Zertifizierungen

Ausbildung zum Microsoft Certified Systems Engineer

Die Zertifizierung zum 'Microsoft Certified Systems Engineer' (MCSE) hat eine wechselvolle Karriere hinter sich. Einerseits handelt es sich nach wie vor um eine international anerkannte Zertifizierung für Windows-Administratoren, andererseits hatte ihr Ruf in der Vergangenheit durch lasche Prüfungsverfahren sehr gelitten. Die Folge war eine Schwemme an Paper-MCSEs, deren Qualifikation kaum über das Auswendiglernen von Braindumps hinausreichte. IT-Administrator gibt Ihnen in den beiden folgenden Artikeln einen Einblick in die Welt der MCSEs. Wir starten mit einem Rückblick auf die Entwicklung sowie einem Überblick über die Zertifizierung.
Ein MCSE-Abschluss steigert die Berufs-aussichten als IT-Admin meist erheblich
Wer heute einen geprüften Fachmann für Windows-Netzwerke braucht, stellt meist einen Microsoft Certified Systems Engineer ein. Microsoft- Zertifizierungen sind die einzigen international anerkannten Standards, an denen beispielsweise die Personalabteilung zuverlässig die Qualifikation eines Bewerbers erkennen kann. Soweit jedenfalls die Theorie. In der Praxis ist das MCSE-Zertifikat aber nicht immer das Papier wert, auf das es gedruckt worden ist. Denn eine Zertifizierung lebt ja auch von einem halbwegs manipulationssicheren Testverfahren, und in diesem Bereich hat Microsoft jahrelang geschlampt.

Die Evolution des MCSE
Zu seligen NT4-Zeiten war der MCSE mit nicht mehr Aufwand verbunden als eine theoretische Führerscheinprüfung. Statt mühevoll zu lernen, konnten sich die angehenden Engineers einfach die richtigen Braindumps – also inoffizielle Fragensammlungen – aus dem Internet als Lernhilfe besorgen, und mit etwas Auswendiglernen waren sie für die Prüfungen bestens gerüstet. Technisches Verständnis: Fehlanzeige! Es reichte aus sich zu merken, dass bei einer bestimmten Frage das Kreuzchen unten rechts zu machen war. Gute Braindumps waren fast komplett identisch mit der späteren Prüfung, zudem war der Fragenpool sehr überschaubar. Als Folge stieg die Zahl an MCSEs sprunghaft an.

MCSE 2000: Mit den richtigen Braindumps kein Problem
Mit der Einführung des MCSE 2000 kam die Gelegenheit, das Testverfahren grundlegend zu überarbeiten – allerdings hat Microsoft diese nur halbherzig genutzt. Die Fallszenarien in der Prüfung wurden zwar komplexer und der Fragenpool war etwas größer als bei NT4, aber das war auch alles. Schon wenige Monate nach dem Erscheinen der neuen Prüfungen gab es auch hierfür wieder Braindumps. Also konnten Teilnehmer auch die MCSE- 2000-Prüfungen bestehen, ohne jemals in der Praxis administriert zu haben. Lediglich der Lernaufwand im Vergleich zu den alten Prüfungen war deutlich gestiegen. Immerhin war der MCSE jetzt schwieriger zu erwerben als eine theoretische Führerscheinprüfung, aber von einem echten Gütesiegel war die Zertifizierung noch weit entfernt. Die Zahlen belegen die generelle Entwicklung: So gibt es laut Microsoft etwa 395.000 NT4-MCSEs, bei Windows 2000 nahm die Zahl mit 288.000 MCSEs schon erheblich ab.


