OpenAI stellt Sora ein
OpenAI zieht die Reißleine: Die KI-Videoplattform Sora, die erst im Herbst 2025 als potenzielles soziales Netzwerk für KI-Inhalte gefeiert wurde, ist Geschichte. Hinter dem überraschend schnellen Aus steckt eine grundlegende Strategiekorrektur des Konzerns – und ein geplatzter Milliarden-Deal mit Disney macht die Sache noch brisanter.
OpenAI beendet seinen Ausflug in die Welt der KI-generierten Videos: Der Konzern zieht die Sora-App zurück, die erst im September 2025 mit großem Tamtam gestartet war. Wie das Wall Street Journal berichtet, informierte CEO Sam Altman die Belegschaft am Dienstag darüber, dass das Unternehmen seine Videoprodukte einstellt. Betroffen sind neben der Verbraucher-App auch die Entwickler-API sowie die Videointegration in ChatGPT. Auf X verabschiedete sich das Sora-Team parallel mit einem emotionalen Post von seiner Community und kündigte an, in Kürze Details zu Abschaltzeitplänen und zur Sicherung von Nutzerdaten zu veröffentlichen.
Erhebliche Rechenleistung
Sora war ursprünglich als eine Art TikTok für KI-Inhalte konzipiert: Nutzer sollten sich selbst in ikonische Pop-Kultur-Szenen hineinschneiden und die Ergebnisse in einem sozialen Feed teilen können. Altman persönlich forderte die Community kurz nach dem Launch auf, genau das auszuprobieren - und ließ sich dabei bereitwillig in berühmte Filmszenen montieren. Intern war die Begeisterung allerdings gedämpfter: Laut dem Wall Street Journal zeigten sich manche Mitarbeiter überrascht, wie viele Rechenressourcen der Konzern in ein Produkt pumpte, dessen Marktbedarf kaum belegt war.
Der Rückzug ist Teil einer grundlegenden Strategiekorrektur bei OpenAI. Das Unternehmen bündelt seine Kräfte zunehmend auf produktivitätsorientierte Werkzeuge für Unternehmen und Entwickler – und richtet sich damit auf einen möglichen Börsengang noch im vierten Quartal 2026 aus. Erst vergangene Woche kündigte OpenAI an, seine ChatGPT-Desktop-App, das Coding-Tool Codex und einen eigenen Browser zu einer einzigen "Superapp" zusammenzuführen. Altman zufolge soll das die internen Strukturen straffen und die Belegschaft hinter einer gemeinsamen Vision vereinen. Beim Sora-Team selbst setzt der Konzern nun auf langfristigere Wetten - etwa Robotik.
Milliarden-Investition von Disney
Der Sora-Abgang hinterlässt auch bei einem prominenten Partner einen bitteren Nachgeschmack: Disney hatte im Dezember eine Milliarde US-Dollar in OpenAI investiert und im Gegenzug die Lizenzierung von mehr als 200 Charakteren vereinbart. Nutzer hätten damit etwa neben Luke Skywalker ein Lichtschwert schwingen oder in Toy Story mitspielen können. Dieser Deal ist nun hinfällig. "Wir respektieren OpenAIs Entscheidung, aus dem Videogenerierungs-Geschäft auszusteigen und seine Prioritäten zu verlagern", erklärte eine Disney-Sprecherin. Das Investment selbst kommt laut WSJ ebenfalls nicht zustande.
Soras Scheitern steht symptomatisch für die Kehrtwende, die OpenAI gerade vollzieht. Die Anwendungschefin Fidji Simo mahnte Mitarbeiter in einem unternehmensweiten Meeting Anfang März, sich nicht von "Nebenmissionen" ablenken zu lassen. Im Visier hat OpenAI dabei vor allem Konkurrent Anthropic, der im Bereich Coding und Enterprise-Anwendungen zunehmend Boden gutmacht. Die Abschaltung von Sora ist damit nicht nur das Ende einer Videoplattform – sie markiert auch den Beginn einer deutlich fokussierteren Produktstrategie.