IT-Administrator vor Ort: SUSECON 2026

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IT-Administrator vor Ort: SUSECON 2026

05.05.2026 - 07:00
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Auf der SUSECON 2026 vom 20. bis 24. April in Prag stellte SUSE mehrere Ankündigungen vor, die besonders für IT-Verantwortliche in kleineren und mittleren Unternehmen relevant sind: ein automatisierter Migrationspfad weg von VMware, die Weiterpflege von RHEL- und CentOS-Beständen, das Model Context Protocol für den IT-Betrieb sowie eine neue Industrial-Edge-Plattform für die Fertigungsindustrie.

Das Leitthema der Konferenz – "Resilience needs choice" – ist eine direkte Antwort auf zwei Herausforderungen, die viele Administratoren derzeit umtreiben: der VMware-Lizenzschock nach der Broadcom-Übernahme und die Frage, wie sich KI-Anforderungen ohne Datenabfluss zu Hyperscalern realisieren lassen. SUSE-CTO Thomas Di Giacomo und Chief Strategy Officer Frank Feldmann brachten die Strategie auf zwei Begriffe, die sich durch viele Vorträge und Präsentationen zogen: Exit Velocity (schnell aus einem unwirtschaftlichen Vendor-Vertrag herauskommen) und Pivot Ability (auf eine neue Plattform wechseln, ohne den Betrieb zu stören).

VMware-Ausstieg: Coriolis als integrierter Migrationspfad

Die für viele Mittelstands-Administratoren konkreteste Ankündigung: SUSE integriert das Migrationswerkzeug Coriolis des Partners Cloudbase Solutions direkt in den Stack von SUSE Virtualization. Coriolis selbst ist nicht neu – das Tool wird seit Jahren in OpenStack-Migrationen eingesetzt – wird aber jetzt zum bevorzugten Pfad in das KVM-basierte Virtualisierungsangebot von SUSE. Die wichtigsten praktischen Eckdaten:

  • Migration ohne lange Wartungsfenster: Coriolis nutzt einen Warm-Migration-Ansatz, bei dem Daten repliziert werden, während die Quell-VM weiterläuft. Erst beim Cutover kommt es zu einer kurzen Unterbrechung.
  • Quellsysteme: VMware vSphere sowie die Public Clouds AWS und Azure – einschließlich der Möglichkeit, Workloads wieder ins eigene Rechenzentrum zurückzuverlagern.
  • SAP-Pfad: Migration von SAP-Anwendungsservern und SAP HANA auf SUSE Linux Enterprise for SAP Applications mit KVM-zertifiziertem Hypervisor. Damit baut SUSE sein Angebot für SAP-Workloads im Virtualisierungsumfeld aus – auch im Vergleich zu Red Hat OpenShift Virtualization und Nutanix AHV.
  • Migrationen: SUSE stellt Neu- und Bestandskunden kostenlose Migrationskontingente für bestehende VMs bereit.

Zur Einordnung: Coriolis deckt die Migration von VMs ab. Aufgaben im laufenden Betrieb – etwa Storage-Integration, Netzwerk, Disaster Recovery oder Lifecycle-Management – gehören jedoch nicht zum Funktionsumfang. Wer den Komfort und Funktionsumfang von vSphere gewohnt ist, sollte den SUSE-Stack daher gesondert prüfen. Für typische Standard-Workloads im Mittelstand dürfte der Ansatz dennoch ausreichen.

RHEL- und CentOS-Bestand weiter betreiben

Für Administratoren mit gemischten Linux-Beständen hat SUSE in Prag erneut auf seinen Multi-Linux Support verwiesen. Damit lassen sich RHEL- und CentOS-Systeme – inklusive End-of-Life-Versionen, die der ursprüngliche Hersteller nicht mehr unterstützt – unter SUSE-Support weiter pflegen, ohne dass die Systeme migriert werden müssen. Auf der Bühne berichtete Mizuho Bank von einer Umstellung von über 200 Legacy-Servern auf Multi-Linux Support. Ein Anwendungsfall, der auch im deutschen Mittelstand verbreitet ist: alte Bestandssysteme weiter sicher betreiben, Lizenzkosten senken, Migrationszeitpunkt selbst bestimmen.

Ergänzend dazu kündigte SUSE die nächste Hauptversion SLES 16 an, die generative KI-Funktionen integriert und gezielt Migrationspfade von VMs zu Containern unterstützen soll – also genau die Bewegung, die viele Mittelstandsumgebungen mittelfristig vor sich haben.

Patchroutine mit Agenten: MCP wird Standard-Schnittstelle

Ein Themenkreis, der direkt den IT-Admin-Alltag berührt: SUSE rollt das Model Context Protocol (MCP) quer durch sein Portfolio aus. MCP-Server-Schnittstellen sind jetzt in Multi-Linux Manager und Rancher Prime verfügbar, ergänzt durch SLES, den AI-Assistenten Liz und die Observability- und Security-Werkzeuge.

Das praktische Szenario zeigte SUSE in der Keynote am Beispiel eines SAP-HANA-Patchings: Ein Agent ermittelt zunächst die Cluster-Topologie über Trento, ruft Patchstand und Abweichungen im Multi-Linux-Manager ab und prüft definierte Vorgaben wie Wartungsfenster oder Replikationsregeln. Auf dieser Basis erstellt er einen Vorschlag für die schrittweise Aktualisierung. Vor der Ausführung erläutert der KI-Assistent Liz die einzelnen Schritte, anschließend gibt der Administrator den Vorgang frei.

