Rund 40 Teilnehmer hatten sich im Seminarhotel eingefunden, um sich an drei Vortragstagen und in einem Intensiv-Workshop mit aktuellen Themen aus der Storage-Welt zu beschäftigen. Schlagworte wie Virtualisierung, Backup-to-Disk, Solid State Disks und natürlich die alles umhüllende Cloud waren nur einige der Themen, welche die Redner auf ihre Agenda gesetzt hatten. Ein besonderes Highlight stellte die Keynote von Dr. Axel Köster dar, der als Technologie-Analyst für IBM Deutschland tätig ist. Sein Vortrag begann in der Gegenwart und setzte sich zunächst mit dem Wettstreit zwischen Festplatte und Solide State Disk (SSD) auseinander. Köster entwarf jedoch auch eine faszinierende Zukunftsvision und sagte eine Revolution im Storage-Bereich voraus: NV-RAM würde vom ausgelagerten Array zurück in den Server wandern und bestehende Speicher-Strukturen überflüssig machen.
Bei seiner eher in der Gegenwart und der nahen Zukunft angelegten Betrachtung teilte Köster zwar die Ansicht vieler Analysten, dass Flash-basierte Speicher in den nächsten Jahren deutlich billiger würden. Er gehe jedoch davon aus, dass er sich preislich gesehen trotzdem immer noch klar über dem Niveau von Festplatten bewegen würde. Gerade in Anbetracht wachsender Datenmengen sei mittelfristig nicht davon auszugehen, dass SSDs Magnetspeicher vollständig ersetzen würden. Vielmehr sei ein Nebeneinander der verschiedenen Systeme im Rahmen eines Tiered Storage zu erwarten. Geschehe die Einordnung der Daten nach ihrer Wichtigkeit in vielen Unternehmen oft noch manuell, sei mit entsprechenden Techniken eigentlich schon jetzt eine dynamische Zuordnung der Daten auf die passenden Speichermedien möglich.
Köster wies darauf hin, dass Nutzer Festplatten und SSDs heute von unterschiedlichen Standpunkten aus betrachten müssten: Käme es bei der Festplatte auf die Performance pro GByte an, stehe beim Flash-Speicher die Langlebigkeit der Speicherzellen im Vordergrund. IBM will hier durch neue Technologien für eine längere Lebensdauer sorgen. So sollen Flash-Datenblöcke beim Neubeschreiben seltener gelöscht werden – alte Blöcke bleiben bis zu einem gemeinsamen Löschimpuls gesperrt. Dadurch seien grundlegend andere Cache-Algorithmen möglich, welche die Lebenszeit des Speichers erheblich verlängern würden. Durch den höheren Bedarf an neuen, leeren Blöcken sei bei dieser Technik allerdings ein massives Overprovisioning nötig, was sich natürlich im Preis niederschlage und leistungsfähige SSD-Speicher nie zur billigen Massenware machen werde.
Revolution in der Storage-Infrastruktur
Danach widmete sich der Technik-Stratege jedoch der Zukunft. Hier bahne sich laut Köster eine Revolution in der Storage-Architektur an: Extrem schnelles NV-RAM (Non Volatile-RAM) speichere Daten auch ohne ständige Stromzufuhr und finde in Form von Computing-Storage-Nodes wieder zurück in den Server. Die jetzt gebräuchlichen Storage-Architekturen, in der Platten in Arrays ausgelagert werden, sei dann nicht mehr nötig. NV-RAM werde in nicht allzu ferner Zukunft im TByte-Bereich als Steckplatinen zur Verfügung stehen, der Umweg über Kabel und Controller sei nicht mehr nötig. Köster rechnet damit, dass bereits ab 2015 NV-RAM dem bis dahin äußerst gebräuchlichen NAND-Flash den Rang ablaufen wird. Wer zu diesem Zeitpunkt des Vortrages nun immer noch nicht genug von technischen Details hatte, den versorgte der Redner noch mit ausführlichen Informationen zu brandneuen Technologien wie Speichern auf 3D-Nanostrukturen oder "Spintronics" genannten Festkörperspeichern. Selbst versierte Storage-Spezialisten dürften dem Vortrag von Köster viel Neues entnommen haben.
Insgesamt ließ es sich das diskussionsfreudige Publikum in Hamburg bei keinem der Referenten nehmen, offen gebliebene Punkte mich Nachfragen zu versehen. Auch die Podiumsdiskussion am ersten Veranstaltungstag bot dazu ausreichend Gelegenheit. Hier zeigte sich einmal wieder, dass das Thema Backup ein Dauerbrenner ist. Backup-to-Disk genoss eine recht hohe Wertschätzung der Teilnehmer, insbesondere für die kurzfristige Auslagerung von Sicherheitskopien sei der Aufwand für Tape-Backups mittlerweile zu groß. Trotzdem sei Band noch lange nicht tot und habe bei abgestuften Speicherverfahren als letztes und (noch) kostengünstigstes Glied in der Kette durchaus seine Berechtigung. Die Anwenderberichte zeigten jedoch, dass Disk-to-Disk-Backup gerade aufgrund der mittlerweile fast serienmäßigen und sehr erfolgreichen Deduplizierungs-Funktionen stark im Kommen ist.
Eine weitere Diskussion betraf die Notwendigkeit von Festplattenverschlüsselung auf RAID-Systemen. Tenor war, dass auch hier Verschlüsselung dringend anzuraten sei. Zwar würden zur Zugriffsbeschleunigung in einem RAID-Verbund alle Informationen gestückelt auf mehrere Datenträger verteilt, was das Auslesen von einer Festplatte zumindest bei großen Dateien so gut wie unmöglich mache. Allerdings würden sich wichtige Daten – etwa ein Passwort oder eine Kreditkartennummer – oft in winzigen, unverteilten Chunks verstecken, die dann im Klarformat von einer unverschlüsselten Festplatte abzugreifen wären.
Neben den Fragen rund um SSDs, Backups und RAID standen noch zahlreiche weitere Themen auf der Agenda. Dazu gehörten unter anderem Aspekte der Speicher-Virtualisierung und der Versuch, den verschwommenen Begriff der Cloud zu schärfen. Für die Storage-Verantwortlichen bot die IIR-Veranstaltung so viel Wissenswertes aus der Welt kleiner und großer Speicher. Eine Hersteller-Ausstellung und ein kurzweiliges Rahmenprogramm rundeten die Fachveranstaltung in einer äußerst gelungenen Weise ab.
Fachartikel
IT-Administrator vor Ort: 9. IIR Forum Storage, 30.11. - 3.12 2009, Hamburg
Bereits zum neunten Mal lud Veranstalter IIR Technology vom 30.11. bis 3.12. zum Storage-Forum ein. Im Hamburger Hotel Intercontinental trafen sich IT-Verantwortliche und Storage Experten, um in spannenden Vorträgen einen Blick in die Speicher-Zukunft zu werfen und anhand von Praxisberichten ganz alltägliche Herausforderungen aus dem Admin-Alltag zu verdeutlichen. IT-Administrator war vor Ort dabei. Lesen Sie, wie nach Festplatten und SSDs künftige Speicherarchitekturen aussehen könnten und warum auch in RAID-Systemen eine Verschlüsselung sinnvoll ist.
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Viel Wissenswertes rund um Speichertechnologien gab es beim 9. IIR Forum Storage
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