Zertifizierungen

Seite 2 - Ausbildung zum Microsoft Certified Systems Engineer

Kompaktkurs vs. Standard-MOC
Die offiziellen Kursunterlagen für Microsoft- Seminare heißen "Microsoft Official Curriculum" (MOC). Hier ist akribisch der Kursablauf geregelt, Microsoft schreibt exakt vor, was wann zu tun ist – sogar Toilettenpausen sind mit eingeplant, es wird nichts dem Zufall überlassen. Wer seine Ausbildung allerdings als Standardkurs nach MOC bucht, braucht vor allem eines: viel Zeit. Für alle Module inklusive Prüfungen sind netto etwa 35 bis 40 Arbeitstage, also knapp zwei Monate, einzuplanen. Da kaum ein Arbeitgeber seinen Angestellten so lange am Stück auf eine Schulung schicken kann, erscheinen für diesen Ausbildungsweg in der Praxis zwischen sechs und zwölf Monate realistisch.

Deutlich schneller geht es mit einem Kompaktkurs, auch Bootcamp genannt. Mit dieser Methode lässt sich der MCSE innerhalb von 14 Tagen absolvieren. Voraussetzung dafür ist natürlich eine solide EDV-Erfahrung. Wer noch nie administriert hat, wird hier schnell an seine Grenzen stoßen. Diese Schulungsmethode ist sehr erfolgreich, da sie sich durch eine besondere Intensität auszeichnet. Während dieser Zeit wohnen die Teilnehmer in Hotels, es lenkt sie also nichts vom Kurs ab. Die Prüfungen werden zudem direkt vor Ort abgelegt. Damit haben die Teilnehmer die Kursinhalte noch präsent; ein großer Vorteil gegenüber den Standardkursen. Alternativ lassen sich die Kurse auch berufsbegleitend abends und an Wochenenden absolvieren. Bei berufsbegleitenden Kursen ist jedoch einiges an Selbstdisziplin erforderlich. Da zwischen den Schulungsmodulen jeweils einige Tage, manchmal auch Wochen liegen, müssen sich die Teilnehmer immer wieder neu einarbeiten. Das ist nicht besonders effizient und braucht seine Zeit. Damit dauert es bei einer berufsbegleitenden Schulung noch länger als bei einem Standard- MOC-Kurs, bis der Lernstoff komplett durchgearbeitet ist.

Zertifizieren ist ein teurer Spaß
Die Kosten für die Kurse zum MCSE variieren je nach Schulungsform und gewählten Kursmodulen. Für einen Standard- MOC-Kurs sind je nach Anbieter zwischen 5.000 und 10.000 Euro einzuplanen. Ein MCSE-Kompaktkurs kostet zwischen 6.500 und 9.000 Euro. Bei Preisvergleichen sollte darauf geachtet werden, ob die Kosten für die Prüfungen und das Kursmaterial im Gesamtpaket schon enthalten sind. Immerhin kostet jede Microsoft-Prüfung 140 Euro. Selbst wenn alle Prüfungen im ersten Anlauf bestanden werden, summiert sich das bei den insgesamt sieben Prüfungen für den MCSE auf 980 Euro. Zudem geben nur wenige Anbieter eine Zertifizierungsgarantie. Teilnehmer, die die Prüfungen nicht im ersten Anlauf schaffen, können damit kostenlos nachschulen, bevor sie wieder in die Prüfung gehen.


Die Unterschrift von Bill Gates ist nicht echt. MCSEs müssen sich
trotz der hohen Prüfungsgebühren mit einem Faksimile-Autogramm begnügen.


Grundsätzlich darf jedermann MCSE-Vorbereitungskurse anbieten, eine besondere Qualifikation ist dafür nicht zwingend erforderlich. Dementsprechend schwankend ist natürlich auch die Qualität der Schulungen. Seriöse Anbieter sind daran zu erkennen, dass sie zertifizierte Microsoft- Trainer (MCT) beschäftigen. Anbieter, die ein aggressives Preisdumping betreiben, sparen in der Regel an der teuersten Komponente – und das sind kompetente Trainer. Sie gibt es auf dem Markt nun mal nicht zum Dumpingpreis.

