Fachartikel

Seite 2 - Zwischen Ops, DevOps und NoOps

User Experience hängt auch von der Infrastruktur ab
Eines der Hauptziele von Agilität und DevOps ist es, die User Experience weiter zu verbessern. Eine gute User Experience ist aber nicht allein verbunden mit ansprechenden Apps und Web Interfaces, sondern auch mit Backend-Systemen, die schnell, zuverlässig und sicher sind – und flexibel genug, um mit der DevOps-Geschwindigkeit mithalten zu können.

Bei der Komplexität der Infrastruktur spielen eine Reihe übergreifender Faktoren eine Rolle, da Überwachungs- und Managementfunktionen aus einer übergeordneten Perspektive betrachtet werden. Zum einen erstrecken sich Infrastruktur und Anwendungen nicht nur inhouse beziehungsweise standortübergreifend, sondern jetzt auch auf die Cloud, bei der "as a Service"-Komponenten von Drittanbietern verwaltet werden und lokale und externe Hard- und Software zu einem gemeinsamen Ökosystem verschmelzen. IT-Operations muss nicht nur einzelne Dienste überwachen, in die sie mitunter weniger Einblick und Kontrolle haben. Sie müssen auch verstehen, wie sich das auf die vor- und nachgelagerten Komponenten auswirkt.

Auch die Anwendungsarchitekturen haben sich weiterentwickelt und bewegen sich von monolithischen Client-Server-Konfigurationen hin zu einem Microservices-Stil, bei dem kleine Services-Suites jeweils ihre eigenen Prozesse ausführen und über leichtgewichtige APIs kommunizieren. Die Herausforderung hierbei besteht darin, dass jeder Service in verschiedenen Programmiersprachen geschrieben werden kann und unterschiedliche Datenspeichertechnologien verwendet. Das macht es für den IT-Betrieb schwierig, Daten aus den verschiedenen Quellen zu sammeln und zu straffen und sie den Entwicklungsteams als Teil einer kontinuierlichen Feedback-Schleife zur Verbesserung zurückzuspielen.
Etwas wagen: Mit Agile-Ops auf neuen Wegen
Wir befinden uns in einer sehr spannenden Zeit für die IT, denn es gibt erstaunliche, hochmoderne Lösungen: Tool-Sets, die es ermöglichen, Risiken zu reduzieren, Compliance zu verbessern und durch die Verkürzung der Durchlaufzeiten für Veränderungen einen besseren Service anzubieten. Dafür muss das IT-Operations-Personal jedoch weniger risikoscheu sein, als es gemeinhin im Ruf steht. Traditionell streben IT-Operations-Teams nach stabilen, vorhersehbaren und konsistenten Verfahren mit erwarteten Ergebnissen. Um das Versprechen von DevOps zu nutzen, muss aber eine neue Ära des Experimentierens eingeleitet werden.

So unterscheiden Operations-Teams, die sich dem Prinzip der Agilität verschreiben, beispielsweise unterschiedliche Risikoprofile für verschiedene Anwendungen und vermeiden einen "one-size-fits-all"-Ansatz für Änderungen. Statt Change Management bietet der Agile-Ops-Stratege ein risikobewusstes Change Enablement, das auf Messungen und Metriken basiert. Anders als bei den traditionellen Ansätzen, bei denen im Vorfeld viel geplant und ein Big-Bang-Release angestrebt wird, wird beim agilen Ansatz laufend geplant, getestet, priorisiert und in immer kürzeren Release-Zyklen gelauncht.

Dieses Konzept des Arbeitens erfordert ein Miteinander, das es eben nicht zulässt, das Feld den Entwicklern allein zu überlassen – Dev und Ops gehen Hand in Hand. Denn wenn wir die Seite der Entwickler betrachten, vermissen diese wiederum einen kontinuierlichen Austausch. Laut einer aktuellen Studie "Wie Software-Entwickler ihre Arbeitssituation beurteilen" wünschen sich 84 Prozent der Developer eine bessere Zusammenarbeit zwischen Entwickler-, Operations- und Security-Teams. Und sie teilen mitunter auch die alltäglichen Herausforderungen: 37 Prozent der Entwickler vermissen Tools und Werkzeuge, um innovative Software einführen zu können.

Agile und Lean-Verfahren wie Scrum und Kanban verlangen nach anderen Projektmanagementfunktionen als traditionellere Ansätze. Ihre Basis muss eine Technologie bilden, die tiefen Einblick in den Stand der Dinge gibt und Entscheidungen zu Unternehmen und Investitionen unterstützt. Beides zusammen koppelt agile Teams an die Projektleitung und die Führungsebene. Informationen auf allen Ebenen müssen nahtlos über eine API-basierte Integration ausgetauscht werden.

Die Grundlage eines erfolgreichen API-Programms sind Tools und Prozesse, die Entwicklung, Testing, Veröffentlichung und Management von APIs über den gesamten Lebenszyklus hinweg ermöglichen. Eine robuste Infrastruktur reduziert Kosten und Time-to-Market und hilft dabei, Herausforderungen bei der Entwicklung zu meistern. Was man außerdem nicht vergessen darf: Je öfter eine API genutzt wird, umso mehr werden die IT-Verantwortlichen ein leistungsfähiges API-Management brauchen, um den vollständigen API-Lebenszyklus bedienen zu können – vom Design über die Entwicklung bis zur Verwaltung. Auch hier zeigt sich: Ohne Ops nichts los.

Fazit
Am Ende ist "Ops" genauso erfolgskritisch wie "Dev". Operations nur darauf zu reduzieren, den Betrieb am Laufen zu halten ist kontraproduktiv. NoOps ist nur für eine verschwindende Minderheit überhaupt eine Option. Bei aller Diskussion kann NoOps aber auch anders verstanden werden als das Ende von DevOps. Bezeichnet NoOps den reinen Automatisierungsprozess der Strukturen, sodass kein menschliches Eingreifen im Tagesgeschäft mehr notwendig ist, stellt es eigentlich eher eine Ergänzung der DevOps dar. Außer Frage steht, dass immer auch ein menschliches Auge noch einen Blick auf die Maschinen haben muss – damit langfristig auch wirklich alles läuft.

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6.12.2017/Georg Lauer, Senior Principal Business Technology Architect bei CA Technologies

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