Fachartikel

Seite 2 - Sichere Stromversorgung in virtuellen IT-Infrastrukturen

Ausweichszenarien bei Ausfällen
Da es auch vor den Zeiten der Software-definierten Rechenzentren zu Stromschwankungen oder Ausfällen gekommen ist, haben Unternehmen im Regelfall bereits unterbrechungsfreie Stromversorgungs-Anlagen (USV) im Betrieb. Im Falle von punktuell auftretenden Störungen fungieren sie als Batterie, die den Energiefluss aufrechterhält, bis die Störung beendet ist. Ihre Stützzeit ist allerdings zeitlich begrenzt und nicht auf Ausfälle längerer Dauer ausgelegt. Es empfiehlt sich daher, moderne Powermanagement-Lösungen als weitere Kontrollinstanz zwischen Stromversorgung und Hypervisor-Ebene einzusetzen.

Diese greifen auf sämtliche betriebsrelevanten Daten zu, die in der Stromversorgung von Bedeutung sind, wie das externe Stromnetz, die USV-Stützzeit und der Status der Rack-PDU-Gruppen. Anhand dessen ist es ihnen möglich, etwaige Ausfälle rechtzeitig im Voraus zu bemerken und Lösungsszenarien einzuleiten, die sich nach der Schwere des Ausfalls richten. Schon aus Zeitgründen muss die Lösung dabei in der Lage sein, die entsprechenden Maßnahmen selbständig und automatisiert einzuleiten. Menschen würden hier noch eine weitere Entscheidungsschleife bedeuten, da ihnen zunächst die Situation und sämtliche Parameter begreiflich gemacht werden müssten, ehe die entsprechenden Vorkehrungen eingeleitet werden können. Ist eine Überschreitung der USV-Stützzeit absehbar, kommt es auf jede Sekunde an, von daher muss die Lösung eigenständig agieren können.
Kernanwendungen aufrecht erhalten
Die oberste Priorität bei jeglicher Art von Ausfall muss es sein, Kernanwendungen aufrecht zu erhalten. Dazu reicht es mitunter, weniger wichtige virtuelle Maschinen (VM) gezielt herunterzufahren. Alternativ können kritische Anwendungen mittels VM-Migration auf einem physischen Host zusammengeführt werden. In beiden Fällen führt die verminderte Last- und Abwärmereduktion zu einer verlängerten USV-Stützzeit. Reicht dies immer noch nicht aus, um die Dauer des Ausfalles auszusitzen, muss die Lösung Notfallmaßnahmen einleiten und die missionskritischen Anwendungen in ein Ausweich-Rechenzentrum verlagern. Der Kerngedanke ist hier, ein unkontrolliertes Beenden der virtuellen Umgebung zu verhindern.

Auch die Auslagerung in ein Ausweich-Rechenzentrum nützt jedoch nichts, wenn dieses ebenfalls von Ausfällen betroffen ist. Solche großflächigen Stromausfälle kommen zwar selten vor, sind aber niemals vollständig auszuschließen. In diesem Fall ist ein geordnetes Herunterfahren der gesamten Infrastruktur vonnöten, um Datenverlusten und anderen Schäden vorzubeugen. Ein solches Szenario ist von menschlicher Hand schon allein deshalb nicht zu bewerkstelligen, da die Komplexität der IT-Infrastruktur einen Shutdown-Vorgang erfordert, der sich nach der Wichtigkeit der virtuellen Instanzen richtet. Fährt das System Kernanwendungen zu früh herunter, kann dies zu späteren Störungen oder Schwierigkeiten beim Reboot führen. Ebenso wichtig wie das geordnete Herunterfahren ist der sequentielle System-Neustart der Hypervisor-Umgebung gemäß der Hierarchie der verschiedenen Anwendungen und virtuellen Maschinen.

Fazit
Die Energieversorgung war schon immer das heimliche Rückgrat jeden Unternehmens. Je mehr sie sich digitalisieren, desto größer wird auch die Bedeutung einer hochverfügbaren Energieversorgung, denn Ausfälle sind gleichbedeutend mit Einbußen. Da die Anforderungen mit der zunehmenden Menge an Systemkomponenten wachsen, ist ein sicheres und effizientes Energiemanagement vom IT-Personal nur noch bedingt zu bewerkstelligen. Mit einer angemessen konfigurierten Virtualisierungsebene, auf der sämtliche Ressourcen des Unternehmens gebündelt werden, haben IT-Entscheider die Voraussetzungen, ihre Energieversorgung sowohl verlässlich als auch wirtschaftlich zu halten. Gleichzeitig ebnet sie den Weg für zukünftige Anforderungen, die mit Smart Cities und dem Internet der Dinge noch bevorstehen.

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22.11.2017/ln/Andreas Bätschmann, Lead Representative Sales Power Quality bei Eaton

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