Migration zu Exchange SE (1)
Exchange Subscription Edition ist seit dem 1. Juli 2025 verfügbar, während Exchange 2016 und 2019 im Oktober 2025 ihr Supportende erreichten. Unser Workshop zeigt Schritt für Schritt, wie Sie den Takt halten und auf SE migrieren – wahlweise per klassischem Legacy-Upgrade oder mittels neuem Inplace-Upgrade von Exchange 2019. Im ersten Teil unseres Workshops gehen wir auf wichtige Vorbereitungen und typische Stolperfallen ein.
In einem früheren Beitrag in Ausgabe 04/2025 haben wir die möglichen Wege zur Exchange Subscription Edition vorgestellt. Nun geht es um die konkrete Migration – und um einige Änderungen, die seitdem eingetreten sind.
Zeitgleich mit dem geplanten Supportende älterer Exchange-Versionen im Oktober 2025 war ursprünglich das Exchange SE Cumulative Update 1 (CU1) angekündigt. CU1 sollte alle Koexistenzen mit älteren Versionen blockieren und damit den Migrationsdruck deutlich erhöhen: Vor der Installation hätten sämtliche älteren Server entfernt werden müssen. Microsoft verschob diese Sperre jedoch auf CU2 und setzt den Veröffentlichungstermin von CU1 damit nun auf das erste Halbjahr 2026. CU2 ist für das zweite Halbjahr 2026 angekündigt. Mit dieser Verzögerung verschieben sich auch einige, bereits angekündigte, neue Funktionen.
Diese Änderung bedeutet jedoch nicht automatisch mehr Zeit für den Umstieg, denn der Support für Exchange 2016 und 2019 endet weiterhin im Oktober 2025. Wer mehr Zeit benötigt, kann das von Microsoft am 15.07.2025 vorgestellte Extended Security-Update-Programm (ESU) nutzen. Seit dem 1. August 2025 können sich Kunden an ihr Microsoft-Team wenden, um weitere sechs Monate Sicherheitsupdates für Exchange 2016 und 2019 zu erhalten. Das ESU gilt nur für diesen Zeitraum und endet spätestens im April 2026. Positiv ist die Ankündigung, dass Exchange SE mindestens bis 2035 im Support bleibt – ein klarer Vorteil für langfristige Planungen.
Zwei Upgrade-Wege im Vergleich
Für den Wechsel von Exchange 2016 oder 2019 auf Exchange Server SE stehen zwei Methoden zur Verfügung:
- Legacy-Upgrade: Der neue Server wird zur Organisation hinzugefügt, anschließend werden Postfächer und Ressourcen migriert und der alte Server entfernt. Diese Methode ist erforderlich für Upgrades von Exchange 2016 auf Exchange 2019 und von Exchange 2016 auf Exchange Server SE.
- Inplace-Upgrade: Neu mit Exchange SE; dieses Verfahren entspricht der Installation eines Cumulative Updates und wird nur für Upgrades von Exchange 2019 CU14 oder CU15 auf Exchange SE unterstützt.
Der schnelle Weg: Inplace-Upgrade
Für ein Inplace-Upgrade auf Exchange SE ist Exchange 2019 CU14 oder CU15 erforderlich. Der Vorgang entspricht wie oben erwähnt der Installation eines Cumulative Updates: Beim Wechsel auf Exchange Server SE RTM ändern sich lediglich Lizenz und Produktname. Neue Funktionen oder Änderungen kommen erst mit späteren CUs.
Das Inplace-Upgrade betrifft ausschließlich Exchange Server – ein gleichzeitiges Upgrade des Betriebssystems wird nicht unterstützt. Ein Inplace-Upgrade von Windows Server 2022 auf Windows Server 2025 mit installiertem Exchange Server ist daher nicht möglich.
Für das Upgrade müssen Sie zunächst Exchange Server SE RTM herunterladen. Anschließend starten Sie das Setup direkt über das ISO. Es erkennt automatisch die bestehende Installation, führt eine kurze Bereitstellungsprüfung durch und beginnt nach Bestätigung über "Install" den Updateprozess. Dieser läuft wie bei einem CU-Update ab. Nach erfolgreichem Abschluss zeigt der Server Version 15.2 Build 2562.17 an.
Legacy-Upgrade für Exchange 2016
Ein Legacy-Upgrade zu Exchange SE ist von Exchange 2016 und 2019 aus möglich. Bei Exchange 2019 sollten Sie es jedoch nur dann nutzen, wenn ein Wechsel auf neue Hardware oder ein anderes Betriebssystem nötig ist. Da sich Exchange 2016, Exchange 2019 und Exchange SE stark ähneln, ist die Migration zwischen diesen Versionen deutlich einfacher als etwa der Umstieg von Exchange 2010.
