Fachartikel

Hyper-konvergierte Infrastrukturen – Alles nur Hype?

Das Thema konvergierte Infrastrukturen treibt seit Anfang des Jahrzehnts IT-Experten um, die bemüht sind, die Konvergenz von IT-Infrastrukturen weiter zu erhöhen. Die Hersteller fördern die Entwicklung ihrerseits – allen voran VMware. Der Virtualisierungsspezialist will 2015 eine neue Ära einläuten: mit hyper-konvergierten Infrastrukturen. Da die IT in vielen Unternehmen immer komplexer wird, stehen konvergierte Lösungen hoch im Kurs. Doch ist eine weitere Erhöhung der Konvergenz wirklich sinnvoll? Unser Beitrag versucht diese Frage zu beantworten.
Vom Datacenter-in-a-Box zur Single-Box: Hyper-konvertieren Infrastrukturen vereinen vormals getrennte RZ-Komponenten.
Der große Trend der vergangenen Jahre, die Virtualisierung, führte zur Trennung von Software und Hardware. Für mehrere virtuelle Server wird nur noch ein einziger physikalischer Server benötigt. Auf diese Weise wird die eingesetzte IT-Hardware wirtschaftlicher genutzt, wodurch sie jedoch gleichsam in den Hintergrund gedrängt wurde. Für die Unternehmen spielt nun die Software die entscheidende Rolle, denn sie ist der Schlüssel, um die Effizienz und Wirtschaftlichkeit von IT-Systemen zu steigern.

Daneben müssen die IT-Abteilungen weitere Herausforderungen meistern. Geschäftskritische Applikationen müssen hochverfügbar bereitstehen, was sich nur durch eine langfristige Leistung und Skalierbarkeit der Infrastruktur sicherstellen lässt. Immer neue Applikationen und die steigende Zahl der unterschiedlichen Endgeräte erhöhen die Komplexität zudem. Damit steigen auch die Anforderungen an IT-Mitarbeiter, deren Aufgabenbereich immer weiter wächst. Dagegen werden Budgets noch immer eng kalkuliert, sodass nicht nur Anwender nach effizienteren Systemen suchen, sondern auch Hersteller der Systemkomponenten.

Agil und virtuell statt physikalisch und isoliert
Als Antwort auf Kostendruck und die steigende Komplexität setzen viele Unternehmen auf konvergierte oder hyper-konvergierte Infrastrukturen. CI-Lösungen bestehen aus aufeinander abgestimmten Komponenten. Die Integration von Server, Storage und Netzwerk ermöglicht eine schnellere Inbetriebnahme. Verfahren Unternehmen nach dem Best of breed-Ansatz, müssen alle separaten Komponenten aufeinander abgestimmt und über Managementlösungen miteinander verbunden werden. Das kostet Zeit und erhöht die Wahrscheinlichkeit von später auftretenden Fehlern. Mit einer konvergierten Infrastruktur erhält der Anwender ein zentrales und damit vereinfachtes Management der gesamten IT-Infrastruktur, denn CI-Lösungen wandeln isolierte physikalische in agile virtuelle Maschinen um.

Da die verwendeten Komponenten aneinander angepasst sind und vor der Inbetriebnahme vom CI-Anbieter getestet und validiert werden, reduzieren sich Ausfallrisiko sowie Zeitaufwand für Fehlersuche und -behebung. Für Unternehmen erhöht sich somit die Verfügbarkeit des Systems. Falls Support in Anspruch genommen werden muss, steht ein zentraler Partner zur Verfügung.

Insbesondere in Unternehmen mit Zweigstellen kommen CI-Systeme zum Einsatz, da hier oftmals das zentrale Remote-Management sowie die schnellere Bereitstellung entscheidende Vorteile gegenüber Best-of-Breed-Lösungen bieten. Auch schnell wachsende Unternehmen greifen auf derartige Lösungen zurück und profitieren von der Flexibilität einer konvergierten IT-Infrastruktur, die sich schnell und einfach mit neuen Systemen erweitern lässt.

Vom Datacenter-in-a-box zur Single-Box
Aus dem Bereich der konvergierten Infrastrukturen haben sich Lösungen wie zum Beispiel Datacenter-in-a-box und Infrastructure-in-a-box entwickelt. Sie bieten standardisierte und vorkonfigurierte IT-Systeme. Doch erst mit hyper-konvergierten Infrastrukturen wird das Konzept der Single-Box Realität. Hierfür kooperiert VMware mit acht namhaften IT-Unternehmen: Dell, EMC, HP, Fujitsu, Hitachi Data Systems sowie Inspur, NetApp, NetOne und Supermicro. Unter dem Markennamen evo:rail wird so eine HCI-Lösung angeboten, die neben Servern, Storage und Netzwerk auch den Hypervisor in einer Single-Box zusammenfasst.

