booten verteilt, allerdings erst beim ersten Bootvorgang installiert werden.


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30.10.2009/ln/Andreas Roscher

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