In der Praxis integrieren Sie dafür einen neuen Server in die Organisation, auf den Sie dann schrittweise alle Funktionen und Daten übertragen – eine sogenannte Swing-Migration, die wir noch detailliert beschreiben werden.
Exchange SE lässt sich nahtlos in eine bestehende Exchange-2016- oder Exchange-2019-Umgebung einfügen. Voraussetzung ist, dass keine Exchange-2013-Server oder ältere Versionen mehr vorhanden sind. Falls es diese bei Ihnen noch gibt, müssen Sie sie zunächst migrieren und entfernen, bevor der Wechsel auf Exchange SE erfolgen kann.
Analyse der bestehenden Umgebung
Bevor Sie mit der Migration starten, verschaffen Sie sich einen vollständigen Überblick über Ihre Infrastruktur. So erkennen Sie frühzeitig mögliche Stolpersteine und können gezielt planen. Erstellen Sie zu Beginn mit dem Exchange Environment Report eine Bestandsaufnahme (Bild 1). Damit haben Sie Server, Postfachgrößen und weitere wichtige Parameter jederzeit im Blick.
Im nächsten Schritt nehmen Sie die Connectoren unter die Lupe. Dokumentieren Sie die Konfiguration der Sende- und Empfangsconnectoren und klären Sie, welcher Connector für welchen Zweck genutzt wird – beispielsweise als Relay. Prüfen Sie außerdem die Postfachbegrenzungen. Die Limits lesen Sie im Exchange Admin Center (EAC) an den Datenbanken aus oder schneller per PowerShell:
Get-MailboxDatabase | ft Name,ProhibitSend*,Issue*
Da Standardvorgaben direkt an einem Postfach angepasst sein können, ermitteln Sie auch gleich die Ausnahmen:
Get-Mailbox -ResultSize Unlimited | Where {$_.UseDatabaseQuotaDefaults -eq $False} |
ft Name,ProhibitSend*,Issue*
Notieren Sie anschließend die Exchange-URLs. Folgende Befehle geben Ihnen einen Überblick über interne und externe Zugriffspunkte:
Get-ClientAccessServer | fl id*,*uri* Get-OutlookAnywhere | fl id*,*host* Get-OabVirtualDirectory | fl id*,*url* Get-OwaVirtualDirectory | fl id*,*url* Get-WebServicesVirtualDirectory | fl id*,*url* Get-ActiveSyncVirtualDirectory | fl id*,*url* Get-AutodiscoverVirtualDirectory | fl id*,*url* Get-EcpVirtualDirectory | fl id*,*url* Get-MapiVirtualDirectory | fl id*,*url*
Achten Sie darauf, dass alle benötigten Namen auch im Zertifikat hinterlegt sind. Halten Sie die Zahl der Namen so gering wie möglich – auf dem neuen Server werden die gleichen Bezeichnungen verwendet.
Sizing und Ressourcenplanung
Definieren Sie vor der Migration den gewünschten Sollzustand Ihrer Umgebung und führen Sie ein Sizing durch. Beachten Sie, dass Exchange SE höhere Anforderungen an Arbeitsspeicher und CPU stellt als Exchange 2016. Die Plattform benötigt mindestens 128 GByte RAM – ein gewaltiger Sprung von den 8 GByte in Exchange 2016. Da Exchange möglichst viele Daten im Arbeitsspeicher vorhält, lohnt es sich, hier nicht zu sparen.
Für das Sizing können Sie den Exchange Server 2019 Sizing Calculator verwenden, der auch für Exchange SE geeignet ist. Eine Beschreibung finden Sie hier. Nutzen Sie die Daten aus Ihrer Bestandsaufnahme, um den Kalkulator schnell an Ihre Gegebenheiten anzupassen – etwa Postfachanzahl und Sendeverhalten. Am Ende erhalten Sie einen Empfehlungsvorschlag für den optimalen Serveraufbau.
Der zweite Teil der Workshopserie dreht sich um die eigentliche Installation von Exchange SE und die damit einhergehende Netzwerk- und Verbindungskonfiguration. Im dritten Teil behandeln wir das Verschieben der Postfächer und das Deinstallieren des alten Exchange-Servers.
Über den Autor: Christian Schulenburg ist seit über 20 Jahren in der IT tätig und war langjähriger MVP für Exchange. Aktuell arbeitet er als Referent für Digitalisierung beim Landkreistag Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin, wo er die Verwaltung in dem Prozess der Digitalisierung unterstützt. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen bei Salesforce sowie bei Microsoft-Technologien und dabei insbesondere auf Exchange.