Von SHA-1 bis Wi-Fi 8: Linux 7.0 schaut nach vorn
Mit Linux 7.0 hat Linus Torvalds eine neue Hauptversion des meistgenutzten Open-Source-Betriebssystemkerns veröffentlicht. Trotz der runden Versionsnummer handelt es sich nicht um einen Neustart, sondern um eine konsequente Weiterentwicklung – mit einigen Entscheidungen, die langfristig nachwirken werden.
Mit Linux 7.0 hat Linus Torvalds eine neue Hauptversion des meistgenutzten Open-Source-Betriebssystemkerns veröffentlicht. Hinter der runden Versionsnummer steckt allerdings kein Neustart des Projekts, sondern schlicht das Ende der Unterversionen der 6er-Reihe – nach 19 Iterationen war die Nummerierungslogik ausgereizt.
Die vielleicht folgenreichste Neuerung findet sich im Bereich der Programmiersprachen. Rust galt jahrelang als Experiment mit Vorbehalt – damit ist es vorbei. Beim Linux Kernel Maintainers Summit 2025 fiel die Entscheidung, die Sprache dauerhaft ins Projekt aufzunehmen. Mit Version 7.0 gilt Rust nun offiziell als stabile Entwicklungsoption. C bleibt weiterhin dominierend und stellt nach wie vor den weitaus größten Anteil des Codes. Aber die psychologische Hürde für Rust-Beiträge sinkt spürbar, und der Anteil dürfte in den nächsten Versionen merklich wachsen.
Quantensichere Verschlüsselung
Im Sicherheitsbereich setzt der Kernel 7.0 auf Zukunftssicherheit. SHA-1 als Prüfsummenverfahren für Kernel-Module galt schon seit Jahren als nicht mehr vertrauenswürdig – jetzt verschwindet es endgültig. Nachfolger ist ML-DSA, ein Verfahren, das auch Angriffen durch Quantencomputer standhalten soll. Gleichzeitig lässt sich die asynchrone I/O-Schnittstelle "io_uring" ab sofort über cBPF-Filter gezielt einschränken, was besonders in Container- und Serverumgebungen mit hohen Sicherheitsanforderungen relevant ist. Auch SELinux profitiert von einer Erweiterung: BPF Token Access Control kommt hinzu.
Bei den Dateisystemen gibt es sowohl Reifung als auch Neuigkeiten. Btrfs beherrscht jetzt Direct I/O auch dann, wenn die Blockgröße die Seitengröße übersteigt – eine Lücke, die in bestimmten Speicherkonfigurationen störend war. XFS kann Fehler künftig eigenständig erkennen und beheben, ohne manuellen Eingriff. EROFS schaltet mehrere Kompressionsverfahren frei, darunter LZMA und Zstandard. Neu auf der Liste steht nullfs, ein bewusst inhaltsleeres Dateisystem als Platzhalter für Speichermedien, die erst nach dem Systemstart eingehängt werden. Das ältere linuxrc verschwindet dafür von der Bühne – das modernere initramfs übernimmt.
Besseres Netzwerken und neue Treiber
Für Netzwerk, Hardware und Virtualisierung bringt die Version ebenfalls Neuigkeiten. AccECN verbessert die TCP-Staukontrolle und steht nun allgemein zur Verfügung. Wi-Fi 8 (802.11bn) hält in Form erster Grundlagenarbeit Einzug. VSOCK-Sockets erhalten Unterstützung für Netzwerk-Namespaces, der Traffic-Shaper CAKE profitiert von Multicore-Fähigkeiten, und bei NFS wird Version 4.1 zum neuen Standard. Auf der Virtualisierungsseite können AMD-Prozessoren der Zen5-Generation ihr ERAPS-Sicherheitsfeature jetzt auch in virtualisierten Umgebungen nutzen.
Neue Treiber erweitern die Hardwareunterstützung unter anderem um Google Tensor SoC USB PHYs, Apple Type-C PHYs sowie Qualcomms Snapdragon 8 Elite Gen 2. Bemerkenswert ist zudem eine organisatorische Neuerung: Linux 7.0 führt als erste Kernelversion eine offizielle Richtlinie für KI-generierte Beiträge ein. Der Kernel steht ab sofort über Torvalds' Git-Repository und kernel.org bereit; als Standardkernel wird er voraussichtlich in Ubuntu 26.04 LTS und Fedora Linux 44 auftauchen, die beide Ende April 2026 erwartet werden.