Frischer Start, altes Wissen: Gemini erlaubt Chat-Import
Wer seinen KI-Assistenten wechseln will, muss künftig nicht mehr bei null anfangen: Google erlaubt es Gemini-Nutzern, Erinnerungen und Chatverläufe aus anderen Apps zu importieren. So lassen sich auch komplette Gesprächsverläufe mitbringen, aus denen Gemini dann Erinnerungen an die Nutzervorlieben formt.
Google hat für seinen KI-Assistenten Gemini neue Import-Funktionen angekündigt, die es Nutzern erleichtern sollen, von anderen KI-Apps zu wechseln. Ab sofort können gespeicherte Erinnerungen, persönliche Vorlieben und vollständige Chatverläufe aus anderen KI-Anwendungen direkt in Gemini übertragen werden. Das Unternehmen richtet sich damit explizit an Nutzer, die bislang andere Assistenten wie ChatGPT oder Claude verwenden.
Import per Copy & Paste
Das neue Speicher-Import-Feature funktioniert über einen manuellen Copy-paste-Prozess: Nutzer rufen in den Gemini-Einstellungen die neue Import-Option auf, kopieren einen vorgeschlagenen Prompt und fügen ihn in ihre bisherige KI-App ein. Diese generiert daraufhin eine Zusammenfassung der gespeicherten Präferenzen – also etwa Interessen, Familiendetails oder Herkunft. Diese Zusammenfassung kopiert der Nutzer anschließend zurück in Gemini, das die Informationen analysiert und im eigenen Kontext speichert. Der Vorgang ist dabei bewusst einfach gehalten, setzt aber voraus, dass die Quell-App eine solche Zusammenfassung überhaupt exportieren kann.
Wer seinen kompletten Gesprächsverlauf mitbringen möchte, kann das über einen ZIP-Upload tun. Gemini ermöglicht es dann, alte Konversations-Threads zu durchsuchen und direkt weiterzuführen – also nicht nur als Archiv, sondern als aktive Gesprächsbasis. Google verzahnt diese importierten Daten zusätzlich mit seiner "Personal Intelligence"-Funktion, die ohnehin Gmail, Google Fotos und die Suchhistorie einbezieht, um kontextrelevante Antworten zu liefern. Ein Beispiel, das Google selbst nennt: Hat ein Nutzer in einer früheren Unterhaltung Hotels für Barcelona verglichen, kann Gemini diesen Kontext aufgreifen und einen personalisierten Reiseplan rund um das gewählte Viertel erstellen.
Aus Chats werden Erinnerungen
Im Zuge des Updates benennt Google außerdem das bisherige Feature "vergangene Chats" in "Erinnerungen" um – eine semantische Verschiebung, die das Konzept stärker an menschliche Gedächtnisprozesse anlehnt. Ob das nur Marketing ist oder auch funktionale Unterschiede mit sich bringt, bleibt abzuwarten. Die Umbenennung soll schrittweise in den kommenden Wochen in der App sichtbar werden. Beide Import-Funktionen stehen laut Google für alle Consumer-Konten zur Verfügung und werden über die Einstellungsseite ausgerollt.
Der Schritt ist ein Signal im wachsenden Wettbewerb der KI-Assistenten: Google setzt darauf, die Wechselkosten für neue Nutzer zu senken, anstatt allein auf eigene Stärken zu setzen. Dass ausgerechnet das Daten-Portabilitäts-Argument herhalten muss, um Marktanteile zu gewinnen, ist eine interessante Strategie – denn dieselbe Logik ließe sich auch für einen Wechsel von Gemini zu einem anderen Anbieter anwenden.