Fachartikel

Im Test: Icinga 2

Administratoren wollen und müssen ihre Systemumgebungen stets im Blick behalten. Nur wer die Leistungsdaten seiner Anlage stets protokolliert, kann Engpässe rechtzeitig erkennen und richtig interpretieren. Fällt etwas aus, muss das IT-Team schnell informiert sein. Als Alternative zum etablierten Nagios tritt hier die Neuentwicklung Icinga 2 in den Ring.
Das Icinga-2-Dashboard zeigt, einmal konfiguriert, die wichtigsten Meldungen auf einen Blick.
Die IT-Branche spart wahrlich nicht an Trends. Die Netzwerke der Zukunft sind rein virtueller Natur, nachdem Storage und Server sich bereits in die Sphäre des Virtuellen abgesetzt haben. Auf der anderen Seite dieser Entwicklung stehen IT-Administratoren und Netzwerkprofis, die bei den hochtrabenden Plänen den Überblick behalten müssen. Immer mehr Nodes, ob lokal oder in der Wolke, erfordern bessere Überwachungskonzepte für das IT-Team. Icinga 2 ist einer der jüngeren Vertreter auf dem professionellen Monitoring-Markt und ein wenig anders als die Konkurrenz.

Die Geschichte hinter Icinga
Spätestens mit dem Erfolg von Nagios ging die Mehrheit der Branchenkenner davon aus, dass keine weitere Open-Source-Überwachungslösung nötig sei. Nagios wurde omnipräsent: Bücher entstanden, Erweiterungen wurden programmiert und die Software mutierte zu einem leistungsstarken Riesen. Aber nicht alle waren vollauf zufrieden: Im Mai 2009, zehn Jahre nach dem ersten Release von Nagios, erschien Icinga 1 als eigenständiger Fork von Nagios, speziell für den Enterprise-Einsatz.

Icinga ist eine System- und Netzwerküberwachungsapplikation. Es überwacht die vom Administrator angegebenen Hosts und Services und informiert das IT-Personal, sobald Parameter aus dem Ruder laufen. Zu den Kernfunktionen gehören seit der frühen Version: Überwachen von Netzwerkdiensten (wie SMTP, POP3, HTTP, NNTP oder Ping) und von Host-Ressourcen. Ein einfaches Plug-in-Design sollte es Benutzern erlauben, eigene Service-Prüfungen zu etablieren, ohne hohe technische Hürden überwinden zu müssen. Icinga bietet die Möglichkeit, Host-Hierarchien zu bilden. Klassischerweise ist ein zentraler Router in einem entfernten Netzwerk ein "Eltern"-Host für alle direkt umliegenden Server. Geht dieser Router "down", kann sich die Software die Meldung über den Ausfall aller weiteren angehängten "Kind"-Systeme in diesem Segment sparen.

Mit Icinga 2 löste sich das Open-Source-Projekt beinahe gänzlich von Nagios und konnte, befreit von den Zwängen des Forks, ein einfacheres Konzept umsetzen. Icinga 2 liefert alle Features out of the box mit und ermöglicht eine Aktivierung bei Bedarf. Die Einsatzfähigkeit im Enterprise-Segment unterstreicht Icinga 2 durch eine effektive Nutzung von Multi-Threading. In Tests, so der primäre Anbieter Netways aus Nürnberg, schaffte die Software eine Million aktive Checks bei 60.000 Hosts innerhalb einer Minute.

Für Ausfallsicherheit benötigt Icinga 2 keine Fremdsysteme mehr. Ein eigenes Cluster-Konzept für verteiltes Monitoring gehört seit der aktuellen Version zum Standardlieferumfang. Praktischerweise sind die vielen tausend Plug-ins für Nagios unter Icinga 2 weiterhin lauffähig. Ein spezieller Icinga-2-Agent, verfügbar für Windows und Linux, erlaubt eine gesicherte Verbindung zum Server. Wer sich mit Entwicklungsumgebungen und den notwendigen Befehlen auskennt, dem stehen die Kommandos für ein eigenes Build frei zur Verfügung.

Fazit
Icinga 2 hinterlässt im Test einen gespaltenen Eindruck. Die Flexibilität und die Anpassbarkeit überzeugen ohne Frage. Tatsächliche Leistungsgrenzen in Bezug auf das Monitoring kann der Nutzer bei diesem Software-Konstrukt überhaupt nicht ausmachen. Egal was – es wird schon irgendwie mit Icinga 2 klappen. Folglich gibt es an sich nicht so viel zu bemängeln, außer eben die Tatsache, dass es sich hierbei um einen typischen "Frickelei"-Vertreter von Software handelt. Wer einfach nur eine Überwachung mit Benachrichtigung braucht, findet hier zu viele Schalter, Skripte, Funktionen und Möglichkeiten. Es ist eine Profilösung für diejenigen in der Branche, die am allerliebsten das Programm gleich selbst geschrieben hätten.

Den kompletten Test finden Sie in Ausgabe 06/2017 ab Seite 24.
29.05.2017/of/Frank-Michael Schlede und Thomas Bär

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