Fachartikel

Seite 2 - ISDN ist tot, hoch lebe VoIP

Flexibilität dank SIP-Trunking
Hinter der IP-Umstellung steht der SIP-Trunk. Er ermöglicht es Unternehmen, eine Infrastruktur für alle Kommunikationskanäle wie Telefonie, Video und Datenübertragung zu implementieren. SIP, das Session Initiation Protocol, sorgt für den reibungslosen Auf- und Abbau einer Kommunikationssitzung (etwa Sprache, Video) und dient zusätzlich als Steuerung während der aktiven Verbindung sowohl innerhalb eines lokalen Netzwerkes, als auch mit der Außenwelt.

SIP-Trunking ist vor allem interessant für Unternehmen, die im Zuge der Umstellung auf All-IP eine neue TK-Anlage implementieren wollen und somit in jedem Fall eine neue Infrastruktur benötigen. Der Aufwand lohnt sich. Nicht nur die Anschlusskosten sind in der Regel geringer, auch bei den tatsächlichen Verbindungskosten lassen sich erhebliche Einsparungen erzielen, da über einen zentralen Account das Direct-Dial-In für eine große Anzahl an Endgeräten ermöglicht wird. Weitere Nummern, zum Beispiel für eine Service-Hotline, sind jederzeit einfach und schnell angelegt.

Neben einer besseren Kostenübersicht durch die Abrechnung aller Kommunikationsdienstleistungen über einen Anbieter bietet SIP-Trunking auch die Möglichkeit, Zweigstellen einfach einzubinden. Diese Funktionalität spielt auch bei der Implementierung einer Cloud-Lösung eine zentrale Rolle. Meist setzen Unternehmen bei der Umsetzung ihrer UC-Transformation auf eine zentralisierte Plattform mit zentralem Einwahlplan in einer privaten Cloud – die durch die Verbindung des Rechenzentrums mit den Niederlassungen über SIP-Trunks mit ermöglicht wird.
Herausforderung Fax
Der Umstieg auf VoIP kann also als Chance für den Neustart der Kommunikationsinfrastruktur aufgefasst werden. Aber das schönste Konzept taugt wenig, wenn die Umsetzung nicht machbar ist. Die Einführung von All-IP ist aber weniger kompliziert als viele fürchten, wenn sich die Verantwortlichen der möglichen Fallstricke bewusst sind. Dafür fehlt oft der Blick, wenn ein Unternehmen sich seit vielen Jahren auf die altbewährte ISDN-Technik verlässt und die Arbeitsabläufe darauf zugeschnitten sind.

So bieten IP-Telefone im Gegensatz zu analogen und ISDN-Geräten beispielsweise keine Möglichkeit, im Falle eines Stromausfalls über eine Notspeisung der Telefonleitung zu telefonieren, was gerade für den Aufzugnotruf ein Problem darstellt. Doch auch dies lässt sich lösen, indem das Unternehmen sämtliche Geräte innerhalb der Kommunikationsanlage wie Router, Telefone et cetera über eine Notstromversorgung absichert, damit sie problemlos auch bei einem Stromausfall funktionieren.

Für viele Verantwortliche war und ist auch der Einsatz von Faxgeräten ein Grund, die Umstellung von ISDN auf VoIP hinauszuzögern. Denn Versand und Empfang von Faxen über ISDN sind per se stabiler. Mittlerweile gibt es jedoch einfache Methoden, um auch im All-IP-Zeitalter problemlos zu faxen. VoIP-Anbieter bieten eine auf die Bedürfnisse der Unternehmen zugeschnittene Lösung für die Probleme:
  1. VoIP Codec ITU-T G.711: Fax-Töne lassen sich durch diese unkomprimierte und verlustfreie Methode paketvermittelt übertragen. Bei der All-IP-Telefonie, bei der minimale Aussetzer bei der Sprachübertragung auftreten können, genau wie der Ausfall einzelner Datenpakete, fallen derartige Ungenauigkeiten dank der im Hintergrund laufenden Fehlerkorrektursysteme den Zuhörern kaum auf. Beim Faxen ist die Herausforderung größer und es entstehen Lücken. Zudem unterliegen paketorientierte Datenübertragungen unterschiedlichen Laufzeitverzögerungen oder -schwankungen, was zum Abbruch einer Übertragung führen kann.
  2. Fax over IP (FoIP, T.38): Dieser Ansatz gehört zu den am weitesten verbreiteten. Die Fax-Töne werden in einem eigenständigen Protokoll mit eigenen Formaten und eigenständigen Regeln übertragen, nicht mehr als digitale Sprachsignale. Dabei sind die sogenannten IFP-Pakete (Internet Facsimilé Protocol) in die Sprache des Internet (UDP/TCP und IP) eingekapselt. Der Nachteil ist, dass es zu Verzögerungen bei der Laufzeit kommen kann sowie zu Schwankungen. Mittels großer Buffer in den Geräten oder einer doppelten Übertragung versuchen Anbieter, dies zu vermeiden, jedoch führen diese Mechanismen zu einem deutlich langsameren Versand. Wer umfangreiche Dokumente versendet, muss Geduld mitbringen.
  3. Fax-to-Mail-Services (T.37): Der große Vorteil dieser Methode ist, dass ein separates Faxgerät nicht mehr nötig ist. Über den Service-Anbieter erhält der Nutzer eine Faxnummer, die an Kunden weitergegeben werden kann, der eigentliche Versand und Empfang findet per E-Mail statt, die Faxe werden vorher in eine Grafikdatei umgewandelt. Ein weiterer Vorteil des Fax-to-Mail-Services ist, dass der Empfang häufig kostenlos ist, und lediglich beim Versand eine Gebühr anfallen kann.
Fazit
Die Umstellung der Telekommunikationsanlage auf All-IP bringt viele Vorteile wie eine Kostenersparnis mit sich. Sie kann auch Wegbereiter der Digitalisierung sein. Lösungsanbieter, die mit qualifizierten Implementierungspartnern zusammenarbeiten, leisten Hilfestellung bei Bedarf und sorgen für eine schnelle und reibungslose Umstellung. So bleibt der Aufwand bei der Umstellung von ISDN zu All-IP gering.

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21.06.2017/ln/Manuel Ferre-Hernandez, Director Sales bei Mitel Deutschland

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