Fachartikel

Seite 2 - Die Zukunft des IT-Beraters

Vielfältige Anforderungen für Berater
Immer mehr klassische Tätigkeiten fallen für den IT-Experten weg: Die Kabel verlegen zum Beispiel längst die Elektriker. Stattdessen fordern die Kunden heute beratende und konzeptionelle Leistungen, wie etwa ein Sicherheitskonzept für Videokonferenzen über die Cloud mit vertraulichem Inhalt. Die Anforderungen werden vielfältiger und umfangreicher. Bei manchen IT-Spezialisten bricht Existenzangst aus und sie verunsichern ihre Kunden, um ihr bisheriges Betätigungsfeld zu sichern. Sie fürchten angesichts der drastischen Veränderungen in ihrem Arbeitsgebiet um ihre Daseinsberechtigung und schüren die Besorgnis ihrer Kunden, um sie von neuen Technologien und Lösungen fernzuhalten.

Den Kopf in den Sand zu stecken, ist indes keine Lösung. Die IT-Experten sind gefordert, sich den Veränderungen zu stellen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Andernfalls katapultieren sie sich tatsächlich ins berufliche Abseits. Doch wer offen, neugierig und lernbereit ist, sich mit anderen IT-Experten vernetzt und sein Wissen teilt, hat nichts zu befürchten. Im Gegenteil: Die Aussichten sind rosig, denn der Beratungsbedarf wächst und wertet den Beruf des Supporters auf. IT-Berater genießen ein steigendes Ansehen – und damit steigt auch der Stundensatz, den die Kunden bereit sind zu zahlen.

Die Zukunft ist die virtuelle Arbeitsumgebung, an jedem PC auf der Welt verfügbar. On-Premises Hardware wird immer weniger benötigt. Noch gibt es hier berechtigte Sicherheitsfragen und -bedenken. Doch wenn die Kunden sich in naher Zukunft ihre Cloudumgebungen ohne Fachwissen in wenigen Schritten selbst konfigurieren, haben diejenigen IT-Experten, die sich keine Beratungskompetenz aufgebaut haben, tatsächlich verloren.
Digitalisierung wertet den Beruf des IT-Experten auf
Ohne moderne Fernwartungstools könnten IT-Berater heute kaum einen deutschlandweiten Kundenstamm aufbauen, dem sie einen zeitnahen und flexiblen Service bieten. Die Digitalisierung macht auch vor ihnen nicht halt. Und ist sie erst einmal vollzogen und sind die Infrastrukturen komplett umgestellt, wird das auf vielen Ebenen eine Erleichterung sein: Die Fernwartung über den PC oder das Smartphone spart lange Anfahrtswege und damit Kosten.

Verlagert sich die Infrastruktur der Unternehmen vollständig in die Cloud, fallen viele unnötige Aufgaben weg, wie etwa die Wartung der Server. Diese eher unqualifizierten Jobs, die verschwinden, sparen Zeit und Geld und schaffen so Raum für anspruchsvollere Tätigkeiten in Beratung und Konzeption. Das hierfür nötige Wissen liefern beispielsweise Fachzeitschriften und aktuelle Security-News. Für wochenlange intensive Schulungen haben insbesondere die Einzelkämpfer unter den IT-Experten keine Zeit – denn wer sollte in dieser Zeit die Feuerwehr für die Kunden sein?

In diesem Fall hilft die Devise "Gemeinsam sind wir stark". Einzel-Berater sollten ihr Konkurrenzdenken aufgeben, sich gegenseitig vertrauen und sich zu Peer Groups und Kompetenznetzwerken zusammenschließen. So kann ein Wissensaustausch entstehen, von dem alle profitieren. Und im besten Fall wird es so möglich, auch einmal eine intensive Schulung zu besuchen, weil ein Kooperationspartner die eigenen Kunden vertretungsweise mit betreuen kann. 


Der IT-Berater muss sich und seine Dienstleistung in der Cloudära neu aufstellen.

Für alle an dieser Aufgabe Beteiligten – Kunde, Supporter und unterstützende Dienstleister – muss die Devise lauten, neugierig und aufgeschlossen zu bleiben, gemeinsam zu lernen und sich immer wieder neu zu fragen: Was benötigt der Kunde heute, was braucht er voraussichtlich morgen und wie können wir das schnell und effektiv gemeinsam realisieren? Kontinuierliche Weiterbildung, Offenheit und Neugier sind dabei für alle Beteiligten unerlässlich. IT-Experten, die schon länger im Geschäft sind, müssen umlernen und vielleicht das Lernen neu lernen. Für die nächste Generation wird eine praxisorientierte und vielschichtige Ausbildung entscheidend sein, die verschiedene Modelle, Netzwerke und Systeme vermittelt.

Fazit
Es gibt keinen Grund für IT-Spezialisten, sich um ihre Zukunft zu sorgen – sofern sie sich mit den Veränderungen auseinandersetzen, sich mit anderen IT-Experten austauschen und vernetzt und bereit sind, sein Leben lang zu lernen. Oder wie es der amerikanische Futurologe Alvin Toffler formuliert hat: „Die Analphabeten des 21. Jahrhunderts werden nicht die Menschen sein, die nicht lesen und schreiben können, sondern diejenigen, die nicht umlernen und nicht dazulernen können.“ Die Chance ist für alle IT-Experten da. Doch sie müssen sich verändern und weiterentwickeln wollen. Das ist eine ganz persönliche Entscheidung.


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13.02.2019/jp/ln/Uwe Rummel, Vorstand der pcvisit Software AG.

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