Revisionssichere Speichersysteme im Gesundheitswesen

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Revisionssichere Speichersysteme im Gesundheitswesen

19.11.2025 - 07:00
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Das Gesundheitswesen ist einem immensen Digitalisierungsdruck ausgesetzt und muss zugleich die Daten von Patienten bestmöglich schützen. Vor dieser Herausforderung steht auch das Klinikum Werra-Meißner, das jährlich rund 60.000 Patienten versorgt. Seit über zehn Jahren sichern nun spezielle Werkzeuge für revisionssichere Archivierung und Backup aus Deutschland sensible Daten und begleiten den stetigen technologischen Wandel.

Das Klinikum Werra-Meißner stellt mit seinen Krankenhäusern in Witzenhausen und Eschwege die medizinische Grund- und Regelversorgung in der Region und darüber hinaus sicher. Als kommunales Krankenhaus mit mehr als 500 Betten beschäftigt die Einrichtung über 1200 Fachkräfte an beiden Standorten und versorgt jährlich rund 20.000 stationäre sowie 40.000 ambulante Patienten. Zudem fungiert das Klinikum als Akademisches Lehrkrankenhaus der Universitätsmedizin Göttingen und des UMCH Campus Hamburg.

Die Geschichte der beiden Kliniken reicht weit zurück: Das erste Krankenhaus in Eschwege entstand vor etwa 170 Jahren, während das Krankenhaus in Witzenhausen am 23. Juni 1845 eröffnet wurde. Im November 2010 erfolgte die Fusion beider Einrichtungen zur Klinikum Werra-Meißner GmbH – zugleich der Startpunkt einer umfassenden IT-Modernisierung.

"Als Klinik mit begrenztem IT-Budget ist es nicht möglich, alle drei Jahre in neue Systeme zu investieren, deren Kosten schnell in den sechsstelligen Bereich gehen können", erläutert Michael Günther, IT-Leiter der Gesundheitsholding Werra-Meißner GmbH (GHWM). "Nachhaltigkeit und Zuverlässigkeit sind bei IT-Investitionen im Gesundheitswesen entscheidende Kriterien."

Die IT-Abteilung der GHWM steht regelmäßig vor besonderen Anforderungen: Patientendaten müssen revisionssicher archiviert und gleichzeitig kurzfristig abrufbar bleiben. Hinzu kommen Anforderungen an die Datensicherung, die im Notfall eine rasche Wiederherstellung ermöglichen soll. Schon frühzeitig legten die IT-Verantwortlichen dafür die technische Basis.

Revisionssichere Archivierung und moderne Backup-Architektur

Bereits 2010 führte die GHWM ein zertifiziertes, revisionssicheres Archivsystem mit WORM-Versiegelung ein. Eingesetzt werden Silent Cubes von FAST LTA für die langfristige Archivierung des Dokumentenarchivs (insbesondere CGM Medico). In einer späteren Erweiterung wurde das Speichersystem auch mit Infinitt PACS zur Ablage medizinischer Bilddaten sowie einem E-Mail-Archiv von REDDOXX integriert. Die redundant ausgelegten Silent Cubes laufen in beiden Rechenzentren der GHWM parallel und gewährleisten damit eine hohe Betriebssicherheit. "Ein entscheidender Vorteil ist die Ausfallsicherheit durch den Einsatz unterschiedlicher Festplatten. Selbst wenn einzelne Laufwerke ausfallen, bleibt der Betrieb stabil", betont Günther.

Im Jahr 2016 wurde die IT-Infrastruktur des Klinikverbunds weiter ausgebaut. Für Backup und VTL-Archive setzte die GHWM auf Silent Bricks von FAST LTA, die als Storage-Container für Cold Storage dienen. Jeder Container besteht aus zwölf Festplatten aus drei unterschiedlichen Chargen; durch Erasure Coding können bis zu vier Laufwerke ausfallen, ohne dass Daten verloren gehen. Das System löste ein Tape-basiertes Backup ab und arbeitet seitdem mit Veeam als Backupsoftware für VMware-Umgebungen zusammen.

Das Team setzte damit ein 3-2-1-Backup-Konzept um, einschließlich der Auslagerung einzelner Speichermodule in einem feuerfesten Tresor – gemäß dem Air-Gap-Prinzip. Durch diesen Ansatz verzichtet der Klinikverbund auf einen zweiten, räumlich getrennten Backupstandort. "Wir haben die Daten online verfügbar und lagern sie zusätzlich physisch aus. Die Wiederherstellung erfolgt deutlich schneller als mit dem früheren Tape-System", so Günther.

