Fachartikel

Anwenderbericht: Digitalisierung beim Baustoffhersteller

Mit der weltweiten Digitalisierung kommt zu den brancheninternen Herausforderungen eine weitere große Aufgabe auf Unternehmen zu. Sie bringt mit neuen Technologien und Vernetzung ungeahnte Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung. Auf der anderen Seite steigt aber auch der Druck, den Anschluss nicht zu verpassen. Wie der Anwenderbericht zeigt, holte sich ein internationaler Hersteller von Baustoffen externe Hilfe, um die Unternehmensgruppe in einer digitalisierten Zukunft nachhaltig aufzustellen.
Ohne eine vernünftige Roadmap gestaltet sich der Weg hin zur Digitalisierung steinig.
Die Nachfrage nach ökologischem Baumaterial wächst, gleichzeitig werden EU-Regulierungen strenger. Generationen von Gebäuden müssen saniert werden, doch Facharbeiter fehlen und die Arbeitskosten steigen: Die Baustoffbranche ist in einem Umbruch begriffen. Die Etex Group S.A hat in 42 Ländern auf allen Kontinenten rund 15.000 Mitarbeiter. Im Jahr 1905 begann die Geschichte der Gruppe mit der Erfindung von Eternit durch den Gründungsvater Alphonse Emsens. Die Holding hat heute weltweit 107 Fabriken und drei Innovationszentren in Europa. Sie machte im Jahr 2016 einen Umsatz von rund 2,9 Milliarden Euro. Der Anspruch lautet, technisch wie ästhetisch überlegene Baustoffe herzustellen, die nachhaltig und preiswert sind.

Die Gruppe hat sich dem Wandel bereits gestellt, indem Geschäftsstruktur, Prozesse und Tools auf dem neuesten Stand gehalten werden. Diese Anpassungen und die Zentralisierung des Einkaufs sorgen dafür, dass Produkte so preiswert wie möglich hergestellt werden können. Mit Shared-Service-Centern und einem globalen Sparprogramm werden auch die Verwaltungskosten gesenkt. Die Digitalisierung und der von ihr eingeleitete Umbruch erfordern jedoch weit mehr. Gerade im Bereich Sales und Marketing entstehen neue Möglichkeiten, Produkte genauer auf den Kunden und dessen Wünsche zuzuschneiden.

Dringend gesucht: digitale Roadmap
Welche Initiativen und Maßnahmen helfen dem Baustoffriesen, die Herausforderungen der Digitalisierung zu bestehen und neue Potenziale voll auszuschöpfen? Um auf diese Fragen Antworten zu finden, beauftragte Dirk Altgassen, CIO von Etex, im Oktober 2016 das internationale Beratungsunternehmen AdEx Partners, um bei der Entwicklung einer digitalen Roadmap zu unterstützen und damit die Unternehmensgruppe zukunftsfähig aufzustellen.

Die Erstellung einer Roadmap beginnt mit der Analyse der Geschäftsprozesse, um den digitalen Status Quo des Unternehmens festzustellen und so gleichermaßen Schwächen wie Potenziale definieren zu können. Anhand der Analyseergebnisse werden Lösungsvorschläge entwickelt und unterbreitet. Das Ergebnis fasst die als optimal ausgewählten Handlungsempfehlungen als Projekte zusammen und weist ihnen Zeitfenster zu, sodass der Weg der Digitalisierung systematisch gegangen werden kann. Typischerweise ist eine Roadmap auf drei bis fünf Jahre angelegt. Unternehmen lassen sich so bis in die Initialisierungs- und Umsetzungsphase der Neuerungen begleiten.
Drei Cluster bei der Digitalisierungsstrategie
Um eine vollumfängliche Digitalisierungsstrategie zu erhalten, erfolgt zunächst eine Definition von  drei Kernbereichen: die Förderung der digitalen Innovation, die Modernisierung der IT sowie die Befähigung der gesamten Organisation.

Das erste Cluster, die digitale Innovation, wird von den Geschäftsbereichen getragen. Die digitale Innovation wird Chefsache und auf Managementebene angesiedelt. Es gilt nun, ihr den Weg zu ebnen. Das zweite Cluster verantwortet die IT. Ihre Aufgabe ist es, die IT-Struktur und Anwendungslandschaft so auszurichten, dass sie die digitale Innovation fördert. Das dritte Cluster führen Business und IT gemeinsam. Die Förderung der digitalen Innovation und die Modernisierung der IT sollen parallel stattfinden und sich an einer Reihe festgelegter Prozesse und Strukturen orientieren. Das gelingt, indem man die Organisation entsprechend aufsetzt. Alle Initiativen und Projekte, die im Rahmen der Digital Roadmap entwickelt werden, sind diesen Clustern zugeteilt.

In vier Schritten zur digitalen Roadmap
Der Weg zur Roadmap beinhaltet vier Schritte: Im ersten Schritt wurde der digitale Status des Kunden ermittelt. Dafür analysierten die Berater mit Blick von außen die digitale Reife der Baugruppe. Außerdem wurde mit dem Digital Maturity Assessment eine digitale Selbstbewertung von Etex' digitalen Managern vorgenommen. Diese sind den vier Geschäftsbereichen der Gruppe zugeordnet, für alle digitalen Belange ihres Geschäftsbereichs zuständig und die Schnittstelle der Business- zur IT-Organisation.


Für die erfolgreiche Digitalisierung bedarf es einer digitalen Roadmap, die sich in mehrere Schritte unterteilen lässt.

Im zweiten Schritt zur Roadmap wurden die Ergebnisse der Bestandsaufnahme analysiert und bewertet. Dafür wurden aktuelle und geplante digitale Aktivitäten ermittelt sowie die idealen Bereiche für Veränderungen, die weißen Flecken auf der Digitalisierungslandkarte, aufgezeigt.

Im dritten Schritt des Prozesses entwickelte der Dienstleister mehrere Highend-Lösungsalternativen. Die Optionen wurden bewertet und die am besten geeignete Lösung ausgewählt. Im finalen vierten Schritt erfolgte die Definition der digitale Roadmap. Die wichtigsten Meilensteine wurden identifiziert und die Roadmap finalisiert.

Seite 1: In vier Schritten zur digitalen Roadmap
Seite 2: Aufdecken der "Pain Points"


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28.03.2018/ln/Alexander Orth, Senior Manager bei AdEx Partners

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