Kursmaterial: Von Büchern und Braindumps
Die offiziellen MOC-Kursmaterialien kommen in allen Microsoft-Trainingszentren zum Einsatz. Sie sind aber nicht optimal auf den Inhalt der MCSE-Examen zugeschnitten. Das bedeutet im Klartext, dass der Teilnehmer in der Regel auf zusätzliche Ressourcen zurückgreifen muss, um die Prüfungen bestehen zu können. Das Gleiche gilt für die Self-Study-Bücher von Microsoft Press. Sie sind ähnlich gestaltet wie MOC-Unterlagen und haben oft auch den gleichen Nachteil, dass sie prüfungsrelevante Bereiche nicht ausführlich genug abdecken. Besser sieht es generell bei Büchern von unabhängigen Verlagen, wie beispielsweise von Addison Wesley, aus. Es fällt aber schwer, eine pauschale Empfehlung zu geben, da die Qualität je nach Autor und Themengebiet variieren kann. Generell abzuraten ist von Braindumps zur Prüfungsvorbereitung. Sie verschaffen weder dem Teilnehmer noch der Zertifizierung Glaubwürdigkeit. Außerdem stattet Microsoft seine Prüfungen inzwischen mit sehr großen Fragensätzen aus. Mit dem reinen Auswendiglernen von Braindumps wird es daher schwierig, die Prüfungen zu bestehen. Effektiver ist es, sich vernünftig in die Materie einzuarbeiten. Nebenbei bemerkt hilft dieses Vorgehen auch dabei, später im Beruf als IT-Profi zu bestehen.

Berufschancen für MCSEs
Für Teilnehmer stellt sich natürlich die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, Zeit, Energie und – falls der Arbeitgeber die Kosten nicht übernimmt – auch Geld in die Zertifizierung zu investieren. Die Frage kann mit einem klaren Ja beantwortet werden. Gerade größere Unternehmen suchen gezielt nach Administratoren mit MCSE-Abschluss. Das heißt aber nicht, dass Admins sich auf den Titel alleine verlassen sollten. Die Kombination aus Zertifizierung plus nachweisbarer Projekt und Administrationserfahrung ist bei Einstellungsgesprächen und Gehaltsverhandlungen das stärkste Argument.

Der MCSE aus Arbeitgebersicht
Arbeitgeber sollten sich bei einem Einstellungsgespräch auf eine Zertifizierung nie blind verlassen. Selbst ein Abschluss als MCSE-2003 kann nicht garantieren, dass jemand sich auch nach den Prüfungen weiter mit der Materie beschäftigt hat. So ist es wenig sinnvoll, jemandem die Verantwortung für eine große Domäne zu übertragen, der nach seiner Zertifizierung – beispielsweise im Jahr 2004 – keinen einzigen Rechner mehr administriert hat. Nicht umsonst empfiehlt Microsoft auch regelmäßige Update-Kurse für MCSEs, verpflichtend sind diese bisher allerdings nicht. Wer einmal die Prüfungen bestanden hat, behält diesen Status, auch wenn er sich nicht weiterbildet. Insofern ist der MCSE mit einem Studium vergleichbar. Der Absolvent erlangt durch den Abschluss die Fähigkeit, an anspruchsvollen Projekten mitzuwirken. Ob er diese Möglichkeit tatsächlich nutzt und sein Wissen ständig auf den neuesten Stand bringt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Es ist sinnvoll, bei Bewerbungsgesprächen einen Techniker aus der hauseigenen IT hinzuzuziehen, der dem Kandidaten fachlich auf den Zahn fühlen kann.


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20.07.2009/Konstantin Mroncz/dr/ln

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