Fachartikel

Seite 2 - IT-Testlab: SolarWinds AppOptics

Die Einrichtung der Anwendungsüberwachung
Nachdem alle Rechner und VMs, die wir im Auge behalten wollten, mit der Client-Software versehen worden waren und sich bei AppOptics gemeldet hatten, machten wir uns daran via Plug-ins die ersten Anwendungen in unsere Monitoring-Umgebung einzubinden.

Um eine Anwendungsüberwachung einzurichten sind diese Plug-ins der einfachste Weg. Sie stehen für eine Vielzahl von Applikationen zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem Apache, Docker, Microsoft SQL-Server, Kubernetes, MySQL, Redis, Varnish, PostgreSQL, MongoDb, IIS, Azure, OracleDB und Node.js.

Im Test machten wir uns zu diesem Zeitpunkt daran, einen Microsoft SQL-Server 2017, der auf einem Rechner unter Windows Server 2016 lief, mithilfe eines AppOptics-Plug-ins in unsere Überwachungsumgebung zu integrieren.

Um die Überwachung zu starten genügt es, das Beispiel-Task-File, das bei der Installation des Agenten mitgeliefert wird, an die eigenen Bedürfnisse anzupassen und den Überwachungsdienst neu zu starten. Konkret wechselten wir dazu in das Verzeichnis "\ProgramData\SolarWinds\Snap\tasks-autoload.de\" und kopierten dort die Datei "task-bridge-sqlserver.yaml.example" nach "task-bridge-sqlserver.yaml". Danach riefen wir die kopierte Datei in einem Editor auf und ersetzten die Zeile "server=localhost;user id=appoptics;password=PLEASECHANGEME;app name=hostagent;log=1;" mit den zu unserer Installation passenden Daten, also "server=localhost;user id=sa;password={Passwort};app name=hostagent;log=1;".

Anschließend starteten wir den Dienst neu. Kurz darauf erschienen die ersten Daten der neuen Überwachungsroutine im Web Interface in einem neu angelegten Dashboard namens "MsSQL Overview". Zu den Informationen, die das Plug-in lieferte, gehörten unter anderem die Zahl der Instanzen, die Datenbankgrößen, die Datenbank-Transaktionen, die Sessions und der Data File IO. Das Einbinden von bestimmten Anwendungen in die Überwachungsumgebung über Plug-ins gestaltet sich also sehr einfach und ist schnell erledigt.

Bild 3: Das Dashboard mit Überblicksdaten über die Demo-Applikation.

Im nächsten Schritt banden wir nun noch die weiteren genannten Applikationen in AppOptics ein. Das Vorgehen dabei ist immer genau das Gleiche: Beispielkonfigurationsdatei kopieren und anpassen (das war bei Apache und Docker noch nicht einmal erforderlich, hier funktionierte das Monitoring Out-of-the-Box mit den Standardeinstellungen) und den Dienst neu starten. Da sich diese Herangehensweise relativ simpel gestaltet und zudem in der Dokumentation für alle Plug-ins genau beschrieben wird, gehen wir an dieser Stelle nicht genauer darauf ein.
Das Einbinden weiterer Dienste
Möchte man Dienste in die Überwachungsumgebung integrieren, für die kein Plug-in existiert, muss man nach "Add Service" wechseln und dort die Sprache auswählen, unter der der jeweilige Dienst läuft. Hierbei stellt AppOptics das .NET Framework, .NET Core, GO, Java, Node.js, PHP, Python, Ruby und Scala zur Verfügung. Nach der Auswahl der Sprache kommt die Wahl des verwendeten Betriebssystems an die Reihe (Linux oder Windows). Im nächsten Schritt können die zuständigen Mitarbeiter dem Service einen Namen geben und danach den Agenten für die betroffene Sprache und das jeweilige Betriebssystem herunterladen. Der Rest läuft dann wieder ab, wie beim Einrichten der Client-Software.

