Souveräne Cloud für Bund, Länder und Kommunen
Die öffentliche Verwaltung in Deutschland soll bei Clouddiensten unabhängiger von amerikanischen Anbietern werden. Mit dem neuen Rahmenvertrag über GovTech Deutschland steht Behörden jetzt eine europäische Plattform offen – einfacher als je zuvor abrufbar und bereits in der Praxis erprobt.
Wer als Behörde Clouddienste nutzen will, musste bislang oft langwierige Vergabeverfahren durchlaufen. Das soll sich jetzt ändern: GovTech Deutschland hat einen Rahmenvertrag für Cloud- und KI-Leistungen an die Bechtle AG vergeben – und die Deutsche Telekom ist mit ihrer Plattform T Cloud Public offiziell dabei.
Bund, Länder und Kommunen sollen damit direkt und ohne aufwendige Einzelvergabeverfahren auf eine europäische Cloudinfrastruktur zugreifen können. Über das Multi-Cloud-Broker-Portal von Bechtle lassen sich Leistungen künftig zu klar definierten Konditionen abrufen, was die Beschaffung für Behörden erheblich vereinfachen soll.
GovTech-Framework als Fundament
Technisch fußt das Angebot auf dem GovTech-Framework von GovTech Deutschland, das den sicherheitsrelevanten Vorgaben des sogenannten Deutschland-Stacks folgt. Die Plattform bietet eine modulare Laufzeitumgebung für klassische Fachverfahren wie auch für moderne KI-Anwendungen.
Bereits heute laufen die Deutschlandplattform und die Gesundheitsplattform MEDI:CUS produktiv auf dieser Infrastruktur – beide Systeme nutzen sie sowohl als Betriebs- als auch als Entwicklungsumgebung. Ferri Abolhassan, CEO von T-Systems International und Telekom-Vorstandsmitglied, verspricht, die Plattform bis Ende 2026 funktional auf Augenhöhe mit den großen amerikanischen Hyperscalern zu bringen: "Preislich sind wir es bereits heute."
E-Learning in Baden-Württemberg
Was souveräne Cloudinfrastruktur im Alltag konkret bedeutet, lässt sich in Baden-Württemberg beobachten. T-Systems hat die landesweite Lernplattform Moodle in die T Cloud Public migriert und betreibt dort eines der weltweit größten E-Learning-Systeme. Mehr als 1600 Schulen nutzen die Plattform im regulären Unterricht, rund 1,5 Millionen Schüler sind angemeldet. Automatische Skalierung stelle sicher, dass das System auch bei Lastspitzen stabil läuft. Der Betrieb erfolge dabei vollständig in deutschen Rechenzentren.
Auf der Sicherheitsseite erfüllt T Cloud Public die Standards BSI C5:2020 sowie ISO 27001 und verspricht eine vollständige DSGVO-Konformität. Sämtliche Daten würden ausschließlich in Deutschland verarbeitet und gespeichert, das Angebot unterliege konsequent deutschem und europäischem Recht. Für Behörden bedeute das volle Datenkontrolle, keinen Vendor-Lock-in und keine Abhängigkeit von Rechtssystemen außerhalb der EU – Aspekte, die im Kontext amerikanischer Clouddominanz und politischer Unsicherheiten zunehmend an Gewicht gewinnen.
Mit dem Rahmenvertrag möchte sich T Cloud Public als Plattform für ein breites Einsatzspektrum positionieren: von KI-gestützten Bürgerdiensten über digitale Verwaltungsprozesse bis hin zu Gesundheitsanwendungen auf Bundesebene. Das Angebot steht neben der Deutschlandplattform und MEDI:CUS auch allen abrufberechtigten Bedarfsträgern aus Bund, Ländern und Kommunen offen. Die Telekom verweist auf mehr als 7000 bestehende Kunden aus Wirtschaft, Forschung und öffentlichem Sektor und sieht ihr Angebot als Beitrag zu einer europäischen Alternative im globalen Cloudmarkt.