Seite 2 - Checkliste für Netzwerk-Stresstests (2)

Lesezeit
3 Minuten
Bis jetzt gelesen

Seite 2 - Checkliste für Netzwerk-Stresstests (2)

19.08.2013 - 00:00
Veröffentlicht in:

Zur Ermittlung der gegenseitigen Beeinflussung durch die parallel ablaufenden Prozesse aller ausgewählten Transaktionen müssen Sie Mehrplatzmessungen durchführen. Dabei ist erstens die Nachbildung der Volllast zu beachten: Um den Einfluss des unterschiedlichen und manchmal auch fehlerhaften Benutzerverhaltens zu eliminieren, sollten Sie anstelle der realen Benutzer Lasttreibersysteme einsetzen. Falls Sie keine realen Applikationen einsetzen können, müssen Sie auf die Lastsimulation zurückgreifen.

Zweitens ist die Ermittlung der Systembelastung notwendig: Da hierfür unterschiedliche Messwerkzeuge eingesetzt werden und diese unsynchronisiert ablaufen und damit auch unkorrelierte Messdaten liefern, sollten Sie diese Werkzeuge zentral steuern. Automatisierte Mess- und Auswerteumgebungen sind dafür gut geeignet.

Bei allen Messungen müssen Sie auf folgendes achten:
 

  • In den meisten Fällen werden Messwerkzeuge eingesetzt, die im Sampling-Verfahren arbeiten, das bedeutet dass es sich hierbei um Zufallsexperimente handelt. Deshalb müssen Administratoren bei allen Messungen Replikationen durchführen, um Ausreißer zu eliminieren.
  • Ebenso ist es notwendig, dass Sie auf die Einhaltung des eingeschwungenen Zustandes achten. Es müssen Vorlaufund Nachlaufphasen eingehalten werden und der Messzeitraum sollte größer als die fünffache Zykluszeit sein.
  • Verlässlichkeit und Konsistenz der Messdaten: Dazu müssen Sie alle Fehlersituationen und Ausfälle protokollieren, um über die Gültigkeit der Messung entscheiden zu können.

Endbenutzersicht richtig bewerten
Ein umfassendes Kapazitätsmanagement beinhaltet die Analyse und Bewertung des Gesamtsystemverhaltens aus Endbenutzersicht. Für die Verfolgung von mehrstufigen Vorgängen ist eine eindeutige zeitliche Zuordnung der einzelnen Teilschritte notwendig. Nutzen Sie hierfür eine entsprechende Uhrensynchronisation. Erst damit ist es möglich, Vorgangsdauern (Antwortzeiten) aus Teilschritten zusammenzusetzen, die auf unterschiedlichen Plattformen ablaufen. Zur problemorientierten Analyse müssen Maßnahmen zur Filterung und Aggregierung von Messdaten vorgesehen sein. Damit kann eine Zuordnung von Lasten zu Geschäftsprozessen und Benutzern vorgenommen werden.

Eine Lastsimulation beinhaltet die Nachbildung realer Applikationen und Datenbestände sowie des Benutzerverhaltens. Im Realbetrieb werden die Lastdaten erhoben, mit denen die Clients die Netzwerke und die Server-Systeme belasten. Darüber hinaus werden die Lastdaten erfasst, mit denen die Serversysteme die Netzwerke belasten. Die Erzeugung dieses Traffics erfolgt mittels Lastgeneratoren, die auf Basis dieser Lastdaten die entsprechenden Netz- und Serverlasten produzieren.

Messwerkzeuge analysieren das Systemverhalten hinsichtlich Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Performance und ermöglichen so die Bewertung und Dimensionierung des Gesamtsystems. Der Aufwand ist vor allem für die Auswertung der erhobenen Last- und Leistungsdaten und deren Umsetzung in die synthetischen Lastprofile sowie für die Validierung und Kalibrierung dieser Profile sehr hoch. Deshalb wird die Lastsimulation insbesondere zur Analyse des Systemverhaltens von vernetzten IT-Strukturen eingesetzt und zwar dann, wenn einerseits sensible Daten vorliegen oder die realen Applikationen nicht eingesetzt werden können beziehungsweise. sollen und andererseits zur Generierung von Hoch- und Extremlastfällen, um nicht nur die Performance, sondern auch die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der System- und Netzwerkkomponenten zu analysieren und zu bewerten.

Last- und Performance-Tests in vernetzten IT-Umgebungen sollten Sie deshalb zweckdienlich mit einer großen Anzahl von Clientsystemen durchführen, um so möglichst realitätsnah und vielseitig Lasten erzeugen zu können. Insbesondere ist die Einbeziehung des Netzwerks bei solchen Tests ein nicht zu vernachlässigender Aspekt, dem nur mit der Beteiligung von sehr vielen Netzknoten (Clients) Rechenschaft geleistet wird. Erst die Möglichkeit, an vielen Clients Lasten zu erzeugen, die alle nahezu gleichzeitig oder auch nur sporadisch auf das Netzwerk und die Server-Systeme zugreifen, erlaubt Ihnen, Funktionalität und Performance des vorhandenen Netzes und somit das Verhalten des Gesamtsystems entsprechend zu bewerten.

Die Durchführung derartiger Last- und Performance-Tests macht es erforderlich, dass Mechanismen zur definierten Lastgenerierung sowie zur Ansteuerung und Überwachung der PCs verfügbar sind. Diesbezüglich bestehen spezifische Anforderungen an die Testautomatisierung hinsichtlich Lasterzeugung, Reproduzierbarkeit und Variierbarkeit sowie Konsistenz und Überprüfbarkeit der Ergebnisse. Bei Beteiligung vieler Clients empfiehlt sich eine Messautomatisierung in Form einer zentralen Steuerungseinheit zur Synchronisation der Clients und zur Steuerung der gesamten Umgebung, um die Kontinuität in der Erzeugung einer gleichförmigen Last zu gewährleisten.

Eine Optimierung der Messmethoden erreichen Sie durch eine automatisierte Erfassung und Übernahme der erforderlichen Eingangsdaten. Hierbei sind Last, Konfiguration und Topologie des zu untersuchenden Systems in entsprechende Modellbausteine und -parameter des entsprechenden Analysewerkzeuges umzusetzen. Diesen Prozess bezeichnet man auch als automatisiertes Baselining.

Auf diese Weise kommt es in der Regel zu folgendem Nutzen:

 

 

  • Deutliche Verbesserung der Zeit- und Kosteneffizienz im gesamten Planungsprozess
  • Konzentration auf den Kern der eigentlichen Planungsaufgabe
  • Steigerung der Akzeptanz beim Tooleinsatz

Fazit
Mit den richtigen Netzwerk-Belastungstests können Sie Engpässe erkennen, bevor diese überhaupt auftreten. Damit legen Sie die Grundlage für die Implementierung von Voice over IP oder gar Video over IP. Allerdings dürfen Sie dabei nicht die externe Seite vergessen, die aus Providern besteht. Mit diesen müssen Sie von vornherein passende Service-Level-Agreements abschließen, um eine optimale Anbindung an die Außenwelt sicherzustellen. Unterschätzen Sie bei den Messungen zudem nicht den Bereich der Ausbildung. Die Bedienung dieser komplexen Werkzeuge erfordert ein gut ausgebildetes und qualifiziertes Personal. Das beste Werkzeug nützt nichts, wenn Sie dieses nicht richtig bedienen können.



 

 

  <<Vorherige Seite                Seite 2 von 2

 

 

 


Mathias Hein/jp/ln