Waren konvergierte Infrastrukturen bislang die unangefochtene Domäne der Hardware-Hersteller, setzt sich nun mit VMware ein Software-Experte an die Spitze der Entwicklung und treibt die Konvergenz zwischen den einzelnen IT-Komponenten weiter voran. Hier lässt sich im Grunde nicht mehr von separaten Komponenten sprechen, denn die einzelnen Systemeinheiten werden in einem Gehäuse geliefert. Das reduziert auch den Platzbedarf im Rechenzentrum oder Serverraum. Für eine HCI-Single-Box werden nur noch zwei Höheneinheiten im Rack benötigt. Darüber hinaus verringert sich ein weiteres Mal der Zeitaufwand für die Verkabelung und Inbetriebnahme – ganz abgesehen davon, dass HCI-Lösungen auch weniger Strom verbrauchen.

Hohe Skalierbarkeit und Verfügbarkeit
Hyper-konvergierte Infrastrukturen zeichnen sich durch eine hohe Skalierbarkeit aus. Um die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur zu erhöhen, müssen lediglich neue Appliances implementiert werden. Die Konfiguration erfolgt weitestgehend automatisch. Da HCI-Lösungen keine separaten Systemkomponenten besitzen, ist eine Skalierung einzelner Komponenten nicht möglich.

Ein weiterer Vorteil: Hyper-konvergierte Infrastrukturen bieten eine hohe Verfügbarkeit. Fällt beispielsweise ein physikalischer Server aus, mussten früher die Daten der virtuellen Instanzen, die sich auf ihm befinden, aufwendig auf einen neuen physikalischen Server migriert werden. Bei einer HCI-Lösung wird lediglich ein neuer Knotenpunkt ins System eingefügt. Die entsprechenden Daten werden automatisch auf diesen verschoben. Damit fällt in Zukunft auch die Datenmigration weg, da sich leistungsstärkere technische Systeme nahtlos in ein Cluster integrieren. Server und Daten werden dann automatisch auf das neue Zielsystem verschoben und das alte Quellsystem kann im Anschluss außer Betrieb genommen werden.

Fazit
HCI ist die logische Fortentwicklung konvergierter Infrastrukturen, wird jedoch die konvergierten Infrastrukturen nicht vollständig ersetzen. Konvergierte Infrastrukturen bieten einen modulareren Ansatz, durch den sich die separaten Komponenten im Vergleich zu HCI einfacher skalieren lassen. Steigt beispielsweise der Storage-Bedarf bei gleichbleibenden Lastverhalten der Server, ist eine konvergierte Infrastruktur die bessere Lösung. Im Bestreben die Effizienz und Wirtschaftlichkeit weiter zu erhöhen, werden HCI-Lösungen daher ihre Anwendung finden und die Konvergenz innerhalb der IT weiter vorantreiben.
19.08.2015/ln/Christian Naber, Practice Manager Cloud Computing bei der DextraData GmbH

Nachrichten

Glasfaser für Cottbus [23.09.2020]

Die Stadt Cottbus und der Provider DNS:NET möchten bislang unterversorgte Gebiete per Glasfaser anbinden. Im ersten Schritt sollen 350 Haushalte sowie 40 Schulen und Bildungseinrichtungen direkt per Fibre to the Home mit Gigabitgeschwindigkeit angeschlossen werden. [mehr]

Verbindung drinnen und draußen [4.09.2020]

Der Access Point "AP327X" von WatchGuard will für eine schnelle und sichere WLAN-Konnektivität sowohl drinnen als auch draußen sorgen. Die Neuvorstellung unterstützt zwei parallel nutzbare Funkmodule für den 5- und 2,4-GHz-Frequenzbereich und damit Geschwindigkeiten von bis zu 867 MBit/s beziehungsweise 400 MBit/s. [mehr]

Massenscanner [20.08.2020]

Tipps & Tools

Kontinuität in Krisenzeiten [17.09.2020]

Ob Stromausfall, Erkältungswelle oder Pandemie: Wer sich gegen Störungen seines Geschäftsbetriebs wappnen will, setzt auf Business Continuity Management. Dahinter verbergen sich Prozessdokumentationen, organisatorische Regelungen, Personalplanungen und Technologien für Notfallszenarien. Betreiber von Rechenzentren sind darin erfahren – und können dazu beitragen, Unternehmen sicher durch Krisen zu navigieren. [mehr]

USV-Technologien im Vergleich [20.08.2020]

Zuverlässige Energieversorgung ist eines der wichtigsten Wachstumskriterien in der Industrie. Bis heute ist eine unterbrechungsfreie Stromversorgung auch an extrem rauen Einsatzorten ein unentbehrlicher Bestandteil vieler Anwendungen, denn die Ausfallsicherheit von kritischen und anspruchsvollen Anlagen ist oft unbezahlbar. Der Beitrag erörtert, welche die richtige USV-Technologie für die jeweilige Anwendung ist. Dabei gehen wir unter anderem auf die Unterschiede zwischen Monoblock und einer modularen USV ein. [mehr]

Buchbesprechung

Microsoft Office 365

von Markus Widl

Anzeigen