Grundlagen

Infrastruktur & Inventarisierung

In unserer Grundlagen-Rubrik erklären wir wichtige Aufgaben und Technologien aus dem Arbeitsalltag eines Netzwerk- und Systemadministrators. Hier erfahren Sie anhand prägnanter Erklärungen zu den wichtigsten Begriffen des jeweiligen Themenfeldes Hintergründe und Zusammenhänge in kompakter, praxisnaher Form.

Zwei relevante Aspekte im Bereich der Infrastruktur & Inventarisierung sind die zielgerichtete Dokumentation der IT-Umgebung und die Energieeffizienz – zwei im Admin-Alltag gerne vernachlässigte Punkte. Dabei sparen beide im Zweifelsfall Geld und Nerven. In unserem Online-Grundlagenartikel lesen Sie, worauf es ankommt.
Dokumentation
Eine Netzwerkdokumentation ist Voraussetzung für ein effizientes und zielgerichtetes IT-Management. Diese in der Netzwerkdokumentation zusammengefassten Informationen sind notwendig, um auftretende IT- und Netzwerkprobleme schnell beheben zu können. Darüber hinaus dient ein detaillierter Netzwerkplan dazu, potenzielle Schwachstellen zu erkennen und entsprechende Gegenmaßnahmen zur Verbesserung der Stabilität und Sicherheit umzusetzen – Flaschenhälse oder fehlende Redundanzen lassen sich so schnell erkennen.

Wer als Administrator über Jahre sein Netzwerk und die IT-Infrastruktur Stück für Stück aufgebaut hat, der dürfte so ziemlich jedes Gerät genau kennen. Ab einer gewissen Größe ist aber die Firmenzugehörigkeit allein kein Garant mehr dafür, die Umgebung detailliert zu überblicken. Spätestens wenn die Know-how-Träger das Unternehmen verlassen, wird es für die übrige IT-Mannschaft in der Firma eng. Und auch wenn noch so viel auf Papier oder in Visio, Excel oder Word dokumentiert wurde – ein wirklich aktuelles Gesamtbild über das IT-System mag sich nicht erschließen.

Eine IT-Dokumentation sollte so zahlreiche Informationen beinhalten – die Seriennummern von Geräten, Softwareversionen, MAC-Adressen, Felder zur Eingabe von Zusatzinformationen wie das Anschaffungsdatum, Garantiedauer oder von welchem Lieferanten das jeweilige Gerät sowie wann die Software angeschafft wurde. Gefragt sind zudem eine Lizenz-Übersicht, Suchfunktionen und eine regelmäßige Kontrolle, ob die Systeme einwandfrei arbeiten, und das in einer ITIL-konformen Sprache. Daraus resultierend liegen in zentralen Verzeichnissen zahlreiche Handbücher, Richtliniendokumente, Anleitungen sowie diverse Berichte und Auswertungen. In vielen IT-Abteilungen mangelt es also nicht zwingend an einer umfangreichen Dokumentation. Es fehlen jedoch Strukturen und Vorgaben, wie mit der Flut der Dokumente zu verfahren ist. Um die IT-Dokumentation zu optimieren, ist die Analyse der vorhandenen Dokumente und die Entwicklung einer an den Anforderungen ausgerichteten Struktur daher der erste Schritt.

Eine Unterscheidung in Dokumente und Aufzeichnungen gemäß der Qualitätsmanagement-Norm ISO 9001 kann hierbei hilfreich sein und eine gute Basis für die Detailstruktur bieten. In weiteren Schritten sind dann die vorhandenen Dokumente zu konsolidieren und fehlende Dokumente zu identifizieren und zu erstellen. Die Aktualität der IT-Dokumentation kann langfristig aber nur mittels entsprechender Dokumentationsprozesse aufrechterhalten werden. Auch hierfür bietet die ISO 9001 mit den darin geforderten Verfahren zur Lenkung von Dokumenten und zur Lenkung von Aufzeichnungen wichtige Impulse.

Energieeffizienz
Neben statischen Infrastruktur-Daten wie Anzahl der Server und CPU-Cores sowie maximaler Storage-Kapazität spielen in einem Rechenzentrum auch variable Faktoren wie der Energieverbrauch und die Auslastung der Systeme eine wichtige Rolle. Das Schlagwort "Green IT" ist dabei mittlerweile allgegenwärtig. Energieeinsparungen werden nicht nur als Thema für große Rechenzentren betrachtet, sondern beginnen bereits im Kleinen beim Betrieb weniger Server. Denn neben dem Einsatz energiesparender Hardware ist es genauso wichtig, Systeme nur in dem Umfang zu betreiben, wie es tatsächlich notwendig ist – nur allzu oft laufen manche Geräte rund um die Uhr, obwohl sie nur einige Stunden am Tag benötigt werden. Weiterhin lohnt es sich, angemessen zu kühlen, anstatt den Serverraum aus Furcht vor Hotspots gleich in einen Kühlschrank zu verwandeln.

Wenn es um Betriebskosten geht, stellt der Energieverbrauch einen immer größeren Kostenfaktor dar. Eine Studie im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom ergab, dass Serverbetreiber und Rechenzentren in Deutschland im Jahr 2008 rund 10,1 Terawattstunden verbrauchten, was einem Kostenvolumen von 1,1 Milliarden Euro entsprach. Zudem prognostizierte die Studie einen Anstieg des Energieverbrauchs um 50 Prozent bis 2013, sofern die Unternehmen ihre bisherige Praxis des Serverbetriebs beibehielten. Dabei liegen die Energiekosten bereits heute um ein Vielfaches über den Ausgaben für Hardware.

Für eine ganzheitliche Steuerung und Überwachung des Energieverbrauchs bedarf es neben dem Stromverbrauch der Server selbst auch einer Berücksichtigung der Umgebungsbedingungen wie Temperatur und Luftfeuchte. Für die Abfrage dieser Daten bieten sich neben im Rechenzentrum vorhandener Systeme zur Umgebungsüberwachung mit platzierten Sensoren auch Power Distribution Unit (PDUs) und andere per SNMP abfragbare Geräte wie unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV) an. Um bei Bedarf Strom zu sparen – etwa wenn nur ein Teil der Rechenkapazität benötigt wird – können dann einzelne Server gezielt heruntergefahren werden.

Die Kommunikation mit den herunterzufahrenden Geräten erfolgt entweder über SSH, um die Betriebssysteme Linux und Unix anzusprechen, oder über RPC für Windows-Systeme. Je nach Bedarf kann ein Gerät nur heruntergefahren oder der PDU-Ausgang auch abgeschaltet werden, wobei sich hier eine Wartezeit hinterlegen lassen sollte. Um als Administrator nicht jedes erfasste Gerät einzeln verwalten zu müssen, arbeiten moderne Power-Management-Systeme mit Gerätegruppen. Dies erlaubt Zuordnung von Rechnern anhand beliebiger Eigenschaften, wobei jedes Gerät auch Mitglied mehrerer Gruppen sein kann. Die Gerätegruppenverwaltung ist damit ein wichtiges Werkzeug beim Energiemanagement.

Mehr zum Thema "Infrastruktur & Inventarisierung" finden Sie in der August-Ausgabe des IT-Administrator.
30.07.2012/dr

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