App-only – oder Zugang für alle?

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App-only – oder Zugang für alle?

24.03.2026 - 07:00
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Digitalisierung soll Prozesse vereinfachen – kann aber auch neue Hürden schaffen. Eine Petition gegen "Digitalzwang" rückt das Spannungsfeld zwischen Effizienz und Zugänglichkeit stärker in den Fokus der politischen Debatte. Hintergrund ist der Trend zu Digital-Only-Angeboten in Verwaltung und Alltag. Aktuelle Zahlen zeigen zudem: Längst nicht alle Menschen sind digital erreichbar – und könnten dadurch zunehmend ausgeschlossen werden.

Mehr als 55.000 Menschen unterstützen eine Petition der Organisation Digitalcourage gegen sogenannten Digitalzwang. Die Initiative richtet sich gegen den Trend, Alltags- und Verwaltungsangebote ausschließlich digital bereitzustellen – etwa Fahrkartenverkauf per App oder Online-Terminvergaben bei Behörden. Die Forderung: Digitale Angebote sollen den Zugang erleichtern, aber analoge Wege nicht ersetzen. Konkret plädiert Digitalcourage dafür, den Schutz vor Benachteiligung ohne Internetnutzung im Grundgesetz zu verankern.

Dass das Thema nicht nur Einzelfälle betrifft, zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Demnach haben rund 2,1 Millionen Menschen zwischen 16 und 74 Jahren in Deutschland noch nie das Internet genutzt. Besonders hoch ist der Anteil in der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen, von denen etwa jede zehnte Person offline ist. Für diese Gruppen können rein digitale Angebote zur echten Zugangshürde werden. Hinzu kommen weitere Faktoren: Viele Anwendungen setzen aktuelle Smartphones, stabile Internetverbindungen oder Accounts bei großen Plattformanbietern voraus. Wer sich das nicht leisten kann oder bewusst darauf verzichtet, wird in der Praxis oft ausgeschlossen.

Digitalcourage betont, dass sich die Initiative nicht gegen Digitalisierung an sich richtet. Vielmehr gehe es darum, Teilhabe zu sichern und Wahlmöglichkeiten zu erhalten. Die Petition soll im Mai an Vertreter des Bundestags übergeben werden. Für IT-Verantwortliche und öffentliche Einrichtungen entsteht damit ein Zielkonflikt: Einerseits versprechen digitale Prozesse Effizienz und Automatisierung, andererseits wächst der Druck, alternative Zugangswege vorzuhalten und niemanden auszuschließen.