Buchbesprechung: Künstliche Intelligenz


 
Autor:Manuela Lenzen
Verlag:CH Beck
Preis:16.95 Euro
ISBN:9783406718694

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Um eines gleich vorwegzunehmen: "Künstliche Intelligenz" von Manuela Lenzen ist kein IT-Buch. Es zeigt vielmehr auf faszinierende Art und Weise, wie sich das Meer aus Daten und die exponentiell wachsende Rechenkraft in unserem Alltag in smarten Algorithmen manifestiert. Die Autorin nimmt dafür zunächst unter die Lupe, wie aus der Rechenkraft der Transistoren im Laufe von fünf Jahrzehnten intelligente Leistungen erwuchsen. Sie zeichnet die Entwicklung der künstlichen Intelligenz von der Dartmouth-Konferenz, die heute als Startschuss der KI-Forschung gilt, über Alan Turing und den nach ihm benannten Test bis hin zu IBMs Watson und Googles Deepmind nach.

Dass hier zum Beispiel der Name Geoffrey Hinton, der maßgeblich Verantwortliche für die aktuelle Leistungsfähigkeit neuronaler Netze, fehlt, unterstreicht erneut, dass die Autorin nicht tiefer in die technischen Hintergründe einsteigt. Vielmehr zeigt sie im ersten Teil des Buches auf, wie sich im Laufe der Jahrzehnte Wissenschaftler und Ingenieure daran versuchten, die zunehmend leistungsfähiger werdenden Rechenmaschinen zu intelligenten Leistungen zu bewegen. Der zweite Teil des Buches nennt sich "Was uns erwartet" und untersucht die gesellschaftlichen Auswirkungen der zunehmenden Verbreitung intelligenter Systeme in allen Lebens- und Arbeitsbereichen. Hier geht die Philosophin Lenzen ihrem Job nach und fragt sich, wie Mensch und Maschine künftig gemeinsam (oder gegeneinander) in Wissenschaft, sozialem Leben oder am Arbeitsplatz agieren werden. Dabei versucht sie abzuwägen, ob diese oder jene Entwicklung vorteilhaft, wünschenswert oder eben kritisch zu bewerten ist.

Fazit: Wer bislang nur in den Medien zunehmend über das Thema KI gestolpert ist, erhält mit Manuela Lenzens Werk einen spannenden und unterhaltsamen Überblick über das Feld. Wer allerdings um vier Uhr morgens problemlos die Unterschiede zwischen genetischen Algorithmen und neuronalen Netzen aufsagen kann, dürfte hier nicht viel Neues erfahren. Auch spielt die Dynamik in der KI-Entwicklung ein klein wenig gegen dieses Buch: Erwähnt die Autorin das "Katastrophale Vergessen" als ein großes und ungelöstes KI-Problem, so ist Google hier mittlerweile schon einen Schritt weiter. Um zu erfahren, warum dieses Phänomen so wichtig ist, und einen guten Einblick in aktuelle KI zu erhalten, ist das Buch aber empfehlenswert. (John Pardey)