Wir sind die 99%

Editorial

Liebe Leser,

vielleicht erinnern Sie sich noch, 2012 wurde von nahezu allen IT-Analysten zum Jahr der virtuellen Desktop-Infrastruktur (VDI) erklärt. Der große Durchbruch des zentralen Hostings von Desktops stand unmittelbar bevor. Erstaunlicherweise ließen die Analysten selbiges auch für 2013 verlauten: An VDI gehe kein Weg mehr vorbei. Und – Sie ahnen es schon – für 2014 waren die Erwartungen der IT-Trendforscher an VDI nicht minder gering.

Dies wird sich gewiss auch 2015 nicht ändern, obwohl zu erwarten wäre, dass sich VDI mittlerweile ähnlich wie die Servervirtualisierung etabliert hat. Doch weit gefehlt: Zentral gehostete Desktops haben einen Anteil im niedrigen, einstelligen Prozentbereich aller PC-Arbeitsplätze. Analog zur Occupy-Bewegung sollte der gute alte Fat Client eigentlich "Wir sind die 99%" skandieren, denn während VDI "Privilegien" wie Flash-SANs, Image- und Profilmanagement spendiert bekommt, fristet das bewährte Arbeitsgerät ein Dasein zwischen Bordmitteln und Updates der Client-Managementsoftware.

Dass VDI in der Minderheit bleibt, liegt an den hohen (Storage-)Kosten der Zentralisierung, Kompatibilitätsproblemen und oft auch der fehlenden Nutzerakzeptanz, wenn für Windows-Desktops geschriebene Anwendungen 1-zu-1 auf einem Tablet ausgeführt werden sollen. Und geradezu bizarr ist die Frage der Lizenzierung, vor allem im Microsoft-VDI-Umfeld. Hier hat zwar Microsoft die Lizenzmodelle angepasst, doch es ist schon erstaunlich, dass es bis dato günstiger sein konnte, jedem Benutzer die Anwendungen über einen eigenen Terminalserver bereitzustellen, als den Desktop mit VDI zu hosten. Überhaupt ist für den klugen IT-Verantwortlichen der bewährte Terminalserver nach wie vor Technologie Nummer eins, wenn es um Client-Virtualisierung geht.

Virtualisierung am Client ist eben nicht nur VDI, wie unser Schwerpunkt "Client- & Applikations-Virtualisierung" zeigt. IT-Verantwortliche sind zweifellos gefordert, die Kosten der klassischen PC-Landschaften zu senken. Doch anders als bei den Servern gibt es hier keinen klaren vorgezeichneten Weg. Jede ITOrganisation muss für ihre Infrastruktur prüfen, welcher Ansatz den größten Nutzen verspricht. Hier wird etwa der XenClient (Seite 76) mittlerweile erwachsen. Und im Open Source-Bereich treten QEMU und Docker an, kommerziellen Angeboten wie App-V das Fürchten zu lehren. Dies und vieles mehr finden Sie im aktuellen IT-Administrator.

Viel Spaß beim Lesen

John Pardey
Chefredakteur

Dezember 2014 / John Pardey
[Rubrik: Rubriken | Beitragsart: Editorial]

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der Ausgabe Dezember 2014 des IT-Administrator von Seite 3 bis 3.

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