Bei beiden Konzepten geht es um eine prinzipielle Klärung: Was muss wie und wie lange wo beziehungsweise auf welchem Medium gespeichert werden? In der Welt der Mainframes wurde deshalb zu der Methodik des hierarchischen Storage Management (Hierarchical Storage Management, HSM) gegriffen. Bei dieser Vorgehensweise wird die automatische Speicherung der Daten entsprechend der erforderlichen Performance für die jeweiligen Applikationen auf den kostengünstigsten Speichergeräten vorgenommen. Dieser Prozess ist für die Anwender nicht sichtbar, sie können unvermindert auf alle Daten zugreifen, egal auf welcher Stufe der Speicherhierarchie sich diese befinden. Eine spezielle HSM-Software kümmert sich um die verschiedenen Speicherstufen. IBM führte dieses Verfahren zuerst 1975 auf Mainframes ein.

Bild 1: Vor der Einführung von "Information Lifecycle Management" (ILM)
sollte eine klar definierte Roadmap vorliegen.
StorageTek und andere Anbieter legten nach dem Platzen der Internet-Blase im Jahr 2001 Wert auf die Strategie von Information Lifecycle Management (ILM), um die Anwender mehr auf die inhaltliche Betrachtung ihrer gespeicherten Daten zu verweisen. Als Hardware-Hersteller hatte man dazu eine Palette von unterschiedlichen Geräten anzubieten, außerdem kooperierte man mit Anbietern, die sich mehr um die Klassifizierung der Daten per Software kümmerten. EMC kaufte sich mit "Documentum" gleich einen eigenen Hersteller einer Dokumentenmanagement-Lösung (DMS) ein, um daraus Pakete für die alten und neuen Kunden zu schnüren. ILM kann als Fortsetzung von HSM für die Unix- und Windows-Welt begriffen werden.
Mit ILM werden die Daten von ihrer Entstehung bis zu ihrer Archivierung oder ihrem Löschen verwaltet und entsprechend ihrer Wertigkeit auf unterschiedlich schnellen und leistungsfähigen Datenträgern abgelegt. Diese Art von Speichermanagement ist auf HSM-Technologie aufgebaut und benutzt von den Unternehmen aufgestellte Policies, um eine optimale Übereinstimmung zwischen Datenwertigkeit und den jeweiligen Speicher-Subsystemen zu bestimmen. Auch wenn sich die Unternehmen dessen oft nicht bewusst sind, praktizieren sie alle irgendeine Form von ILM. Selbst wer seine Daten ein Jahr lang oder sogar länger auf hochperformantem und teurem Online-Storage vorrätig hält, hat eine Aussage über den angenommenen Wert seiner Daten getroffen – ob diese Entscheidung allerdings rational gut begründet war, steht auf einem ganz anderen Blatt, da man sie vermutlich schon längst auf preisgünstigere Datenträger hätte auslagern können.
Prinzip Tiered Storage
Ein verwandter Ansatz ist Tiered Storage, der das Gleiche meint wie HSM und ILM, aber mehr die Kombination von IT-Infrastruktur (Hardware-Basis) und Dateninhalten berücksichtigt: Auf verschiedenen Stufen eines Kontinuums von Servern über schnelle Primärspeicher (Online Storage für Daten im sofortigen geschäftlichen Zugriff) und nicht so schnelle Speicher (Nearline Storage für Daten im eventuellen Zugriff) bis zu Backup-Mechanismen und Archivierung wandern die gespeicherten Daten immer mehr in Richtung Nicht-Zugriff. Eine solche Struktur, die von der Datenwertigkeit ausgeht, findet sich eigentlich in allen Unternehmen, egal wie sie diese bezeichnen.

Bild 2: Durch das Verschieben weniger wichtiger Daten auf günstigere Speichersysteme
lassen sich erhebliche Kosten einsparen
HSM und ILM lassen sich als übergeordnete, zum Teil auch "gefühlte" Strategie begreifen, die Stufen und Kriterien der Datensicherung in eine begründete Reihenfolge zu bringen. Viele Hersteller, die HSM oder ILM propagiert haben, versprachen ihren Kunden vor allem eine Verringerung ihrer Speicherkosten. Dies bezieht sich auf die klassischen Speicherprozesse Datensicherung, Backup, Restore und Disaster Recovery, die so kategorisiert werden müssen, dass sie gemäß ihrem Wert für das Unternehmen auf dem jeweils leistungsfähigsten und preiswertesten Speichermedium abgelegt sind. Das hört sich leichter gesagt an als getan: Denn immer muss bestimmt werden, welche Daten wie lange auf welcher Stufe beziehungsweise auf welchem Medium abgelegt werden sollen.
Traditionell war die Datenhierarchie zweigeteilt: hier die Daten, die auf Festplatten in direktem, schnellen Zugriff gespeichert wurden, dort die Backup- und Archivdaten auf billigem Tape, nicht in direktem Zugriff und teilweise irgendwo eingebunkert. Wer sich für HSM oder ILM als Strategie entscheidet, will mit diesem Grob-Konzept von einst brechen und Daten entlang ihres jeweiligen Nutzens – ihrer Bedeutung für den unmittelbaren Geschäftsprozess – ablegen. Wer dies entlang bestimmter Kriterien und geplant unternimmt, wird auf diese Weise sofort Kosten sparen können.
HSM und ILM haben auf jeden Fall, auch wenn diese Ansätze umstritten sind, eine Wirkung hinterlassen: Tiered Storage gehört heute zu einer Selbstverständlichkeit in den Unternehmen. Denn eine veritable Hierarchie beherrscht nun fast allerorten die Speicherlandschaft – aus zwei Stufen (Tiers) sind vier bis fünf geworden, und im Idealfall sollen sie genau die Wertigkeit der Daten auf jeder Stufe zu angemessenen Kosten darstellen. Also von teurem Primärspeicher (Fibre Channel- und SAS-Platten), über nicht ganz so teuren Sekundärspeicher (Disk-to-Disk (D2D) auf SATA-Platten), der im nicht so schnellen Server- oder Applikationszugriff bleiben soll, hin zu mehreren Formen von Backup: entweder als Backup-Speicher auf billigen SATA-Platten, die die Funktion von früherem Tape-Backup erfüllen (Virtual Tape Libraries / VTL), oder als klassisches Backup und Archiv auf Magnetbändern.
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