Android 17: Google lässt Apps in Blasen schweben
Mehr Kontrolle über App-Berechtigungen, ein verzögerter Zugriff auf Einmalpasswörter und erste Schutzmechanismen gegen Quantencomputer: Google hat mit Android 17 nicht nur an Komfortfunktionen, sondern auch deutlich an der Sicherheitsarchitektur gearbeitet. Ein Überblick über die wichtigsten Neuerungen – und für wen sie zuerst verfügbar sind.
Google hat Android 17 offiziell veröffentlicht. Das Update landet zunächst auf den eigenen Pixel-Smartphones ab dem Pixel 6 und wird von einem begleitenden Pixel Drop mit zusätzlichen Funktionen flankiert. Andere Hersteller sollen im Laufe des Jahres folgen, laut Berichten zuerst Samsung mit One UI 9 für die im Juli erwartete Galaxy-Z8-Reihe.
Im Vergleich zu früheren großen Sprüngen wirkt Android 17 eher wie ein Zwischenschritt. Tiefere Eingriffe ins System dürften erst mit dem später erwarteten Update Android 17 QPR1 folgen, das Berichten zufolge zeitlich rund um den Start des Pixel 11 erscheinen könnte.
Bubbles und Continue-on für mehr Multitasking
Im Zentrum der neuen Version steht die Multitasking-Funktion "Bubbles". Wer ein App-Symbol länger gedrückt hält, kann die jeweilige App in ein schwebendes Fenster verwandeln, das sich frei verschieben lässt und automatisch an den Bildschirmrand andockt. Auf großen Displays und Foldables wie dem Pixel 10 Pro Fold sammeln sich mehrere Bubbles in einer eigenen Leiste am unteren Rand, sodass sich zwischen Notizen, Karten oder Videos wechseln lässt, ohne die Hauptanwendung zu verlassen.
Mit "Continue-on" orientiert sich Google zudem an Apples Handoff-Funktion: Sind Smartphone und Tablet mit demselben Google-Konto verknüpft, lässt sich eine angefangene App-Aktivität nahtlos vom einen aufs andere Gerät übertragen. In den Schnelleinstellungen kehrt Google außerdem zu getrennten Kacheln für WLAN und Mobilfunk zurück – seit Android 12 waren beide Optionen in einer gemeinsamen Internet-Kachel zusammengefasst.
Mehr Kontrolle über Standort, Kontakte und PIN
Beim Datenschutz schraubt Google an mehreren Stellen. Apps erhalten künftig nur noch zeitlich begrenzten Zugriff auf den genauen Standort sowie auf einzelne statt sämtliche Kontakte. Ein neues Auswahlwerkzeug ähnelt dabei dem bereits 2022 eingeführten Photo-Picker für Bilder. Geht ein Smartphone verloren, lässt es sich über die Funktion "Als verloren markieren" mit biometrischen Daten aus der Ferne sperren, sodass selbst ein bekannter Passcode keinen Zugriff mehr verschafft.
Zum Schutz vor Brute-Force-Angriffen verlängert Google zudem die Wartezeit zwischen fehlgeschlagenen PIN-Eingaben und reduziert die Anzahl möglicher Versuche. Hinzu kommt eine um drei Stunden verzögerte Freigabe von Einmalpasswörtern für Apps, die nicht als Standard-SMS-Anwendung hinterlegt sind, um Hijacking-Versuche zu erschweren. Android 17 ist außerdem die erste Version, die erste Schutzmechanismen gegen künftige Angriffe mit Quantencomputern integriert, wofür auch App-Entwickler ihre Anwendungen anpassen müssen.
Konkret setzt Google dabei auf den neuen NIST-Standard ML-DSA für quantensichere Signaturen. Der Algorithmus sichert künftig den Bootvorgang über Android Verified Boot ab und kommt auch bei der sogenannten Remote Attestation zum Einsatz, mit der Geräte ihre Vertrauenswürdigkeit kryptografisch nachweisen. App-Entwicklern stellt Google die neue Verschlüsselung zudem direkt im Android Keystore zur Verfügung, sodass sie quantensichere Schlüssel ohne eigene Kryptografie-Implementierung erzeugen können. Bis 2029 will Google die Umstellung im gesamten System abgeschlossen haben – ein Jahr früher, als es die internationale Normungsbehörde NIST vorgibt.
Screen Reactions und neuer Gaming-Modus
Für Content-Ersteller bringt Android 17 die Funktion "Screen Reactions": Eine Bildschirmaufnahme lässt sich direkt mit einem Video der Frontkamera kombinieren, wodurch Reaktionen auf Webseiten oder Videos ohne Greenscreen oder App-Wechsel entstehen. Auch Gamer profitieren von der Aktualisierung.
Ein neuer Gaming-Modus für Foldables nutzt bei halb aufgeklappten Geräten wie dem Pixel 10 Pro Fold das gesamte Display, zeigt oben das Spiel und unten ein virtuelles Gamepad an, damit die Finger die Spielinhalte nicht verdecken. Dieser Modus soll laut Google erst in den kommenden Monaten flächendeckend verfügbar werden, womöglich erst mit dem QPR1-Update im Spätsommer. Wer einen externen Controller mit nativer Tastenbelegung nutzt, kann das Setup weiter anpassen.
Kleinere Neuerungen und Verfügbarkeit
Daneben bringt das Update kleinere, aber spürbare Detailverbesserungen: App- und Ordnernamen lassen sich auf dem Startbildschirm ausblenden, die Lautstärke des Sprachassistenten Gemini regelt sich erstmals unabhängig von der Medienlautstärke, und neue App-Arbeitsspeicherlimits sollen Akkulaufzeit und Systemleistung verbessern.
Für Pixel-Nutzer in Deutschland kommen mit dem Pixel Drop zusätzlich die Anrufaufzeichnung mit automatischer Transkription verpasster Anrufe sowie eine sprachgesteuerte Bildbearbeitung in Google Fotos hinzu. Android 17 steht ab sofort für alle Pixel-Smartphones, -Foldables und das Pixel Tablet vom Pixel 6 bis zur Pixel-10-Reihe zum Download bereit, weitere Hersteller sollen im Laufe des Jahres nachziehen.