Fachartikel

Wenn das Netz schwächelt - Netzwerküberwachung mit Nagios (1)

Wer den Überblick über sein Netzwerk hat, kann schon bei kleinen Veränderungen vorsorglich eingreifen und Ausfälle vermeiden. Bei dieser Aufgabe gehen dem Administrator Netzwerkmanagementsysteme zur Hand. Ein kostenloser Vertreter dieser Softwaregattung ist das modulare Überwachungssystem Nagios. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Sie Nagios in Ihrem Netzwerk installieren und zum Laufen bekommen. Im folgenden Beitrag widmen wir uns der Überwachung von Diensten.
Nagios in Aktion: Die taktische Übersicht zeigt, was alles von Nagios beobachtet wird
Wer wissen will,was in seinem Netzwerk abläuft, benötigt ein entsprechendes Überwachungstool. Der Markt bietet dafür eine reiche Auswahl. Neben den Highendlösungen wie Openview von Hewlett-Packard oder Unicenter von Computer Associates gibt es auch einige interessante Open-Source- Angebote.Dazu gehört das für Linux entwickelte Nagios von Ethan Galstad, das unter www.nagios.org zum Download bereitsteht.

Die Software meldet dem Administrator, wenn ein Dienst nicht mehr korrekt läuft, vorgegebene Schwellenwerte über- oder unterschritten werden und wenn Rechner im Netzwerk nicht mehr erreichbar sind. Unter anderem überwacht Nagios SMTP, POP3, HTTP, NNTP und viele weitere Netzwerkdienste, kann Rechnerressourcen wie Prozessorlast und Festplattenbenutzung aufzeichnen, Benachrichtigungen bei Problemen verschicken und vorher definierte Aktionen bei Schwierigkeiten ausführen. Die Bedienung erfolgt über einen Webbrowser.Allerdings benötigt Nagios zum Betrieb weitere Programme und Skripte, um überhaupt Host- und Dienstprüfungen durchzuführen.

Diese Prüfungen stellen das Grundgerüst der Überwachung dar und sind notwendig, um Informationen aufzeichnen zu können.Weitere Skripte und Plugins sind unter nagiosplug.sourceforge.net zu finden. Außerdem gibt es zahlreiche Addon- Module, mit denen der Netzmonitor erweitert werden kann. Eine Übersicht finden Sie im Kasten “Add-ons für Nagios”.

Nagios installieren
Nagios ist in vielen Linux-Distributionen bereits im Lieferumfang enthalten. So finden Sie beispielsweise die aktuelle Version 1.2 in drei Varianten im Verzeichnis “testing” von Debian (Sarge): einmal mit PostgreSQL-, einmal mit MySQL- und eine Version ganz ohne SQL-Unterstützung für die Verwendung mit Textdatenbanken. Gehört Nagios nicht zum Lieferumfang der eingesetzten Distribution, können Sie den Tarball oder RPM-Pakete für Red Hat ab der Version 7.3 von der Nagios-Homepage herunterladen und installieren.Voraussetzungen gibt es wenige: Bevor Sie mit Nagios loslegen können,muss TCP/IP konfiguriert sein, da die meisten Überwachungsfunktionen über das Netzwerk ausgeführt werden.Und wenn Sie die CGISkripte von Nagios benutzen möchten, sollten ein Webserver, vorzugsweise Apache, sowie die “gd library” von Thomas Boutell (www.boutell.com/gd) in der Version 1.6.3 oder höher installiert sein,weil sie von der statusmap-CGI in Nagios benötigt wird. Das Debian-Paket installieren Sie mit dem Befehl
apt-get install {Paketname}
Für den Platzhalter {Paketname} können Sie sowohl “nagios-mysql” als auch “nagios- psql” verwenden.Wenn Nagios ohne SQL-Support installiert werden soll, ist “nagios-text” der richtige Eintrag. Falls noch nicht installiert, wird der Webserver Apache gleich miteingerichtet. Die Debian- Version von Nagios konfiguriert die Apache-Konfigurationsdatei “/etc/ apache/httpd.conf ” auf Wunsch automatisch mit.

In der webbasierten Nagios-Administration muss man sich zunächst einloggen, bevor man auf irgendeins der CGIs zugreifen kann. In der Standardkonfiguration des Apache richtet das Debian-Paket nur den Benutzer “nagiosadmin” ein. Weitere Nutzer können Sie mit Hilfe der htpasswd-Utility von Apache in die Datei “/etc/nagios/htpasswd.users” eintragen. Sinnvoll ist es, verschiedene Zugänge einzurichten, in denen die Benutzer Rechte für unterschiedliche Hosts haben und nur für diese Systeme autorisierte Befehle an das Nagios-Backend senden können. In Debian müssen Sie noch entscheiden, ob die CGI-Skripte von Nagios in die Datei “/var/log/nagios/rw/nagios.cmd” schreiben dürfen. Dafür benötigt der Nagios- Nutzer weiter gehende Rechte, die automatisch mit “setuid” zugewiesen werden. Erst dann kann er zum Beispiel den Server neu starten oder Serviceprüfungen planen. Im Anschluss daran richtet das Skript “apt-get” den Apache-Webserver, Nagios und alle anderen benötigten Programme ein.

Selbst ist der Mann
Wer nicht auf die automatisierte Installation und Konfiguration von Nagios wie in Debian zurückgreifen kann, muss selbst Hand anlegen. Hier hilft die Online-Dokumentation unter nagios.sourceforge.net/ docs/1_0/ weiter. Die Dokumentation steht auch im Nagios-Verzeichnis “html/docs” zur Verfügung. Leider sind die Seiten noch nicht auf die Version 1.2 aktualisiert.Allerdings stört das nicht weiter, da seit der Version 1.0 hauptsächlich Bugfixes in die Entwicklung eingeflossen sind. Unter der Überschrift “Installing Nagios” wird in der HTML-Dokumentation erklärt, wie für Nagios ein Benutzer angelegt wird und wie die Software kompiliert und installiert wird. Um die Webschnittstelle nutzen zu können, müssen folgende Zeilen in die Apache-Konfigurationsdatei “httpd.conf” eingetragen werden:
ScriptAlias /nagios/cgi-bin/
/usr/local/nagios/sbin/
< Directory “/usr/local/nagios/sbin/”>
AllowOverride AuthConfig
Options ExecCGI
Order allow,deny
Allow from all
< /Directory>


Damit wird ein Alias für die CGI-Skripte erzeugt. Die Verzeichnisse müssen Sie eventuell an Ihre Installation anpassen. Das gilt auch für die nächsten Zeilen, die Sie in der Konfigurationsdatei “httpd.conf ” eintragen:
Alias /nagios/
/usr/local/nagios/share/
< Directory “/usr/local/nagios/share”>
Options None
AllowOverride AuthConfig
Order allow,deny
Allow from all
< /Directory>


Damit weiß der Apache außerdem, wo die HTML-Dateien von Nagios liegen. Um die Apache-Konfigurationsdatei nicht zu überfrachten, können Sie die Anweisungen auch in eine eigene Datei schreiben und per Include-Befehl in die “httpd.conf ” einbinden.

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11.01.2008/Ausgabe 12/04 des IT-Administrator Magazins S. 30 - 32, Autor: Thomas Hümmler

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