Editorial: Hässliches Entlein

Editorial

Jeder kennt den "speziellen Rechner", der seit Jahren in einer finsteren Ecke seine Dienste tut, kaum dokumentiert ist und einen Softwarestand aufweist, der alle Bemühungen, ihn zu virtualisieren, zunichtemacht. Aber er steuert eben eine wichtige Maschine. Also lässt die IT ihn machen und vertraut darauf, dass dieser Rechner seine Aufgaben wie gewohnt verrichtet. Er ist sozusagen das hässliche Entlein der Virtualisierungsstrategie.
Dieser Außenseiter scheint im Zuge der Virtualisierung im Netzwerk ein Schwesterchen zu bekommen: MPLS. Voller Überzeugung postulieren Anbieter softwaredefinierter Netze die Standortverknüpfung via MPLS als "Legacy" und sehen die aktuellste Technologie eines cloudbasierten, softwaredefinierten WAN zwei Generationen weiter als die Standortvernetzung via MPLS. Also nur geringfügig entfernt von der Datenverarbeitung via Lochkarten. Noch aggressivere Vertreter der SD-WAN-Industrie nennen das Festhalten an MPLS gar "gefährlich". Im Cloudzeitalter muss eben alles agil und flexibel sein, es ist kein Platz für einen "deterministischen und berechenbaren Standard" wie MPLS.

Richtig ist gewiss, dass MPLS seinen Preis hat. Einen ziemlich hohen sogar im Vergleich zu normalem Best-Effort-Internetverkehr. Doch für sein Geld erhält der IT-Verantwortliche dann eben den berechenbaren Standard, der verlässlich Daten zwischen Standorten bewegt. Nicht ohne Grund ist MPLS nach wie vor eine der am weitesten verbreiteten WAN-Technologien. Daher passt auch das Bild vom hässlichen Entlein hier viel weniger als beim eingangs beschriebenen Alt-Rechner. Gerade in Deutschland mit seinem freundlich als träge zu beschreibenden Breitbandausbau benötigen viele Unternehmen eine zuverlässige Fernübertragung ihrer Daten. Daher ist es vielmehr gefährlich, MPLS ebenfalls als Anachronismus hinzustellen. Seriöse Partner in der Netzwerkindustrie raten dazu, MPLS in das Konzept softwaredefinierter WANs aufzunehmen, so auch ein Vertreter eines echten Brachen-Giganten in unserem Interview ab Seite 14.

Doch auch wenn Sie nicht gerade den ganz großen Netzumbau inklusive Virtualisierung planen oder durchführen, hat der IT-Administrator im Januar einiges zum Schwerpunkt "LAN, WAN und SDN" in petto. Wir betrachten verschiedene Vorgehensweisen bei der Massenkonfiguration von Routern und Switches (Seiten 68 und 72), zeigen ab Seite 78 Open-Source-Werkzeuge zur Visualisierung der Netzleistung und informieren Sie ab Seite 90 über passende Netzwerkprotokolle für das Internet of Things. Und die Informationsübermittlung ist bei uns zudem frei von jeder Latenz. Störungsfreies Netzwerken wünscht

John Pardey
Chefredakteur
Januar 2020 / John Pardey
[Rubrik: Editorial]

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der Ausgabe Januar 2020 des IT-Administrator von Seite 3 bis 3.

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