Migration zu Exchange SE (2)
Exchange Subscription Edition ist seit dem 1. Juli 2025 verfügbar, während Exchange 2016 und 2019 im Oktober 2025 ihr Supportende erreichten. Unser Workshop zeigt Schritt für Schritt, wie Sie den Takt halten und auf SE migrieren – wahlweise per klassischem Legacy-Upgrade oder mittels neuem Inplace-Upgrade von Exchange 2019. Der zweite Teil unseres Workshops dreht sich um die eigentliche Installation von Exchange SE und die damit einhergehende Netzwerk- und Verbindungskonfiguration.
Stellen Sie vor der Installation von Exchange SE sicher, dass alle Domaincontroller auf mindestens Windows Server 2012 R2 laufen und sowohl die Gesamtstrukturfunktionsebene als auch die Domänenfunktionsebene diesem Stand entsprechen. Beginnen Sie anschließend mit der Installation auf Windows Server 2025. Auch Windows Server ab Version 2019 kann zum Einsatz kommen.
Installation von Exchange SE
Die reine Installation des neuen Servers hat keine Auswirkungen auf Ihre Produktivumgebung. Installieren Sie zunächst diese erforderlichen Komponenten:
- Visual C++ 2012 und 2013
- IIS URL Rewrite Module 2.1
- Microsoft Unified Communications Managed API 4.0 Runtime (im Ordner "UCMARedist" auf dem Installationsmedium zu finden)
Sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind, laden Sie Exchange Server SE RTM herunter. Starten Sie das Setup direkt und folgen Sie den Anweisungen auf dem Bildschirm. Während der Installation prüft der Assistent automatisch, ob der Server bereit ist – idealerweise ohne Beanstandungen. Am Ende ist Exchange SE installiert. Falls Probleme auftreten, finden Sie im Installationslog unter "C:\ExchangeSetupLogs\ExchangeSetup.log" hilfreiche Hinweise.
Installation überprüfen
Kontrollieren Sie zunächst mit folgendem Befehl, welche Server mit welchen Rollen im Netzwerk registriert sind:
Get-ExchangeServer | ft Name,ServerRole -AutoSize
Überprüfen Sie anschließend mit
Test-ServiceHealth
und
Get-HealthReport
ob alle Dienste des neuen Servers laufen (Bild 2).
Nach der Installation befinden sich alle Postfächer weiterhin auf dem Exchange-2016/2019-Server, und der gesamte Mailverkehr läuft noch darüber. Bevor Sie fortfahren, verschieben Sie bestehende Datenbanken an den vorgesehenen Speicherort und vergeben Sie sprechende Namen:
Get-MailboxDatabase MailboxDatabaseSE | Set-MailboxDatabase -Name DBSE01 Move-DatabasePath DB01 -EdbFilePath D:\Datenbanken\DBSE01\DBSE01.edb -LogFolderPath D:\Datenbanken\DBSE01\
Richten Sie anschließend Postfachdatenbanken und gegebenenfalls Datenbankverfügbarkeitsgruppen (DAG) nach Ihren Vorgaben ein. Beachten Sie: In einer bestehenden DAG dürfen Sie nur Exchange-Server derselben Version hinzufügen.
Netzwerk- und Verbindungskonfiguration
Exchange SE bringt eine Reihe von vordefinierten Empfangsconnectoren mit, über die die eingehende Kommunikation in der Regel sofort funktioniert. Richten Sie bei Bedarf zusätzliche Connectoren ein oder passen Sie die Rechte entsprechend den Ergebnissen Ihres Pre-Migration-Checks an. Testen Sie die Funktion über einen SMTP-Client oder per Telnet.
Damit der neue Server E-Mails versenden kann, müssen Sie ihn in den vorhandenen Sendeconnectoren freischalten. Öffnen Sie dazu in der EAC im Bereich "Nachrichtenfluss" den gewünschten Connector und fügen Sie den neuen Server in der Bereichsdefinition als Quellserver hinzu.
Prüfen Sie im nächsten Schritt das Zertifikat: Je nach Zugriffspunkten können Sie das vorhandene Zertifikat des Exchange-2016/2019-Servers übernehmen oder ein neues erstellen. In diesem Workshop nutzen wir das vorhandene Zertifikat. Importieren Sie es am einfachsten über die MMC mit dem Snap-in "Zertifikate". Anschließend steht es in der EAC bereit, wo Sie die Exchange-Dienste SMTP, IMAP, POP und IIS aktivieren.
Richten Sie nun die URLs im EAC unter den virtuellen Verzeichnissen des neuen Servers ein. Die internen URLs sind standardmäßig auf den Servernamen gesetzt – interne Hostnamen sollten Sie jedoch vermeiden. Übernehmen Sie stattdessen die im Pre-Migration-Check ermittelten URLs des alten Servers. Zusätzlich konfigurieren Sie den externen Outlook-Anywhere Zugang im EAC unter "Server / Outlook Anywhere".
Finale Umstellung und Feintuning
Bevor Sie im zentralen DNS die IP-Adressen der virtuellen Namen auf den neuen Server umlegen, empfiehlt es sich, zunächst an einem Testclient die Host-Datei anzupassen und den Namen dort mit der neuen IP-Adresse zu verbinden. Führen Sie erste Funktionstests durch. Läuft alles wie erwartet, ändern Sie die DNS-Einträge, sodass der gesamte Datenverkehr über Exchange SE läuft.
Überprüfen Sie anschließend die Limits der Connectoren, damit keine E-Mails aufgrund zu kleiner Größenbeschränkungen abgelehnt werden. Standardmäßig liegt das Limit bei Sende- und Empfangsconnectoren bei 35 MByte. Für individuelle Limits bei OWA oder EWS müssen Sie die Datei "web.config" anpassen. Eine genaue Anleitung dazu finden Sie hier. Verändern Sie bei Bedarf auch die Grenzwerte für Datenbanken und Postfächer, die bei neuen Datenbanken automatisch gesetzt werden. Weitere Informationen dazu finden Sie an dieser Stelle.
Im dritten Teil behandeln wir das Verschieben der Postfächer und das Deinstallieren des alten Exchange-Servers. Im ersten Teil sind wir auf wichtige Vorbereitungen und typische Stolperfallen eingegangen.
Über den Autor: Christian Schulenburg ist seit über 20 Jahren in der IT tätig und war langjähriger MVP für Exchange. Aktuell arbeitet er als Referent für Digitalisierung beim Landkreistag Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin, wo er die Verwaltung in dem Prozess der Digitalisierung unterstützt. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen bei Salesforce sowie bei Microsoft-Technologien und dabei insbesondere auf Exchange.