Fachartikel

Sechs Erkenntnisse zum Status quo von Rechenzentren

Ein wachsender Kapazitätsbedarf, steigende Anforderungen an die Verfügbarkeit, Lieferengpässe bei kritischen Produkten – die Liste der Herausforderungen, vor denen Rechenzentren weltweit stehen, ist lang. In seiner aktuellen elften Global Data Center Survey hat das Uptime Institute rund 790 Besitzer und Betreiber von Datacentern sowie rund 530 Zulieferer, die Produkte und Dienstleistungen für Rechenzentren anbieten, befragt. Sechs Erkenntnisse zeigen, wo die Branche derzeit steht.
Fähiges RZ-Personal wird immer gefragter: Auch das ist ein Ergebnis der Umfrage des Uptime Institute.
Die Ergebnisse der aktuellen Uptime-Institute-Umfrage für das Jahr 2021 [1] verdeutlichen, dass die Rechenzentrumsbranche nach wie vor wächst. Sie zeigt aber auch, dass Eigentümer und Betreiber von Rechenzentren sich heute mit vielen komplexen Herausforderungen konfrontiert sehen. Noch nie stand mehr auf dem Spiel, was die Vermeidung von Ausfällen, die Umweltverträglichkeit und die Gesamtleistung der Rechenzentren betrifft.

Vor diesem Hintergrund ist es für Unternehmen weiterhin wichtig, ihre geschäftskritische digitale Infrastruktur und deren Betrieb sorgfältig zu überprüfen. Betreiber stehen heute mehr denn je vor der Aufgabe, das Risiko eines Serviceausfalls konsequent zu minimieren und die Ausfallsicherheit ihres Rechenzentrums zu maximieren.

1. Potenzial für Effizienzsteigerungen beschränkt sich auf IT-Racks
Rechenzentren haben die Möglichkeiten, die es gab, ihre Effizienz ohne größere Investitionen zu steigern, bereits weitgehend ausgeschöpft. Deutliche Verbesserungen sind wohl nur noch auf Ebene der IT-Racks zu erzielen. Die Power Usage Effectiveness (PUE) stagniert seit rund fünf Jahren. Die Kennzahl beschreibt das Verhältnis des Gesamt-Energieverbrauchs eines Datacenters zur Energieaufnahme der Rechnerinfrastruktur. 2021 liegt der PUE-Wert im Durchschnitt bei 1,57. Im Vorjahr war er mit 1,59 nur geringfügig höher. Theoretisch wäre ein PUE-Wert von 1 ideal. Was die Dichte der Serverschränke angeht, ist diese im Vergleich zu 2020 leicht angestiegen und bleibt damit auf einem mittelmäßigen Niveau. Fast drei Viertel der Befragten gaben an, die höchste Rack-Dichte in ihren Rechenzentren – selbst in den modernsten – betrage entweder weniger als 10 Kilowatt (36 Prozent) oder zwischen 10 und 20 kW (36 Prozent).


Bild 1: Die Dichte der Serverschränke bleibt auf einem mittelmäßigen Niveau.

2. Nachhaltigkeitscontrolling ist ausbaufähig
Schon wegen der weltweit wachsende Datacenter-Kapazität rückt das Thema Nachhaltigkeit immer stärker in den Fokus. Der erste Schritt hin zu ressourcenschonenderen Rechenzentren besteht darin, die entsprechenden Kennzahlen zu messen – allen voran die Serverauslastung. Sie ist die zentrale Stellschraube für einen geringeren Stromverbrauch. Diesen Wert erheben aber lediglich 40 Prozent der Befragten. Den Energieverbrauch der IT-Ausstattung oder des Rechenzentrums sowie den PUE-Wert überwachen hingegen 82 beziehungsweise 70 Prozent. Beim Wasserverbrauch tun dies bislang nur 51 Prozent der Besitzer und Betreiber.

3. Fast die Hälfte aller Ausfälle verursacht spürbare Schäden
Eine, wenn nicht sogar die zentrale Anforderung an Rechenzentren ist es, eine durchgängige Verfügbarkeit sicherzustellen. 2021 geben 69 Prozent der Befragten an, innerhalb der letzten drei Jahre mindestens einen Ausfall erlebt zu haben – 2020 waren dies noch 78 Prozent. Etwas mehr als die Hälfte der Störungen (56 Prozent) ließ sich schnell beheben und blieb ohne schwerwiegende Auswirkungen. Die übrigen 44 Prozent allerdings führten zu empfindlichen Verlusten in Hinblick auf Kosten, Zeit und Reputation. Dabei ließe sich die Wahrscheinlichkeit für Ausfälle deutlich reduzieren: durch besseres Management, optimierte Prozesse und einschlägiges Training der Mitarbeiter.

