Selbstfahrende Taxis: München wird Testlabor
München soll zur ersten europäischen Stadt werden, in der Uber gemeinsam mit dem KI-Spezialisten Autobrains und NVIDIA Robotaxis im Regelbetrieb einsetzt. Das Trio setzt auf einen ungewöhnlichen KI-Ansatz – und hat dabei noch eine entscheidende Hürde vor sich.
Drei Unternehmen aus unterschiedlichen Ecken der Tech-Welt legen ihre Karten auf den Tisch: Uber, das israelische KI-Unternehmen Autobrains und der Chiphersteller NVIDIA haben eine strategische Partnerschaft für den Betrieb von Robotaxis in München bekanntgegeben. Das Programm soll, vorbehaltlich behördlicher Genehmigung, in der bayerischen Landeshauptstadt an den Start gehen – und langfristig als Blaupause für weitere Städte und Fahrzeugtypen dienen. München gilt dabei nicht zufällig als Auftaktort: Die Stadt kombiniert dichten Stadtverkehr, Hochgeschwindigkeitsstraßen und einen als strukturiert geltenden regulatorischen Rahmen.
Verschiedene Agenten für Fahrsituationen
Technisches Herzstück des Projekts ist die sogenannte "Agentic AI" von Autobrains, die auf der NVIDIA-DRIVE-Hyperion-Plattform läuft. Statt auf ein einzelnes, allumfassendes KI-Modell zu setzen, zerlegt der Ansatz den Fahrvorgang in spezialisierte Agenten. Jeder dieser Agenten ist auf einen bestimmten Fahrkontext ausgerichtet, bewertet kontinuierlich die Situation und trifft Entscheidungen in Echtzeit.
Das soll robusteres Verhalten in unvorhersehbaren Verkehrssituationen ermöglichen - ohne dabei übermäßig rechenintensive Hardware vorauszusetzen. Autobrains betont, die Technologie sei so konzipiert, dass sie auf Standard-Sensorkonfigurationen und handelsüblicher Automotive-Rechenleistung läuft.
Plattformübergreifende Software
Ein zentrales Ziel der Kooperation ist die sogenannte OEM-Agnostik: Das System soll nicht an einen bestimmten Fahrzeughersteller gebunden sein, sondern über verschiedene Plattformen hinweg funktionieren. Für Autohersteller öffne das einen potenziell attraktiven Einstiegsweg ins autonome Ride-Hailing – sie liefern das Fahrzeug, das Konsortium steuert Autonomiesoftware, Rechenarchitektur und Marktplatz bei. Uber übernimmt dabei die Rolle des Vertriebskanals und operativen Rückgrats: Das globale Mobilitätsnetzwerk des Unternehmens soll den Robotaxis den Zugang zu zahlenden Fahrgästen sichern.
Wie weit das Programm tatsächlich trägt, hängt von mehreren Faktoren ab – allen voran von den deutschen Behörden. Autonomes Fahren auf Level 4, also ohne permanente Anwesenheit eines Fahrers, unterliegt in Deutschland strengen Zulassungsanforderungen. Das Straßenverkehrsgesetz wurde zwar 2021 für autonome Fahrzeuge geöffnet, die praktische Umsetzung in städtischen Regelbetrieb bleibt aber komplex. Ähnliche Projekte anderer Anbieter wie etwa Waymo in den USA haben gezeigt, dass zwischen Ankündigung und kommerziellem Betrieb oft Jahre liegen können.
Europa zieht nach
Das Konsortium positioniert sich damit in einem zunehmend belebten Markt. Während Waymo seinen Robotaxi-Betrieb in US-Städten ausweitet und chinesische Anbieter wie Baidu in heimischen Märkten skalieren, suchen europäische und internationale Akteure noch ihren Platz im autonomen Ride-Hailing. Ob das Münchner Programm zur erhofften Referenz für skalierbare Flottenautonomie wird, dürfte sich in den kommenden Jahren zeigen – und hängt nicht zuletzt davon ab, wie schnell die Genehmigungen folgen.