»Hybrid Work ist kein Übergangsmodell mehr, sondern Alltag«

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»Hybrid Work ist kein Übergangsmodell mehr, sondern Alltag«

04.02.2026 - 16:00
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Hybrides Arbeiten ist längst fester Bestandteil des Büroalltags – doch seine Qualität entscheidet darüber, wie effizient Teams zusammenarbeiten. Im Gespräch erläutert Carsten Jochmann, Head of AV bei ViewSonic, warum Meetingräume heute ganzheitlich geplant werden müssen, welche Rolle Akustik und Interoperabilität spielen und wie Unternehmen auch mit begrenzten Budgets funktionierende Hybrid-Work-Umgebungen aufbauen.

IT-Administrator: Viele Unternehmen haben hybride Arbeitsmodelle eingeführt – teils erfolgreich, teils mit Reibungsverlusten. Wo stehen wir heute beim Thema Hybrid Work?

Carsten Jochmann: Heute stehen wir an einem Punkt, an dem hybride Modelle zwar weit verbreitet sind, ihre Qualität und somit auch Effizienz und Effektivität jedoch stark variieren. Eine große Herausforderung ist, dass Mitarbeiter teilweise wieder häufiger ins Büro zurückkehren, hybride Zusammenarbeit aber dennoch notwendig bleibt. Dadurch entstehen neue Anforderungen: Teams müssen reibungslos standortübergreifend arbeiten können – unabhängig davon, wer im Büro und wer im Homeoffice sitzt. Unternehmen müssen daher klare Abläufe, geeignete Räume und verlässliche Technik bereitstellen, um diesen neuen Anforderungen gerecht zu werden. Kurz gesagt: Hybrid Work ist kein Übergangsmodell mehr, sondern Alltag und seine Qualität entscheidet zunehmend darüber, wie erfolgreich Teams zusammenarbeiten.

Die Arbeitswelt ist deutlich vielfältiger geworden: klassische Büros, Homeoffice, flexible Projektflächen. Wie verändern sich aus Ihrer Sicht Meetingräume und deren Technik durch Hybrid Work?

Mit der Rückkehr vieler Mitarbeiter ins Büro sind die Anforderungen an moderne Meetingräume massiv gestiegen. Sie müssen heute sowohl technisch als auch räumlich so ausgestattet sein, dass hybride Meetings reibungslos und auch mit der gebotenen Sicherheit funktionieren. Eine einfache Webkamera und ein einzelnes Display reichen dafür längst nicht mehr aus. Zwar ist eine gute Bildqualität wichtig, doch ein oft unterschätztes Kriterium ist der Ton. Leistungsfähige Mikrofone, abgestimmte Lautsprecher und eine akustisch geeignete Raumgestaltung sind entscheidend. Wenn Teilnehmende ihren Gegenüber kaum verstehen, weil Mikrofone falsch platziert sind oder der Raum hallt, scheitert jedes Meeting – selbst mit bester Videotechnik. Hybride Zusammenarbeit funktioniert nur dann zuverlässig, wenn Meetingräume ganzheitlich gedacht werden: technisch hochwertig, akustisch optimiert und auf unterschiedliche Nutzungsszenarien vorbereitet.

Die Technik sollte bei einem Meetingraum der Planung folgen, nicht umgekehrt.

In der Praxis scheitern Collaboration-Projekte nicht nur an der Technik, sondern an fehlender Planung oder Integration. Welche typischen Hürden beobachten Sie bei Unternehmen, wenn hybride Collaboration-Plattformen eingeführt werden sollen?

Häufig starten Unternehmen nach dem Motto: "Wird schon passen." Das führt jedoch schnell zu unzufriedenen Nutzern und im schlimmsten Fall dazu, dass die Systeme kaum Verwendung finden. Vor einer Investition sollte deshalb klar sein, wie ein Raum eingesetzt wird: Wird er primär für Videokonferenzen genutzt oder auch für Präsenzmeetings? Welche Geräte gilt es einzubinden? Notebooks, Tablets, Mobiltelefone? Wie ist die akustische Situation im Raum? Sind Möbel, Teppiche oder schallabsorbierende Elemente zu ergänzen? Wenn diese Grundlagen sauber definiert sind, lässt sich die technische Lösung sehr gut an die räumlichen Gegebenheiten anpassen. Die Technik sollte also der Planung folgen, nicht umgekehrt.

Unsere Leserschaft kommt überwiegend aus dem Mittelstand, wo Budgets und Ressourcen oft begrenzt sind. Wie können kleinere Unternehmen Hybrid-Work- und Collaboration-Lösungen pragmatisch umsetzen, ohne gleich eine komplette Neuausstattung in Angriff nehmen zu müssen?

Es muss nicht immer eine komplette Neuausstattung sein. Besonders bei schon existierenden Umgebungen und Systemen lohnt sich eine Bestandsaufnahme: Welche Technik ist bereits vorhanden, etwa Displays oder PCs? Oft reicht es, gezielt fehlende Komponenten zu ergänzen und sinnvoll zu integrieren. Räume mit Sichtbeton und ohne schallabsorbierende Elemente sehen modern aus, sind aber für Videokonferenzen kaum geeignet. Kleine bauliche Maßnahmen können die Qualität deutlich verbessern.

Zum Schluss: Collaboration wird zunehmend von KI beeinflusst. Wie wird sich die Zusammenarbeit in hybriden Teams in den nächsten zwei bis drei Jahren verändern?

Schon heute stehen leistungsfähige KI-Tools zur Verfügung, die Meetings automatisch zusammenfassen und Inhalte strukturieren. Viele dieser Werkzeuge sind auf eine stabile Internetverbindung angewiesen. Das ist jedoch nicht überall gegeben. Trotzdem ist klar: Wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung. In den kommenden Jahren wird intelligente Hardware ebenso wie Softwareautomatisierung deutliche Fortschritte machen und hybride Teamarbeit weiter verändern.

Wir danken für das Gespräch!