Fachartikel

Bewährte Prozesse für sichere Web-Applikationen

Der Schutz von Web-Applikationen ist in der IT heute zentraler Bestandteil von Sicherheits- und Compliance-Anforderungen. Optimale Absicherung ist meist dann erreicht, wenn Entwicklung, Qualitätsmanagement, IT-Sicherheit und produktiver Betrieb Hand in Hand arbeiten. Dazu bedarf es neben Sicherheitsprodukten wie einer Web Application Firewall vor allem guter Abstimmung und Routinen. In diesem Fachartikel informieren wir über Produkte, Prozesse und Schutzmechanismen, die beim Web-Applikationsschutz zum Einsatz kommen können.
Weil sensible Daten im Spiel sind, sollten Web-Applikationen für Angreifer auf keinen Fall zu knacken sein
Die von Web-Applikationen verarbeiteten Daten sind häufig sehr sensibel – etwa persönliche Kundendaten, Lieferanteninformationen oder interne Planungsdokumente. Deshalb gehört ihre Absicherung zwingend zu einer vollständigen IT-Sicherheitsstrategie. Mechanismen wie eine Firewall, IDS/IPS und ähnliche Systeme, die Web-Server, Load Balancer und andere Web-Infrastruktur-Komponenten abschirmen, reichen jedoch nicht aus. Denn Sie können Angriffe und Betrugsversuche, die im Payload von Anfragen stecken, nicht erkennen.

Zunehmend kommen deswegen eine neue Klasse von Schutzmechanismen oder – speziell in der Entwicklungsabteilung – Qualitätssicherungstools zum Einsatz, die zusammengenommen das genuin neue Feld Web-Applikationssicherheit ausmachen. Es betrifft IT-Verantwortliche in allen Bereichen – Betrieb/Administration, Qualitätsmanagement und Entwicklung. In der Folge müssen Abstimmungen und Routinen in Unternehmen neu aufgesetzt werden.

Das Patch-Dilemma
Erschwert wird die Sicherung von Web-Anwendungen durch das sogenannte Patch-Dilemma. Es beschreibt zwei Probleme, die der schnellen Absicherung von Applikationen in der Praxis entgegen stehen:
  1. Wenn Unternehmen mit Standardlösungen arbeiten, gibt es in der Regel keinen Zugriff auf den Quellcode der Anwendung. Damit kann der Applikationsbetreiber Schwachstellen nicht selbst beheben. Die vom Hersteller gelieferten Fixes stehen erst zeitversetzt im Rahmen der üblichen Service-Zyklen zur Verfügung.

  2. Arbeiten Unternehmen mit Eigenentwicklungen, stellt sich das Problem anders: Patches für diese Anwendungen müssen unternehmensinterne Prüfverfahren durchlaufen, bevor sie in einem fest vorgesehenen Wartungsfenstern in die Produktivsysteme eingespielt werden können. Auch hier ist die Web-Anwendung in der Zwischenzeit ungeschützt.
Um die Web-Applikation in der Zeit zwischen dem Entdecken einer Schwachstelle und der Verfügbarkeit von Patches zu schützen, gibt es Web-Applikation-Firewalls (WAF). Auch über das Patch-Dilemma hinaus leisten sie gute Dienste – beispielsweise für Anwendungen, die bald abgelöst werden und die deswegen nur noch mit wenig Aufwand gewartet werden sollen. Bei Schwachstellen in unterschiedlichen Web-Applikationen, die mal mehr, mal weniger sensible Daten verarbeitet, ermöglicht eine WAF eine gezielte Priorisierung von Entwicklungsaufgaben – Kapazitäten können auf stärker gefährdete Systeme verteilt werden, während alle weiteren Applikationen durch das Regelwerk der WAF geschützt sind.
 
Neuere WAFs übernehmen zudem weitere Sicherheitsfunktionen, die aufwendig zu programmieren sind – beispielsweise ein einheitliches und kryptographisch sicheres Session-Handling, das für mehrere Applikationen gilt. Wenn diese oder ähnliche Standards zentral durch die WAF statt dezentral in den verschiedenen Applikationen realisiert werden, unterstützt dies zudem die einheitliche Umsetzung einer Sicherheits-Policy.

Tools zum Auffinden von Schwachstellen
Web-Applikationssicherheit kann neben dem Einsatz einer WAF kann durch weitere Tools unterstützt werden: Statische Quellcodeanalysen kommen vor allem bei klassischen Entwicklungssprachen wie C oder C++ zum Einsatz. Sie ermitteln bekannte Schwachstellen, indem sie den Quellcode einer Anwendung nach bekannten Ungenauigkeiten durchsuchen. Die statische Analyse ist aber nur zuverlässig und effektiv, wenn der Quellcode vollständig vorhanden ist. Das heißt, dass die Untersuchung nur bei eigen entwickelten Anwendungen möglich ist, für die der Quellcode vorliegt. Die Analyse kann durch manuelle Inspektion erfolgen oder automatisch durch ein Programm.

Ein weiteres probates Mittel, um die Sicherheit von Web-Anwendungen zu erhöhen, sind Vulnerability-Scans; sie eignen sich besonders gut als Ergänzung zur statischen Quellcodeanalyse insbesondere bei bestehenden Applikationen. Ein Tool setzt die Anwendung automatisiert bekannten Angriffsmustern aus; das Ergebnis gibt einem entsprechend geschulten Zuständigen Aufschluss, wie angreifbar Web-Anwendungen von außen sind. Dies ist ein Cross-Check, ob und wie unberechtigte Aktionen durch Ausnutzung dieser Schwachstellen durchführbar sind oder ob die Schwachstellen durch bestehende Sicherheitsvorkehrungen abgeschirmt werden. Zudem können Vulnerability-Scanner Lecks in Standard-Software auffinden – dies ist ein für die Praxis besonders relevanter Unterschied zur oben beschriebenen Quellcodeanalyse, die ja Kenntnis des Quellcodes voraussetzt.


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23.06.2010/ln/Markus Wagner, IT Security Consultant bei art of defence

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