Bei vielen Braindumps im Internet ist offensichtlich, wie versucht wird,
die MCSE-Prüfungen auszutricksen


MCSE 2003: Klasse statt Masse
Da es unmöglich ist, Braindumps zu eliminieren, hat Microsoft die Fragen in den MCSE-2003-Prüfungen so gestaltet, dass es fast unmöglich ist, sie auswendig zu lernen. Komplexe Fallszenarien, die in leicht abgewandelter Form in verschiedenen Fragen auftauchen, kann praktisch nur noch jemand beherrschen, der sich tatsächlich in der Materie auskennt. Zudem wurde der Fragenpool erheblich erweitert. Ähnlich wie bei Cisco-Prüfungen ist es jetzt wesentlich einfacher, sich ordentlich auf eine Prüfung vorzubereiten, als mit Braindumps zu pfuschen. Wie erfolgreich die Strategie ist, lässt sich an den Zertifizierungszahlen ablesen. Obwohl auch die Prüfungen für den MCSE 2003 schon eine geraume Zeit auf dem Markt sind, haben bisher gerade einmal 85.000 Administratoren den Abschluss geschafft. Das ist lediglich ein Fünftel der NT4- MCSEs. Mit Windows 2003 stoppte Microsoft den inflationären Zuwachs an MCSEs also endlich.

Die Wege zur Zertifizierung
Für die Zertifizierung als MCSE für Windows Server 2003 sind insgesamt sieben Prüfungen abzulegen. Es gibt Core Exams und Elective Exams, also Wahlseminare. Core Exams sind für alle Teilnehmer verpflichtend. Sie stellen sicher, dass alle MCSEs solide Grundkenntnisse von Server- und Client-OSs besitzen. Für das Serverbetriebssystem sind die vier Prüfungen 70- 290, 70-291, 70-293 und 70-294 abzulegen. Die Themen sind "Managing", "Planning" "und "Maintaining" von Windows Server 2003, der dazugehörigen Netzwerkinfrastruktur und des Active Directory. Für die Installation und Konfiguration des Client-Betriebssystems ist nur eine weitere Core-Prüfung erforderlich. Teilnehmer können sich zwischen den Prüfungen für Vista (70-620),Windows XP (70-270) und Windows 2000 (70-210) entscheiden. Die sechste und letzte Core-Prüfung stammt aus dem Bereich “Design”. Hier besteht die Wahl zwischen der Prüfung 70-297 (Designing a Windows Server 2003 Active Directory and Network Infrastructure) und 70-298 (Designing Security for a Windows Server 2003 Network).

Als siebte und letzte Prüfung suchen sich die angehenden MCSEs aus insgesamt 24 Prüfungen ein Themengebiet heraus, in dem sie sich spezialisieren möchten. Eine gängige Wahl ist es, sich hier für Exchange, SQL oder Sharepoint zu entscheiden, aber es gibt noch eine Vielzahl anderer Möglichkeiten. Seit Windows 2003 steht zudem noch der MCSE als Spezialist im Bereich Security oder Messaging zur Verfügung. Dafür werden allerdings acht statt sieben Prüfungen wie beim Standard-MCSE benötigt. Die fünf Core Exams für Server und Betriebssystem sind identisch mit dem Standard- MCSE, danach beginnt die Spezialisierung für die gewählte Fachrichtung mit drei weiteren Prüfungen. Ausführliche Informationen über die verschiedenen Wege zum MCSE sind auf der Microsoft- Homepage unter [1] erhältlich. Die Originalsprache der Prüfungen ist Englisch. Wer Englisch spricht, sollte die Prüfungen auch in dieser Sprache ablegen – die deutschen Übersetzungen enthalten teilweise gravierende Fehler.

Selbststudium: Die Alternative für Hartgesottene
Nicht immer übernimmt der Arbeitgeber die Kosten für eine Fortbildung zum MCSE. Wer das alles aus eigener Tasche bezahlen muss, beschäftigt sich daher zwangsläufig mit dem Eigenstudium als Alternative. Möglich ist es. Hierfür wird ein Testnetzwerk mit Servern und Clients benötigt – dieses kann auch unter VMware auf einem einzigen Rechner laufen – sowie entsprechende Schulungsunterlagen. Diese Methode erfordert allerdings sehr viel Selbstdisziplin und noch mehr Zeit, da der Administrator komplett auf sich allein gestellt ist.


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20.07.2009/Konstantin Mroncz/dr/ln

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