Fachartikel

Seite 2 - Sicherheit durch Datenkonvertierung

Datenkonvertierung hat drei Hauptaufgaben. Zum Ersten sorgt die Medienkonvertierung dafür, die verschiedensten Datenträger wieder bearbeiten zu können. Zum Zweiten müssen auch die Backup-Formate der Bandarchive unterstützt werden. Zum Dritten müssen Daten von verschiedensten Anwendungen in andere übertragen werden. Immer wichtiger wird auch der Fall, Mainframe-Daten auf nun immer leistungsfähigeren Servern, Workstations oder gar PCs zur Verfügung zu stellen.

Medienkonvertierung
Wer Daten von den verschiedenen Medien überspielen möchte, sieht sich allein schon dem ständigen Wechsel der Bauformen verschiedener Bänder und Laufwerke gegenüber.  Auch Technologien haben sich verändert und Hersteller sind vom Markt verschwunden. Bei den Tapes gibt es eine Fülle von Aufzeichnungssystemen, die sich allein schon von den Bauformen unterscheiden. So ist DLT – um nur ein Beispiel zu nennen – nicht gleich DLT. Die über 20 Varianten unterscheiden sich durch Bauform, Spurenaufbau und Datendichte. Zudem werden je nach Variante Daten verschlüsselt oder offen aufgezeichnet. Im Endergebnis sind daher die verschiedenen Varianten selbst eines einzigen Herstellers nur zum Teil kompatibel.

Datenkonvertierung
Die logische Organisation der Daten auf den Medien bringt weitere Probleme mit sich. Standardisierung ist und bleibt Utopie. Sowohl Anbieter von Betriebsystemen aber auch Speicheranbieter wie EMC, Veritas oder NetApp bringen oder brachten eigene Dateisysteme ins Spiel. Im Mainframe-Bereich gibt es allein schon von IBM verschiedene Formate. Dabei können Daten in Blöcken fixer oder variabler Länge aufgezeichnet werden. Doch das ist nur ein Ausschnitt der Großrechner-Welt. Das generell offene UNIX bringt weitere Variablen ins Spiel. UNIX kennt mit TAR, cpio und Dump allein schon drei Grundformate. Auf Desktop-Ebene gibt es in den einzelnen Betriebssystem-Umgebungen unterschiedliche Backup-Formate aufgrund der zahllosen unterschiedlichen Softwarelösungen.

Ein zusätzliches Problem ist hier die unterschiedliche Codierung der digitalen Inhalte, die sich bei Mainframe-, Midrange- und Desktop-Systemen unterscheiden. IBM- und AS/400-Rechner kodieren das Alphabet mit dem EBCDIC-Code, während in den allermeisten Fällen der ASCII-Code üblich ist. So wird hier auch für den Inhalt der Anwendungen Übersetzungsarbeit nötig.

Babylonische Ausmaße nimmt das Problem dann an, wenn man an die generelle Umwandlung von Anwendungsdaten denkt. Schon alte Textdokumente aus der DOS-Ebene sind eventuell nicht mehr einlesbar. Im CAD-Bereich schätzen Experten den Aufwand durch Konvertierung und Reparaturen von Dateien proprietärer Anwendungen pro Einzelprojekt auf rund sechs bis zehn Stunden. Allein Machbarkeitsstudien zur Datenkonvertierung von Flächenwidmungsplänen wurden schon zum Thema für eine umfangreiche Diplomarbeit. Solche Tools müssen eigens entwickelt werden. Ihre Verwirklichung hängt letztlich davon ab, ob der Aufwand der Programmierung sich finanziell rechnet.

Datendolmetscher
Angesichts dieser Gemengelage wird Datenkonvertierung zu einer komplexen Aufgabe, die über das einfache Überspielen und Migrieren von Daten hinausgeht. Konvertierungsprojekte sind umfangreiche, je nach vorliegender IT-Landschaft immer wieder verschiedene Projekte.


Bild 2: Mit viel Mühe, Handarbeit und etwas Glück lassen sich bei Bedarf auch defekte Medien wieder herstellen und die Daten konvertieren (Quelle: Kroll Ontrack)

Sie bestehen in einem ersten Schritt aus einer umfassenden Bestandsaufnahme, welche Systeme überhaupt vorhanden sind und in Einklang gebracht werden müssen. Das bedeutet letztlich die gesamte Nachzeichnung der Backup-Geschichte eines Unternehmens. Das Problem steckt dabei nicht selten im Detail. Oft sind zum Beispiel einmalige Entwicklungsdaten oder auch selbst entwickelte Anwendungen auf einem Datenträger gesichert, der nicht in die zentrale Datensicherung eingebunden war. Nach der Bestandsaufnahme, welche Backup-Systeme vorliegen, müssen alle Dateien identifiziert und katalogisiert werden, um zusammenhängende Daten zu organisieren. Wenn auf einige zu konvertierende Informationen nicht mehr zugegriffen werden kann, wird auch eine Datenrettung fällig. Logische und physikalische Beschädigungen, schon das einfache Fehlen eines Ersatzteils bei einem Laufwerk, können dazu führen, dass Daten zuerst nicht mehr lesbar sind. Doch selbst von gerissenen Bändern oder auch von Datenträgern, in denen Log-Dateien und Steuerungsdaten verloren gegangen sind, kann vieles wieder hergestellt werden.

Erst im nächsten Schritt erfolgt die eigentliche Konvertierung der Daten. Hier kommen meistens eigens entwickelte Tools zum Einsatz, die die Umwandlung vornehmen. Die Experten können zum Beispiel VMS-Backups automatisch verarbeiten und in eine PC/Windows-Plattform übertragen und wieder zurück. Für jedes Problem lassen sich so Lösungen entwickeln, die oft innerhalb weniger Stunden mehrere Gigabyte an Daten überspielen können.

Ist erst einmal für Klar-Schiff in der Datenlandschaft gesorgt, bieten anschließende Dienstleistungen über die Migration hinaus Mehrwert. Deduplizierung, Duplizierung, Extrahierung oder aber auch Löschungen sind oft überhaupt erst jetzt möglich oder lassen sich einfacher, schneller und zuverlässiger durchführen.

Zukunftssicherheit durch Datenkonvertierung
Datenkonvertierung wird immer wichtiger werden. Die Halbwertszeit digitaler Daten durch neue Speicherlösungen wird eher geringer. Die Überspielung von Informationen wird daher ein integraler Bestandteil von Datensicherheit. Unternehmen oder auch Behörden, die mittel- und langfristig über ihre Daten verfügen müssen, sehen sich früher oder später mit diesem Problem konfrontiert. Eine Lösung gibt es mit den richtigen Experten in den meisten Fällen. Für jeden Projektfall lässt sich ein Konvertierungsfahrplan erstellen. Doch auch die Administratoren selber können im Vorfeld wichtige Weichen stellen: durch Backup-Disziplin und übersichtliche, weil gut dokumentierte Speicherlandschaften.


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11.11.2009/ln/Edmund Hilt, Managing Director Kroll Ontrack GmbH Böblingen

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