Fachartikel

Seite 2 - Wolkenkunde: Über die Wahl der richtigen Cloud

Schwächen und Stärken der verschiedenen Cloud-Modelle
Software-as-a-Service und Web-Services sind Einsatzbereiche, bei denen die Public Cloud klar punkten kann. Deswegen wächst die Public-Cloud-Nutzung überdurchschnittlich stark, obwohl Sicherheit – trotz jüngster Bemühungen der großen Betreiber – nach wie vor ein zentrales Hemmnis für eine noch stärkere Verbreitung ist. Oftmals ist es auch schwer, die Daten am Ende ihres Lebenszyklus auch wirklich zurückzubekommen aus der Public Cloud. Eine weitere Schwäche von Public Clouds ist, dass die Bandbreite und insbesondere die Verfügbarkeit manchmal nicht den Anforderungen gerecht werden.

Das SLA (Service Level Agreement) für Amazon EC2 sieht eine Verfügbarkeit von 99,95 Prozent für die virtuellen Server in jeder Amazon EC2-Region vor. Amazon S3 verspricht eine Objektspeicher-Verfügbarkeit von 99,99 Prozent. Microsoft garantiert bei seinem Cloud-Service Azure für virtuelle Computer, für die zwei oder mehr Instanzen in der gleichen Verfügbarkeitsgruppe bereitgestellt sind, Verbindungen zu virtuellen Computern mit mindestens einer Instanz für mindestens 99,95 Prozent der Zeit. Beim Storage-Zugriff garantiert Microsoft für verschiedene Zugriffsarten (Lesen/Schreiben) und Kontenarten (Locally Redundant Storage/LRS, Zone Redundant Storage/ZRS, Geo Redundant Storage/GRS, Read Access Geo Redundant Storage/RA-GRS) eine Verfügbarkeit von 99,9 Prozent.

Rechnet man diese typischen Verfügbarkeitsquoten in Minuten um, sollten Kunden durchaus darüber nachdenken, wie verfügbar ihre Daten wirklich sein müssen. So betrügen die möglichen Ausfallzeiten im Monat bei einer Verfügbarkeit von 99,99 Prozent knapp 4,5 Minuten, bei 99,95 Prozent bereits 21,9 Minuten und bei 99,9 Prozent sogar knapp 44 Minuten.
Die Verfügbarkeit ist jedoch nur ein Kriterium bei der Wahl der richtigen Cloud-Strategie. Private Clouds werden auch in anderen Kriterien gemessen als Public Clouds. Deren Betreiber reagieren sehr schnell auf neue Wünsche der Kunden, was die Public Cloud letztlich so attraktiv gemacht hat. Das interne IT-Team, das die Private Cloud verwaltet, agiert mitunter eher träge. Die Private Cloud kann jedoch so gestaltet und organisiert werden, dass sie in Public-Cloud-typischen Disziplinen mithalten kann, mit dem entscheidenden Vorteil der besseren Kontrolle über die Daten. Vor allem Produktionsdaten werden bevorzugt in der Private Cloud vorgehalten. Gerade geschäftskritische SAP-Daten beispielsweise sind in der Private Cloud besser aufgehoben. Bei der Entscheidung für die Private Cloud stehen praktisches Datenhandling, hohe Agilität und zuverlässige Compliance im Vordergrund.

Als goldener Mittelweg setzt sich immer stärker das Hybrid-Cloud-Modell durch. Anstatt ausschließlich in eigene Infrastruktur zu investieren, können Unternehmen für bestimmte Anwendungsbereiche bedarfsgerecht auf die skalierbaren Dienste eines Public-Cloud-Betreibers zurückgreifen. Das Hybrid-Cloud-Modell pickt sich die Stärken von Public Cloud und Private Cloud heraus und kann so eigentlich nur Vorteile haben. Trotzdem gibt es auch einige Nachteile – oder zumindest Herausforderungen. Eine Hybrid-Cloud-Umgebung ist komplexer und aufwändiger zu verwalten, eine fehlerhafte Konfiguration kann den Geschäftsbetrieb beeinträchtigen. Zudem besteht das Risiko, dass bestimmte Daten in der "falschen" Cloud landen, was die Datensicherheit untergräbt.

Datenverwaltung in der Private und Hybrid Cloud
Für die Infrastruktur der Public Cloud ist deren Betreiber zuständig. Der Aufbau einer Private Cloud, die eingebunden sein kann in eine Hybrid Cloud, erfordert in jedem Fall effiziente und leistungsfähige Speicherlösungen. Cloud-Computing bedeutet nicht nur Datenarchivierung, sondern mit den Daten zu arbeiten – und das sehr intensiv sowie mit sehr großen Datenmengen. Diese müssen bereitgestellt werden etwa für Tests und Entwicklung. Sie müssen analysiert werden für Marktforschung oder Studien zum Kundenverhalten und sie müssen immer wieder gesichert und im Notfall wiederhergestellt werden.

Ist also ein schneller, paralleler Zugriff auf sich häufig ändernde Daten gefragt, muss die Speicherumgebung agil, also in der Lage sein, viele Daten schnell zu verarbeiten. Orchestrierungs- und Automatisierungslösungen erleichtern dabei das Datenmanagement. Die Speicherhardware sollte über den gesamten Lebenszyklus ohne größere Eingriffe auskommen. Dies gilt für alle entscheidenden Aspekte, also Installation, Verwaltung, Verfügbarkeit, Upgrade und Technologie-Refresh. Sie sollte zudem langfristige Investitionssicherheit bieten, sodass Kunden ihre Speicherkapazität nur ein einziges Mal kaufen und für ein Jahrzehnt oder mehr betreiben können, ohne Migrationen und dadurch bedingte Ausfallzeiten. Zur Investitionssicherheit gehört auch, dass aktuelle Hardware vorbereitet ist für neu aufkommende Standards, Protokolle und Schnittstellen, wie derzeit etwa NVMe (NVM Express) bei Flash-Speicher.

Fazit
Die Cloud – egal in welcher Form – ist das Ergebnis veränderter Anforderungen an die IT. Die IT muss heute als interner Dienstleister einen bestimmten Bedarf an IT-Ressourcen erfüllen. Woher diese Ressourcen stammen, ist für die Nutzer und den Geschäftsbetrieb letztlich zweitrangig. E-Mails und Dokumente wurden früher aus dem firmeneigenen Rechenzentrum am Büroarbeitsplatz abgerufen. Heute haben die Mitarbeiter immer und überall Zugriff über ihre Mobilgeräte. Die Anforderungen an die IT heute sind Agilität, Flexibilität und Always-On-Verfügbarkeit. Die Cloud bietet den Vorteil, überall und jederzeit auf Anwendungen und Daten schnell zugreifen zu können.

Auch wenn in einigen Unternehmen die Private Cloud nicht auf der Tagesordnung steht, die Public Cloud tabu ist oder noch keine Hybrid-Strategie verfolgt wird: Unternehmen werden ihre Rechenzentren in den nächsten Jahren zumindest "Cloud-ready" machen müssen. Diese müssen künftig Cloud-ähnlichen Anforderungen hinsichtlich Agilität und Performance gerecht werden und das Zusammenspiel mit der Public Cloud unterstützen. Schneller Datenzugriff ist dabei die Voraussetzung für den Betrieb einer Private Cloud und das optimale hybride Zusammenspiel mit der Public Cloud.

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19.04.2017/ln/Markus Wolf, Systems Engineering Manager DACH bei Pure Storage

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