4. Wachsende Kapazitäten setzen Lieferketten unter Druck
Durch den steigenden Kapazitätsbedarf stehen Unternehmen aus der Branche vor gewissen Hürden. So rechnet die Mehrheit der befragten Datacenter-Zulieferer noch für die kommenden zwei Jahre mit Engpässen bei Komponenten wie Chips und Leistungselektronik. Darüber hinaus haben die globalen Tech-Konzerne mit ihren Hyperscale-Datacentern deutlichen Einfluss darauf, wie sich der Markt entwickelt. 63 Prozent der Anbieter von Rechenzentrums-Equipment und -Services gehen davon aus, dass sich in den nächsten drei bis fünf Jahren der Wettbewerb im Zulieferbereich aufgrund der Nachfrage durch die Internetgiganten einschränken wird. Denn wenn mehr und mehr riesige Rechenzentren mit einer Kapazität von mehr als 20 Megawatt entstehen, werden Lieferanten dazu tendieren, die Bedürfnisse dieser Großkunden zu priorisieren.

5. Der Fachkräftemangel verschärft sich
Für Besitzer und Betreiber von Rechenzentren wird es immer schwieriger, ihren Bedarf an qualifiziertem Personal zu decken. Heute haben 47 Prozent der Befragten Schwierigkeiten, geeignete Fachkräfte zu finden. Bei der Befragung 2018 gaben dies nur 38 Prozent der Teilnehmer an. Zudem gelingt es rund einem Drittel der Unternehmen (32 Prozent) nicht, Mitarbeiter langfristig zu binden. Das sind fast doppelt so viele wie vor drei Jahren (17 Prozent). Dass künstliche Intelligenz kurz- oder langfristig bestimmte Arbeitsstellen ersetzen wird, glaubt mit 73 Prozent eine große Mehrheit. Gleichzeitig sind sich aber drei Viertel der Befragten auch einig: Die meisten Mitarbeiter in Rechenzentren müssen sich um ihren Arbeitsplatz keine Sorgen machen, auch nicht auf lange Sicht.


Bild 2: Brennstoffzellen für USV-Komponenten sind im RZ noch wenig verbreitet.

6. Lithium-Ionen-Batterien lösen Bleibatterien ab
Immer mehr Rechenzentren setzen für die unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) Lithium-Ionen-Batterien ein – und zwar vor allem in zentralen USV-Anlagen. Hier haben bereits 47 Prozent der Befragten die modernere Technologie eingeführt, in verteilten USV-Systemen sind es 16 Prozent. Brennstoffzellen als neuartige Energiequelle – mit Wasserstoff als Energiespeicher – sind hingegen noch wenig verbreitet: Erst elf Prozent der Besitzer und Betreiber nutzen sie.

Fazit
Die globale Studie zu den Rechenzentren im Jahr 2021 zeigt eine dynamische Branche, die im Wachstum begriffen ist. Gleichzeitig hat sich der Sektor aber auch auf mehreren Ebenen an einen rasanten Wandel anzupassen. Damit einher geht eine Phase der Neubewertung. Es gilt, die Verantwortlichkeit für Infrastrukturen und Dienstleistungen im Hinblick auf ihre Ausfallsicherheit neu zu betrachten und zu beurteilen, welche greifbaren Ergebnisse es im Hinblick auf ökologische Nachhaltigkeit und operative Effizienz gibt. Eigentümer und Betreiber verfolgen verschiedenste Ansätze, um das ganze Spektrum an Herausforderungen zu bewältigen, vor denen sie heute stehen. Die Verbesserung der Ausfallsicherheit, mehr Nachhaltigkeit, die Aufrechterhaltung des Personalbestands, die Nutzung der Cloud oder auch der Ausbau der Kapazitäten von Edge-Rechenzentren – sie alle stehen in der Branche auf der Agenda.
22.12.2021/ln/Andy Lawrence, Executive Director of Research bei Uptime Institute

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