Daybreak: OpenAI stärkt Cyber-Verteidiger

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Daybreak: OpenAI stärkt Cyber-Verteidiger

23.06.2026 - 07:30
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Schwachstellen in Software zu finden, ist für KI-Systeme längst kein Problem mehr – sie zu beheben, schon eher. Mit seinem ausgebauten Daybreak-Programm will OpenAI genau diese Lücke schließen und liefert dafür ein neues Modell, ein smartes Plug-in und ein Bündnis mit Sicherheitsfirmen und Open-Source-Projekten.

OpenAI baut sein Sicherheitsprogramm "Daybreak" deutlich aus und reagiert damit auf eine Verschiebung im Wettlauf zwischen Angreifern und Verteidigern. Lange galt das Auffinden kritischer Schwachstellen als Flaschenhals der IT-Sicherheit, weil dafür seltenes Expertenwissen nötig war. Durch den Einsatz von KI-Modellen kippt dieses Verhältnis: Schwachstellen lassen sich inzwischen so schnell finden, dass Sicherheitsteams mit der Zahl der Funde kaum noch nachkommen.

Laut OpenAI wurden die eigenen Modelle bereits genutzt, um kritische Lücken in gängigen Browsern, in Netzwerkinfrastruktur sowie in Betriebssystemen wie FreeBSD und dem Linux-Kernel aufzudecken und Patches dafür zu erstellen. Nicht mehr das Entdecken, sondern das tatsächliche Schließen der Lücken sei nun der eigentliche Engpass, heißt es vom Unternehmen.

Plug-in unterstützt bei der Fehlersuche

Im Zentrum der Neuerungen steht eine Aktualisierung des Plug-ins "Codex Security", das Entwicklerteams direkt bei der Fehlersuche unterstützen soll. Statt nur Alarme auszugeben, soll das Tool den Code samt Bedrohungsmodell verstehen, mögliche Schwachstellen identifizieren, deren Erreichbarkeit prüfen, Belege sammeln und passende Patches vorschlagen – die endgültige Entscheidung bleibt dabei beim Menschen.

Seit dem Start als Forschungsvorschau im März hat die Cloud-Variante von Codex Security laut OpenAI mehr als 30 Millionen Commits in über 30.000 Codebasen untersucht. Mehr als 70.000 gefundene Probleme wurden von menschlichen Prüfern manuell als behoben markiert, über 500.000 weitere Funde habe das System automatisch als gelöst eingestuft.

Parallel dazu bringt OpenAI die vollständige Version von "GPT-5.5-Cyber" an den Start, nachdem zuvor lediglich eine eingeschränkte Vorabversion verfügbar war. Das Modell richtet sich an verifizierte Verteidiger mit autorisiertem Zugriff und gilt laut Unternehmensangaben als bislang leistungsfähigstes Modell für das Auffinden und Beheben von Software-Schwachstellen.

Trefferquote von 85,6 Prozent

Auf dem Testverfahren CyberGym, das die Fähigkeit von KI-Systemen zur Reproduktion bekannter Sicherheitslücken misst, erreichte das Modell einen Wert von 85,6 Prozent und liegt damit vor dem regulären GPT-5.5 mit 81,8 Prozent. Auch bei den Benchmarks ExploitGym und SEC-bench Pro, die unter anderem prüfen, ob aus Schwachstellen funktionierende Exploits werden können, schneidet die Cyber-Variante deutlich besser ab. OpenAI betont zugleich, in die Entwicklung seien Gespräche mit US-Behörden wie dem Center for AI Standards and Innovation eingeflossen.

Über das neue "Daybreak Cyber Partner Program" sollen ausgewählte Sicherheitsfirmen wie Cisco, Cloudflare, CrowdStrike, IBM, Palo Alto Networks oder Wiz Zugriff auf die Modelle erhalten und sie in eigene Produkte integrieren können. Zusätzlich startet mit "Patch the Planet" eine Initiative gemeinsam mit der Sicherheitsfirma Trail of Bits sowie HackerOne und Calif, die gezielt Open-Source-Projekten helfen soll.

Mehr als 30 Projekte an Bord

Mehr als 30 Projekte hätten bereits zugesagt mitzumachen, darunter cURL, Go, Python, Sigstore und die Kryptografie-Bibliothek pyca/cryptography. Hintergrund ist eine Studie der Linux Foundation und der Harvard University, wonach bei 94 Prozent der untersuchten weitverbreiteten Projekte weniger als zehn Entwickler für über 90 Prozent des jährlichen Codes verantwortlich sind – entsprechend dünn ist die personelle Decke vieler Maintainer-Teams.

Begleitend dazu weitet OpenAI seine Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen aus. Im vergangenen Monat seien Partnerschaften für einen vertrauenswürdigen Zugang zu den Cyber-Fähigkeiten mit Australien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Südkorea sowie EU-Institutionen wie der europäischen Cybersicherheitsagentur ENISA geschlossen worden, auch mit Großbritannien bestehe eine wachsende Kooperation.

OpenAI kündigte zudem an, künftig direkt mit Betreibern kritischer Infrastruktur zusammenarbeiten zu wollen, um passgenaue Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Ziel sei es, fortgeschrittene KI-Werkzeuge stärker in die Hände von Verteidigern zu legen, während sie für Angreifer schwerer nutzbar gemacht werden – ein Balanceakt, dessen Erfolg sich erst in der praktischen Anwendung zeigen dürfte.

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