So laden die Verantwortlichen beispielsweise einen Java-Client für Windows herunter, installieren diesen und geben während der Installation das Token an, das die Webseite bereitstellt, um den Dienst zu identifizieren. Anschließend geht es daran, die Anwendung so zu konfigurieren, dass sie den AppOptics-Agenten nutzt. Die konkreten Schritte hierzu sind für alle unterstützten Anwendungstypen genau in der Dokumentation aufgeführt, so dass wir an dieser Stelle hierauf nicht genauer eingehen müssen. Zum Schluss muss die Applikation – wie etwa eine JVM – neu gestartet werden, damit sie den Agenten lädt. Kurz darauf erscheinen dann die gesammelten Daten in AppOptics.

Für unseren Test verwendeten wir an dieser Stelle eine Web-basierte Hotel-Buchungs-App, die SolarWinds zu Testzwecken innerhalb von AppOptics als Container zur Verfügung stellt. Um diese App einzurichten und mit AppOptics zu verbinden, müssen die Anwender lediglich eine "docker-compose.yaml"-Datei von AppOptics herunterladen, diese in ein Verzeichnis auf dem Docker-Host legen und in diesem Verzeichnis den Befehl echo APPOPTICS_TOKEN=<Zu verwendendes Token> > .env && docker-compose up -d" ausführen. Den Befehl kann man direkt aus AppOptics herauskopieren, das passende Token ist dann gleich enthalten. Daraufhin lädt das System die Container herunter, startet den Dienst und verbindet ihn auch gleich mit AppOptics.

AppOptics im Betrieb
Nachdem wir alle zu überwachenden Komponenten in unsere AppOptics-Umgebung integriert hatten, konnten wir uns mit den Funktionen der Software im laufenden Betrieb auseinandersetzen. Die von AppOptics gesammelten Daten sind in erster Linie für den DevOps-Bereich gedacht. Es gibt allerdings viele Unternehmen, in denen die Administratoren gezwungen werden, sich auch mit solchen Daten zu befassen. Deswegen liefert AppOptics gewisse Grunddaten und bei Bedarf ist es möglich, auf die einzelnen Einträge zu klicken und dann tiefergehende Informationen zu erhalten. Irgendwo auf diesem Weg ins Detail hören dann die Daten auf, die die Administratoren interessieren und es fangen die Daten an, die vor allem für die Anwendungsentwicklung eine Rolle spielen.

Bild 4: Das Default-Dashboard der SQL-Server-Installation.

Zu den wichtigsten Funktionen der Software gehören unter anderem Daten der letzten 60 Minuten, die sich bei Bedarf jederzeit mit dem Durchschnitt der letzten Woche oder anderen Zeiträumen vergleichen lassen. Es ist auch möglich, zu visualisieren, welche Komponenten wie viel Zeit in Anspruch nehmen und welche Backtraces vorhanden sind. AppOptics macht also deutlich, wie eine Anwendung genau funktioniert.

Fazit
SolarWinds AppOptics überraschte uns im Test mit einem sehr großen Leistungsumfang bei gleichzeitig relativ einfacher Einrichtung des Systems. Die Zahl der gelieferten Informationen ist extrem groß, der Aufwand, an diese Informationen zu gelangen, gestaltet sich aber verhältnismäßig gering, zumindest solange man Anwendungen überwachen möchte, für die Plug-ins zur Verfügung stehen. In der Regel reicht es völlig aus, die Client-Software für das jeweilige Host-Betriebssystem auf den betroffenen Rechnern einzuspielen und ein wenig Konfigurationsarbeit zu leisten.

Auch im Betrieb konnte das Produkt gefallen. Das Web-Interface wurde übersichtlich gestaltet und die flexibel anpassbaren Dashboards sorgen für einen guten Überblick. Zudem stehen auch umfangreiche Alarmfunktionen zur Verfügung.

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16.10.2020/Dr. Götz Güttich, IT-Testlab Dr. Güttich

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