LibreOffice plant den Sprung in die Cloud

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LibreOffice plant den Sprung in die Cloud

09.06.2026 - 07:00
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LibreOffice im Browser, auf dem Smartphone, mit kollaborativer Bearbeitung – die Document Foundation hat eine neue Strategie vorgelegt, die die freie Office-Suite in direkten Wettbewerb mit Microsoft 365 und Google Workspace bringen soll.

Die Document Foundation (TDF) hat eine aktualisierte Strategie für LibreOffice veröffentlicht – und die hat es aus Nutzersicht in sich. Die Pläne konzentrieren sich auf die Zukunft von LibreOffice auf allen Plattformen: Desktop, Mobile und Cloud. Wer LibreOffice bislang als soliden, aber eingestaubten Word-Ersatz abgehakt hatte, dürfte aufhorchen: Die Stiftung will die freie Office-Suite langfristig auch dort konkurrenzfähig machen, wo Microsoft 365 und Google Workspace seit Jahren den Ton angeben.

LibreOffice im Browser

LibreOffice soll künftig nativ direkt im Browser des Nutzers laufen, ohne die Hosting-Server zu überlasten. Technische Grundlage dafür ist eine Kombination aus Qt 6 und WebAssembly (WASM). Das bedeutet in der Praxis: Wer LibreOffice nutzen will, soll irgendwann keine Software mehr installieren müssen. Dokumente im Browser öffnen, bearbeiten, speichern – ähnlich wie heute bei Google Docs. Ein konkretes Veröffentlichungsdatum für eine solche Webversion nannte die Stiftung allerdings nicht.

Ebenfalls auf der Agenda steht gemeinsames Arbeiten an Dokumenten – einer der wichtigsten Gründe, warum viele Nutzer trotz Datenschutzbedenken bei Google Workspace oder Microsoft 365 bleiben. Die Stiftung plant praktische Tests zur kollaborativen Bearbeitung auf Basis einer stabilen Client-Server-Architektur via TCP/IP – als Vorstufe zur Erforschung von Peer-to-Peer-Netzwerken.

Peer-to-Peer wäre dabei besonders interessant: Gemeinsames Arbeiten ohne zentralen Server würde LibreOffice eine Funktion verschaffen, die weder Microsoft noch Google in dieser Form anbieten. Auf mobilen Geräten soll parallel dazu die Weiterentwicklung der grafischen Benutzeroberfläche für Android und iOS vorangetrieben werden.

Alternatives Cloudangebot

Langfristig positioniert sich LibreOffice damit als ernstzunehmende Alternative zu den abonnementbasierten Cloudsuiten der großen Anbieter – besonders für Nutzer, die Wert auf Datensouveränität und Open-Source legen. Die vollständige Unterstützung des Open Document Format (ODF) sowie Verbesserungen an Benutzeroberfläche und Benutzerfreundlichkeit stehen ebenfalls auf der Liste. Die Desktop-Version bleibt dabei das Herzstück: Zwei größere Releases pro Jahr sollen weiterhin erscheinen.

Intern stellt sich die Stiftung für diese Aufgaben neu auf. Das Team soll in zwei Teilgruppen aufgeteilt werden; zusätzliches Personal und externe Auftragsvergabe werden in Betracht gezogen. Die Leitung der Web- und Mobile-Entwicklung übernimmt Jonathan Clark. Die Verantwortung für Sicherheit und CVE-Management wurde Christian Lohmaier und Xisco Fauli übertragen; die Einstellung eines weiteren QA-Spezialisten ist geplant.

Ob der ambitionierte Plan mit den vorhandenen Ressourcen umsetzbar ist, bleibt abzuwarten – einen verbindlichen Zeitplan mit festen Lieferterminen für Web- oder Mobile-Versionen hat die Stiftung bislang nicht vorgelegt.