Fachartikel

Zeitmaschine gegen Datenverlust durch menschliche Fehler

Fällt ein System aus und gehen geschäftskritische Daten verloren, nimmt die aktuelle Gesetzgebung auch die IT-Verantwortlichen in die Pflicht. Unterschiedliche IT-Disaster-Recovery-Konzepte wie Storage- oder Clustertechnologien verhindern bei Systemausfall den Datenverlust. Doch schützen diese nicht vor logischen Fehlern. Hier hilft nur ein zeitversetztes Backup.
Mike Nottebrock
Foto: pixelio.de/Nottebrock
Unternehmen erkennen zunehmend die Vorteile und Notwendigkeit einer Disaster-Recovery-Lösung. So hat eine Umfrage von Symantec ergeben, dass in jedem zweiten der 900 weltweit befragten Betriebe eine Disaster-Recovery-Lösung bereits zum Einsatz kommt. Rund 45 Prozent der Unternehmen, die kein Sicherheitskonzept besitzen, sahen sich schon mit einem IT-Notfall konfrontiert. Etwa jeder vierte Betrieb (26 Prozent) musste sogar mit zwei IT-Notfällen umgehen.

IT-Verantwortliche haften bei Datenverlust
Neben dem reinen Datenverlust und möglichen Systemstillständen kann ein Fehlerfall auch haftungsrechtliche Konsequenzen haben. Die Sicherung der Daten wird so zur Chefsache. Denn die aktuelle Gesetzgebung nimmt auch die IT-Verantwortlichen in die Pflicht, wichtige Systeme und damit geschäftskritische Daten gemäß den aktuellen gesetzlichen Vorschriften und Rahmenbedingungen vor Ausfällen zu schützen. Wird die Datensicherung vernachlässigt, ist dies laut Gesetz grob fahrlässig und kann den Fortbestand des Betriebes gefährden. Fällt ein System aus und gehen wichtige Daten verloren, weil kein oder nur ein mangelhaftes Sicherheitskonzept vorhanden ist, haften die IT-Verantwortlichen und die Geschäftsleitung.

Rücksicherung der Datenbank kostet Zeit
Aktuelle Studien belegen, dass etwa 70 Prozent aller Ursachen, die zu Datenverlusten führen, auf logische Fehler zurückgehen. Zu den Fehlerquellen gehören beschädigte Datenimporte, Sabotage durch Dritte, fehlgeschlagene Wartungsarbeiten, unbeabsichtigtes Löschen oder Fehler bei der Bedienung komplexer IT-Umgebungen. Weitere mögliche Fehlerquellen beziehen sich auf die Hardware. Da bei Storage-Technologien wie RAID die Datenhaltung synchron erfolgt, werden die zerstörten Daten der Originaldatenbank auch fehlerhaft auf das Ausfallsystem übertragen. In diesen Fällen hilft nur noch eine zeitaufwändige Rücksicherung der Datenbank. Hierbei ist zu beachten, dass neben der Rücksicherung auch ein umfangreicher Datenverlust von durchschnittlich einem Arbeitstag droht, der nachträglich wieder erfasst werden muss. Kaum ein Unternehmen kann sich einen so langen Systemstillstand leisten.

Redundante Datenhaltung bei Storage-Technologien
Storage-Technologien wie RAID oder SANs legen den Fokus auf die Datenabsicherung. Dies geschieht auf einer sogenannten Block-Level-Ebene. Dabei werden Daten redundant auf mehrere Speichermedien geschrieben, um den Betrieb des Gesamtsystems bei einem IT-Notfall aufrecht zu erhalten. Fällt ein Speichermedium aus, sind die Datenbestände auf einer weiteren Komponente verfügbar. Vor logischen Fehlern mit korrupten oder gelöschten Daten schützt dies jedoch nicht. Insgesamt sichern die Technologien zwar Server- und Storage-Systeme ab. Sie wurden aber primär für den Bereich der Hochverfügbarkeit entwickelt und reichen für ein verlässliches IT Disaster Recovery-Konzept nicht aus.

Zeitversetzte Spiegelsysteme schützen vor logischen Fehlern
Standby-Systeme bieten im Gegensatz zu den Hardware-Technologien speziell für Datenbanken die Möglichkeit, einen Datenbestand vor logischen Fehlern zu schützen. Zunächst wird die Originaldatenbank auf ein anderes System im LAN oder WAN kopiert. Danach werden alle Veränderungen der Echtdatenbank kontinuierlich auf das Spiegelsystem übertragen. Geschieht das zudem zeitversetzt, bietet diese Lösung einen optimalen Schutz vor logischen Fehlern. Löscht zum Beispiel ein Mitarbeiter um elf Uhr unbeabsichtigt die Vertriebsdaten, kann auf das Spiegelsystem mit dem Datenbestand von 10:59 Uhr umgeschaltet werden. Damit ist innerhalb weniger Minuten ein Spiegelsystem mit konsistenten und korrekten Daten verfügbar. Im Vergleich zu den hardwarebasierten Disaster-Recovery-Lösungen oder manuellen Rücksicherungen ist dieses Verfahren deutlich effektiver und effizienter.

Software spiegelt Daten zeitversetzt
Die patentierte Lösung von Libelle etwa, einem Softwarespezialisten im Bereich Disaster Recovery und Hochverfügbarkeit, wurde für die zeitversetzte Datenspiegelung konzipiert. So erstellt und verwaltet die Spiegelsoftware automatisch insbesondere Standby-Datenbanken. Dabei wird die Lösung sowohl auf dem Echt- als auch auf dem Spiegelsystem implementiert. Im laufenden Betrieb und bei voller Verfügbarkeit der Produktivsysteme überträgt die Software zunächst alle wichtigen Dateien und Datenbanken initial auf das Spiegelsystem. Änderungen der Echtseite werden in einem Zeit-Puffer abgelegt. Dieser wirkt zwischen Echt- und Spiegelsystem, indem er die Transaktionen vorübergehend zwischenspeichert. Physisch befindet sich der Puffer auf dem Spiegelsystem, damit er bei Ausfall des Originalsystems zugänglich ist. Dabei lässt sich dynamisch einstellen, wann die Daten aus dem Zeit-Puffer auch logisch an den Spiegelserver weitergegeben werden. Fällt die Originaldatenbank aus, lässt sich der Datenbestand vollständig oder bis kurz vor den Zeitpunkt des Fehlers wiederherstellen. Manuell per Mausklick oder automatisch schaltet die Software auf das Spiegelsystem um. Darauf zugreifende Systeme und Benutzer arbeiten so innerhalb kürzester Zeit mit einem konsistenten Datenbestand weiter.

Globale Datensicherung möglich
Neben lokalen Spiegelungen zwischen räumlich nahestehenden Systemen sind durch eine zusätzliche WAN-Funktionalität auch Spiegelungen über weite Entfernungen möglich. Durch die gegebene Skalierbarkeit der Lösung nutzen sowohl KMUs als auch internationale Unternehmen mit weltweit verteilten Rechenzentren die Möglichkeit, globale Disaster-Recovery-Konzepte umzusetzen, in denen beispielsweise Systeme interkontinental abgesichert werden. Auf diese Weise gewährleisten Disaster-Recovery-Lösungen auch weltweit die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.
5.08.2008/Lars Albrecht ist Sales Director bei der Libelle Sales + Services GmbH & Co. KG / dr

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