Editorial: Auf ewig erfasst

Editorial

2008, zur Zeit der Finanzkrise, veröffentlichte ein Programmierer unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto eine Möglichkeit, Informationen dezentral und unveränderbar zu speichern. Die Blockchain war geboren. Seither von Tech-Enthusiasten und Libertären gefeiert, gibt es scheinbar kein Einsatzszenario, für das sich die Technologie nicht in irgendeiner Form eignet. Der Transfer und die Aufbewahrung von Geldwert war lediglich der Anfang. Unternehmensanteile, Grundstücke, Oldtimer, Kunst – alles lässt sich digitalisiert abbilden. Das gilt auch für Identitäten. Und selbstredend gibt es auch für diesen Verwendungszweck längst Projekte.
Was der sogenannte "neue Personalausweis" seit ziemlich genau zehn Jahren mäßig erfolgreich versucht, bildet beispielsweise "Civic" auf der Blockchain ab: Das Bereitstellen und Nachweisen von Identitäten im Netz. Privatsphäre inklusive, immerhin. Doch was tun wir, wenn wir unsere Daten nicht mehr für alle Zeiten in der Blockchain abrufbar haben möchten? Bei offenen Blockchain-ID-Projekten haben wir das vielleicht noch in der Hand, etwa wenn wir über den Schlüssel für den Zugang zu unseren Daten verfügen. Betreibt der Staat ein solches System, sind wir unlöschbar. Dass dies keine Dystopie, sondern Realität ist, zeigt der Blick nach Osten ins Reich der Mitte.

Die Menschen dort müssen ihr Wohlverhalten täglich unter Beweis stellen – unter den wachsamen Augen zahlreicher biometrischer Kameras sowie Onlinewächter. Der daraus resultierende soziale Score bestimmt, welche Freiheiten sie im Alltag genießen dürfen und welche sie als Strafe für ihr Fehlverhalten verlieren. Das Führen der Punkteregister obliegt dabei den jeweiligen Provinzen. Ein Umzug in eine andere Provinz konnte deshalb bei schlechtem Score Abhilfe schaffen. Das ist nun vorbei. So setzt die Zentralregierung künftig auf eine Blockchain, um die lokalen Register zu verknüpfen und den Bürgern eine übergreifende digitale ID zu verpassen. Allein dieses Beispiel veranschaulicht, welch ein zweischneidiges Schwert Technologie ist. Sie kann unser Leben verbessern – oder uns Bit für Bit nach "1984" befördern.

Auch unser Inneninister ist derweil nicht untätig und arbeitet an einer zentralen Personenkennziffer in Form unserer Steuer-ID für alle Bürger. Damit sollen verteilt gelagerte Datenbestände bei verschiedenen Behörden zusammengeführt werden. Doch warum gedanklich nach Fernost schweifen, wenn das Gute so nah liegt – zum Beispiel in Österreich. Dort verwaltet die unabhängige Datenschutzaufsicht die vertrauliche Personenkennziffer, um den an sich sinnvollen Datenabgleich zu ermöglichen. Wie Sie als Admin die Identitäten Ihrer User richtig und hoffentlich datenschutzkonform sicherstellen, erfahren Sie in dieser Ausgabe. Ihr

Daniel Richey
Stellv. Chefredakteur, Chef vom Dienst
Oktober 2020 / Daniel Richey
[Rubrik: Editorial]

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der Ausgabe Oktober 2020 des IT-Administrator von Seite 3 bis 3.

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