Wedium verspricht Social Media ohne Bots

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Wedium verspricht Social Media ohne Bots

31.03.2026 - 08:00
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Eine neue Kurzvideo-Plattform aus Europa verspricht, was viele sich seit Jahren wünschen: echte Menschen statt Bots, kein Doomscrolling und vollständige Datensouveränität – inklusive Ausweispflicht für alle, die aktiv mitmachen wollen. Bots, Fake-Accounts und anonyme Trolle sollen so von vornherein aussortiert werden.

Mitten in einer Zeit, in der das Vertrauen in soziale Netzwerke so gering ist wie selten zuvor, geht die Beta-Version von Wedium an den Start. Die Kurzvideo-Plattform aus Europa setzt auf ein Konzept, das sich fundamental von TikTok, Instagram oder Facebook unterscheidet: Wer bei Wedium interagieren will, muss sich zunächst mit dem Personalausweis verifizieren.

Bots, Fake-Accounts und anonyme Trolle sollen dadurch außen vor bleiben. Die Macher, nach eigenen Angaben allesamt Eltern, sehen in Wedium nichts weniger als einen Beitrag zur digitalen Souveränität Europas – ausgelöst durch die Bilder von Trumps Amtseinführung am 20. Januar 2025, als die gesamte Tech-Elite demonstrativ in der ersten Reihe saß.

Posten nur mit Ausweis

Der Verifizierungsansatz ist das wohl ungewöhnlichste Merkmal der neuen Plattform. Inhalte ansehen können zunächst alle – wer aber posten, liken oder kommentieren möchte, muss sich über den deutschen Dienstleister WebID ausweisen. Das Verfahren ist nach Angaben der Betreiber DSGVO-konform, die Daten liegen auf europäischen Servern und unterliegen nicht dem US CLOUD Act. Den Klarnamen muss dabei niemand angeben; Nicknames sind ausdrücklich erlaubt.

Dass Wedium ein rein europäisches Projekt sein will, lässt sich anhand der technischen Infrastruktur nachvollziehen: DNS-Server kommen von Bunny.net aus Slowenien, als Server- und E-Mail-Anbieter kommen ausschließlich deutsche Unternehmen zum Einsatz, und der Plattformcode wurde vollständig vom eigenen Team entwickelt – ohne Rückgriff auf das quelloffene AT-Protokoll.

Ethikrat an Bord

Inhaltlich setzt Wedium auf zwei getrennte Feeds: Die "For we"-Page zeigt Beiträge aus dem eigenen Netzwerk, die "For me"-Page empfiehlt darüber hinausgehende Inhalte. Beide Algorithmen wurden nach Angaben des Unternehmens gemeinsam mit einem Ethikrat entwickelt, der unter anderem eine Jugendschutzexpertin einschließt. Für Minderjährige gilt ein eigenes Schutzkonzept: Sie können die Plattform erst ab dem offiziellen Launch im Sommer 2026 nutzen, müssen über das Konto einer erziehungsberechtigten Person angemeldet werden und erhalten ausschließlich altersgerechte Inhalte.

Das Geschäftsmodell beruht auf Werbeeinnahmen und einem Freemium-Abo für 8,99 Euro im Monat, mit dem Nutzerinnen und Nutzer die Plattform werbefrei verwenden können. Creator sollen dabei von Anfang an beteiligt werden – bereits ab dem ersten Like lassen sich sogenannte Wedium-Points sammeln, die anteilig an den Werbeeinnahmen eines definierten Zeitraums gemessen werden. Wie groß das Potenzial ist, hängt letztlich davon ab, wie viele Nutzerinnen und Nutzer die Plattform tatsächlich für sich gewinnen kann. Der vollständige Launch ist für Sommer 2026 geplant.