EURO-3C: EU startet Cloud-Großprojekt
Europa will seine digitale Infrastruktur in die eigenen Hände nehmen – und investiert dafür 75 Millionen Euro. Das EURO-3C-Projekt soll zeigen, dass der Kontinent nicht länger auf Technologieanbieter von außen angewiesen ist. Dafür verschmelzen Telekommunikationsnetze, Edge-Computing und Cloudinfrastruktur erstmals zu einer gemeinsamen, europäisch kontrollierten Plattform.
Die Europäische Kommission hat auf dem Mobile World Congress 2026 das Projekt EURO-3C vorgestellt – ein mit 75 Millionen Euro dotiertes Vorhaben, das Europas erste große föderierte Telko-Edge-Cloud-Infrastruktur aufbauen soll. Finanziert über das Forschungsprogramm Horizont Europa, vereint das Konsortium 87 Mitgliedsorganisationen aus Bereichen wie Telekommunikation, Cloud Computing, Softwareentwicklung und Forschung.
Kombinierte Telco-Edge-Cloud
Technisch gesehen verschmilzt das Konzept der Telco-Edge-Cloud drei bislang getrennte Welten: Telekommunikationsnetze, Edge-Computing und Cloudinfrastruktur. Die Idee dahinter ist, Rechenleistung näher an die Endnutzer zu bringen – schneller, sicherer und ohne Umweg über Rechenzentren außerhalb Europas. Genau das ist der Kern des politischen Anliegens: Wer die Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert auch die digitalen Dienste.
Das Projekt zielt ausdrücklich darauf ab, Europas Abhängigkeit von Technologieanbietern aus Drittstaaten zu reduzieren. Brüssel sieht EURO-3C als konkreten Baustein für die digitale Souveränität des Kontinents – ein Begriff, der in EU-Kreisen seit Jahren diskutiert wird, aber selten mit handfesten Projekten hinterlegt ist. EURO-3C soll zeigen, dass Europa hochmoderne digitale Dienste vollständig über eigene Infrastruktur bereitstellen kann.
Unterschiede zu GAIA-X
Im Vergleich zu GAIA-X, dem 2020 gestarteten europäischen Dateninfrastrukturprojekt, verfolgt EURO-3C einen deutlich anderen Ansatz. Es geht nicht um Regeln und Standards auf dem Papier, sondern um den Aufbau einer konkreten, europäisch kontrollierten Infrastruktur. GAIA-X hat die konkrete Infrastrukturschicht bislang weitgehend anderen überlassen – eine Lücke, die EURO-3C nun schließen könnte. Beide Projekte schließen sich dabei nicht aus: EURO-3C könnte künftig als technische Grundlage für GAIA-X-kompatible Dienste dienen und so zu einem Fundament des europäischen Datenökosystems werden.
Branchenübergreifendes Projekt
Inhaltlich knüpft das Projekt an laufende EU-Initiativen an. Die Kommission sieht EURO-3C im direkten Einklang mit dem geplanten Gesetz über digitale Netze sowie mit strategischen Programmen wie IPCEI-CIS, dem Gemeinsamen Unternehmen für intelligente Netze und Dienste (SNS JU) und EuroHPC. Themen wie 6G, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit spielen dabei eine zentrale Rolle – die Projektergebnisse sollen branchenübergreifend nutzbar sein.
Ob EURO-3C den ambitionierten Ansprüchen gerecht werden kann, wird die Praxis zeigen. Die Kombination aus öffentlicher Förderung, industrieller Beteiligung und politischem Rückenwind ist relativ breit aufgestellt. Für den europäischen Telekommunikationsmarkt könnte das Projekt neue Maßstäbe setzen – sofern die 87 Konsortiumsmitglieder aus Forschung und Industrie tatsächlich an einem Strang ziehen.