Der Mehrwert liegt weniger in der Geschwindigkeit als in der Nachvollziehbarkeit: Jeder Schritt ist einem konkreten Aufruf innerhalb des MCP zugeordnet und einem beteiligten System eindeutig zuordenbar. So wird ein teilautomatisierter Betrieb auch in regulierten Umgebungen prüfbar. Eigene Workflows – etwa mit Werkzeugen wie n8n – lassen sich direkt anbinden, ohne zusätzliche Schnittstellen entwickeln zu müssen. Weitere angekündigte Anbindungen betreffen unter anderem AWS, Fujitsu sowie verschiedene Security- und Observability-Werkzeuge.

Industrial Edge für den produzierenden Mittelstand

Mit SUSE Industrial Edge, basierend auf der im Februar 2026 abgeschlossenen Übernahme von Losant, adressiert SUSE erstmals gezielt industrielle Anwendungen im Edge-Umfeld – ein Bereich, der gerade für den produzierenden Mittelstand relevant ist. Die Plattform unterstützt Standards wie OPC UA und lässt sich in bestehende Umgebungen etwa mit Systemen von Siemens oder Beckhoff integrieren. Hinzu kommen eine visuelle Workflow-Engine, Dashboards sowie die Möglichkeit, Daten direkt vor Ort auszuwerten. Nach Angaben des Herstellers verarbeitet die Plattform derzeit mehr als zwei Milliarden Workflow-Transaktionen pro Monat.

Strategisch setzt SUSE zudem auf Offenheit: Die Losant-Technologie soll als Open Source verfügbar werden. Gleichzeitig engagiert sich das Unternehmen in der Margo-Initiative der Linux Foundation, die die Interoperabilität von Edge-Systemen verbessern will. Ob SUSE diese Ankündigungen konsequent umsetzt, bleibt abzuwarten – vergleichbare Versprechen gibt es auch bei anderen IIoT-Plattformen. Für Unternehmen mit Projekten an der Schnittstelle von OT und IT entsteht damit aber eine weitere Option neben Hyperscaler-Angeboten und klassischen, proprietären Plattformen.

Souveränität wird Beschaffungsargument

Begleitend zur Konferenz hat SUSE eine Studie unter 309 IT-Verantwortlichen aus Deutschland, Frankreich, Indien, Japan und den USA veröffentlicht. Demnach halten 98 Prozent digitale Souveränität für wichtig, aber nur 52 Prozent setzen entsprechende Maßnahmen um. In Deutschland investieren 57 Prozent in das Thema – mehr als in den USA (52 Prozent), aber weniger als in Indien (62 Prozent). Für 45 Prozent spielt Souveränität bereits bei Ausschreibungen eine Rolle, 42 Prozent berücksichtigen sie bei der Auswahl von Anbietern.

Wie sich dieser Anspruch praktisch umsetzen lässt, will SUSE mit einer neuen Spezialisierung im Partnerprogramm "SUSE One" zeigen. Dazu gehören unter anderem eine geprüfte Referenzarchitektur, Support aus der EU, nutzungsbasierte Abrechnung für Managed Service Provider sowie ein Werkzeug zur Selbsteinschätzung. Das zugrunde liegende Modell umfasst drei Aspekte: Nachvollziehbarkeit (einsehbarer Code, reproduzierbare Builds), Kontrolle (rechtlicher Rahmen, Abschaltmechanismen, Auditierbarkeit) und Portabilität (offene Standards, flexible Bereitstellung). Diese Punkte orientieren sich an aktuellen regulatorischen Anforderungen wie NIS2, DORA und dem EU AI Act. Für mittelständische Kunden ist vor allem relevant, dass sich das Angebot gezielt an regionale Dienstleister und Systemintegratoren richtet – nicht nur an große, internationale Anbieter.

Fazit: Mehr Wahlmöglichkeiten als vor einem Jahr

Aus Sicht von Administratoren lassen sich aus der SUSECON 2026 vor allem praktische Ansätze mitnehmen: Der Ausstieg aus VMware wird mit Coriolis planbarer, RHEL- und CentOS-Systeme lassen sich mit Multi-Linux Support weiter betreiben, und das Model Context Protocol schafft mehr Transparenz bei automatisierten Abläufen. Mit Industrial Edge adressiert SUSE zudem den Bedarf nach offenen Plattformen im industriellen Umfeld.

Offen bleibt, ob sich diese Ansätze auch in den Beschaffungsentscheidungen des Mittelstands widerspiegeln. Eine Zahl aus der SUSE-Studie ist dabei aufschlussreich: Bei einer hypothetischen Budgeterhöhung würden 70 Prozent in KI investieren, aber nur 46 Prozent in Resilienz. Solange diese Prioritäten so verteilt sind, bleibt das Thema digitale Souveränität in Präsentationen präsent, spielt in konkreten Investitionsentscheidungen jedoch eine geringere Rolle. Unternehmen, die in den kommenden zwölf Monaten ohnehin vor VMware-Vertragsverlängerungen, einer Konsolidierung ihrer Linux-Umgebungen oder Edge-Projekten stehen, sollten SUSE dennoch in ihre Auswahl einbeziehen. (ln)

Über die Autoren: Dr. Guido Söldner ist Geschäftsführer und Florian Fröhlich Platform Engineering Leader bei Söldner Consult GmbH.

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