Reibungslose Integration und langjähriger Betrieb

Die Integration der Silent Cubes erfolgte über CGM in Zusammenarbeit mit Medico und Infinitt, während die Silent Bricks gemeinsam mit Veeam in die VMware-Umgebung eingebunden wurden. Zu Beginn mussten die IT-Verantwortlichen der GHWM aufgrund großer Backup-Datenmengen und daraus resultierender langer Laufzeiten eigene Anpassungen vornehmen. Seit diesen Optimierungen arbeitet das System stabil. "Die Kombination aus Silent Bricks und Veeam funktioniert aus unserer Sicht sehr zuverlässig und hat sich im Praxisbetrieb vielfach bewährt", sagt Günther.

Ebenso wie die Einführung verlief auch der langfristige Betrieb reibungslos. "Wir haben die Silent Cubes bereits rund 15 Jahre und die Silent Bricks fast zehn Jahre im Einsatz und bislang keine nennenswerten Probleme festgestellt", berichtet der IT-Leiter. Gerade im Gesundheitswesen sind langlebige und wirtschaftlich tragfähige IT-Investitionen besonders wichtig, um Neuanschaffungen auf das notwendige Maß zu begrenzen. Ein zusätzlicher Vorteil ergibt sich aus planbaren Kosten über viele Jahre hinweg – ein Aspekt, der insbesondere im Vergleich zu Software-as-a-Service-Angeboten mit steigenden Gebühren ins Gewicht fällt.

Skalierbarkeit, Flexibilität und Compliance

Ein wesentlicher Punkt für den Klinikverbund ist die flexible Erweiterbarkeit der Systeme. Dank des modularen Aufbaus mit eigenständigen Speichermodulen lassen sich zusätzliche Kapazitäten jederzeit ergänzen. Diese Flexibilität ermöglicht es, das stark wachsende Datenvolumen auch langfristig mit der bestehenden Investition zu bewältigen.

Da die GHWM weniger als 30.000 stationäre Fälle pro Jahr betreut, fällt sie bislang nicht unter die KRITIS-Anforderungen. Dennoch gewinnt die NIS2-Richtlinie, die künftig auch kleinere Einrichtungen betreffen wird, zunehmend an Bedeutung. "Unabhängig von den aktuellen Vorgaben macht NIS2 auch Häuser wie unseres zu einer Art kritischer Infrastruktur. Das bedeutet, dass wir schon heute hohen Sicherheitsanforderungen gerecht werden müssen", erläutert Günther.

Besonders im Bereich der Archivierung und des Datenschutzes spielen Revisionssicherheit und WORM-Versiegelung ("Write Once Read Many") der eingesetzten Systeme eine zentrale Rolle. "Maximaler Datenschutz ist entscheidend, um Patientendaten langfristig sicher und unveränderlich zu archivieren", ergänzt der IT-Leiter.

Nach fast zehn Jahren Nutzung der Silent Bricks prüft die GHWM derzeit mögliche Nachfolgegenerationen. "Wir wollen das Thema frühzeitig angehen, um die künftigen Investitionen besser planen zu können. Vom angekündigten Silent-Brick-Pro-System auf NVMe-Basis erwarten wir uns vor allem Vorteile bei der Performance, insbesondere bei den derzeit langen Backup-Laufzeiten. Durch die Flash-Architektur ließe sich hier deutlich Zeit sparen", erklärt Günther.

Auch die Herkunft von IT-Komponenten spielt für die GHWM eine zunehmend wichtige Rolle. "Gerade unter Datenschutzaspekten und mit Blick auf langfristig kalkulierbare Kosten ist ein europäischer Hersteller klar zu bevorzugen. Wenn es eine überzeugende Option gibt, sollten Unternehmen regionaler denken", betont Günther.

Fazit: Langzeitstabilität und Datensicherheit im Klinikbetrieb

Nach über einem Jahrzehnt Betrieb mit den eingesetzten Speichersystemen zieht die Gesundheitsholding Werra-Meißner eine positive Bilanz. Die Kombination aus Langlebigkeit, Stabilität, Skalierbarkeit und wirtschaftlicher Planbarkeit hat sich im Alltag bewährt und bildet eine tragfähige Grundlage für die IT-Infrastruktur des Klinikverbunds. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung im Gesundheitswesen und zunehmend strengerer Datenschutzanforderungen bleibt eine zukunftssichere Datenspeicherung ein zentrales Ziel. Die GHWM plant daher, ihre bestehende IT-Struktur konsequent weiterzuentwickeln, um auch künftig eine qualitativ hochwertige Versorgung in der Region Werra-Meißner sicherzustellen. (ln)

Über den Autor: Roland Stritt ist CRO bei FAST LTA