Flipper One will Linux neu denken

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Flipper One will Linux neu denken

21.05.2026 - 16:40
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Flipper Devices kündigt mit dem Flipper One eine offene Linux-Plattform an – und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund: Das Team spricht offen über technische Unsicherheiten, fehlende Kernel-Unterstützung und finanzielle Risiken. Was steckt hinter dem ambitionierten Projekt?

Flipper Devices hat seinen nächsten großen Schritt angekündigt: den Flipper One, eine offene Linux-Plattform für Entwickler, Netzwerkspezialisten und Hardware-Enthusiasten. Im Gegensatz zur Ankündigung des Vorgängers Flipper Zero gibt sich das Team diesmal ungewöhnlich offen über interne Unsicherheiten und technische Hürden. Mit einem öffentlichen Developer Portal, offenem Entwicklungsprozess und dem Aufruf zur Community-Beteiligung wagt das Unternehmen einen unkonventionellen Weg in der Hardware-Branche.

Deutlich aufgebohrte Hardware

Technisch betrachtet spielt der Flipper One in einer anderen Liga als sein Vorgänger. Wo der Flipper Zero auf einem energiesparenden Mikrocontroller basiert und Offline-Protokolle wie NFC, Sub-GHz-Funk und Infrarot abdeckt, setzt der Flipper One auf den 8-Kern-Prozessor RK3576 von Rockchip, 8 GByte RAM und einen integrierten KI-Beschleuniger.

Dazu kommen zwei GBit-Ethernet-Ports, Wi-Fi 6E auf Basis des MediaTek MT7921AUN, USB-Ethernet mit bis zu 5 GBit/s sowie ein M.2-Steckplatz für Erweiterungen wie 5G-Modems, SDR-Module oder NVMe-SSDs. Das Gerät soll sowohl als mobiler Netzwerkanalysator, VPN-Gateway oder Survival-Desktop als auch als Hacker-TV-Box mit HDMI-2.1-Ausgang und CEC-Unterstützung funktionieren.

Ein zentrales Anliegen des Teams ist vollständige Offenheit auf Kernel-Ebene. In Zusammenarbeit mit dem Linux-Spezialisten Collabora arbeiten die Entwickler daran, den RK3576-SoC vollständig in den Mainline-Linux-Kernel zu integrieren – ohne proprietäre Patches, Vendor-BSP und Binary Blobs.

Stand heute funktioniert der Großteil der Komponenten bereits im Mainline-Kernel; ein letzter Blob im Boot-Prozess, der sogenannte DDR-Trainer zur RAM-Initialisierung, ist noch nicht geöffnet. Hier wendet sich Flipper Devices ausdrücklich an die Community: Wer Rockchip zu mehr Offenheit bewegen kann oder bei der Kernel-Arbeit mithelfen möchte, ist eingeladen, sich zu beteiligen.

Eigenes Flipper-OS geplant

Neben der Hardware arbeitet das Team an zwei Software-Projekten, die über den Flipper One hinaus relevant sein könnten. "Flipper OS" soll ein Profil-System für Debian-basierte Linux-Systeme einführen, mit dem Nutzer verschiedene Systemzustände als vollständige Snapshots speichern und wechseln können – ein Versuch, das bekannte Problem der schleichenden Systemvermüllung bei portablen Linux-Geräten zu lösen.

"FlipCTL" wiederum ist ein UI-Framework für kleine LCD-Displays, das Kommandozeilen-Werkzeuge wie ping, nmap oder traceroute in eine navigierbare Menüoberfläche packt und per "apt install" installierbar sein soll – gedacht auch für Router, NAS-Systeme und andere Headless-Geräte.

Das Unternehmen lässt keinen Zweifel daran, dass das Projekt noch weit von der Fertigstellung entfernt ist. Im Blogbeitrag spricht das Team von echten Ängsten, finanziellen Risiken wie der aktuellen RAM-Chipkrise und architektonischen Fragen, die noch offen sind.

Die 3D-Modelle des Gehäuses sind bereits zum Download verfügbar, ein öffentliches Wiki dokumentiert den Entwicklungsstand, und für eine Stelle als "Developer Portal & Community Manager" wird aktiv gesucht. Wann der Flipper One erscheint und was er kosten wird, hat das Team bislang nicht mitgeteilt.

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