Fachartikel

Im Test: GingerEx for Office 365

Microsoft 365 hat sich in vielen Unternehmen durchgesetzt. Die Themen Verwaltung und Reporting stellen Administratoren jedoch vor neue Herausforderungen. Daher bieten sich Drittanbietertools an, die eine einfache Konfiguration versprechen. GingerEx for Office 365 ist ein solches Werkzeug und will hier für Erleichterung sorgen. Doch bei genauerem Hinschauen zeigte sich, dass das Werkzeug keine Funktionen bietet, die nicht auch mit den M365-Bordmitteln oder der PowerShell möglich wären. Admins sollten daher genau evaluieren, ob sich die Anschaffung einer zusätzlichen Software lohnt. Wir beleuchten in unserem Test GingerEx for Office 365 und warum es keine sinnvolle Alternative darstellt.
De Oberfläche von GingerEx for Office 365 ist funktionell, macht aber nicht den frischesten Eindruck.
GingerEx stammt vom Unternehmen JiJi Technologies aus Indien, das 2007 gegründet wurde. Es bezeichnet sich selbst als führender Anbieter von Systemmanagement- und Sicherheitslösungen für Active-Directory- und Gruppenrichtlinien-Umgebungen. Der erste Eindruck der Homepage war sehr angestaubt – als Highlight verweist die Seite auf einen Office-365-Productivity-Hackathon von 2017, was bekanntlich schon etwas länger her ist. Weiteren Details zum Unternehmen weisen auf eine Gartner-Marktübersicht von 2014 hin.

Auch ohne Anleitung schnell startklar
JiJi Technologies bietet für GingerEx eine zweiwöchige Testversion an, die wir direkt auf der Homepage des Herstellers runtergeladen haben. Eine Registrierung ist hierfür nicht nötig. Ob es spezielle Voraussetzung zur Installation gibt, war nirgends nachzulesen und auch eine kurze Startanleitung suchten wir vergebens. In unser Testumgebung haben wir GingerEx 1.0.2.9 auf einem Windows-10-Client installiert. Dies war nach wenigen Klicks erfolgreich abgeschlossen und das Startmenü zeigte die neue Verknüpfung an. Eine kurze Anleitung suchten wir auch hier vergebens, sodass wir direkt mit der Anwendung starteten.

Beim Ausführen des Tools mussten wir zunächst einen Bereich zur Verwaltung definieren. Hier stehen Office 365, Hybrid Exchange, Exchange On-Premises und SharePoint On-Premises zur Auswahl. Wir wählten Office 365 aus und wurden an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass das "Microsoft Azure Active Directory Module" für die Windows PowerShell installiert sein muss. Dieser Aufforderung kamen wir nach und spielten über die PowerShell und den Befehl Install-Module -Name MSOnline das Modul nachträglich auf. Im Anschluss gaben wir die Zugangsdaten für unser Microsoft-365-Abonnement ein und konnten im Anschluss die Verwaltung beginnen.

Verbindung nur über Basis-Authentifizierung
Wir fanden eine sehr einfache Oberfläche vor, bei der sich über ein kleines Feld im oberen Menü zwischen "GingerEx Office 365 Admin" und "GingerEx Office 365 Report" wechseln lässt. Weiterhin gibt es einen kleinen Konfigurationsbereich, in dem sich unter anderem die Verbindungseinstellungen, SMTP-Server-Settings und Dienste-Einstellungen einrichten lassen. Letzteres dient zur Konfiguration eines GingerEx-Diensts, mit dem sich Aufgaben planen lassen.

Das Wort "Help" entzündete die kurze Hoffnung nach einer Beschreibung, doch fanden wir hier nur Programm- und Lizenzinformation sowie einen Hinweis zum Customer Feedback, der wiederum nur auf die Homepage des Herstellers verlinkte.

Aufgrund der Abkündigung der Basis-Authentifizierung in Microsoft 365 haben wir einen Blick auf die Verbindungsart geprüft. Diese erfolgt aktuell ausschließlich mit der alten Basis-Authentifizierung. Sobald Microsoft diese Authentifizierungsmöglichkeit einstellt, wird die Verwendung des Tools nicht mehr möglich sein. Da es keine Roadmap gibt, fragten wir hierzu den Support. Die Rückmeldung kam schnell und mit der Info, dass ein Update bis Ende März geplant sei. Das Update ist mittlerweile erfolgt, die moderne Authentifizierung ist aber weiterhin nicht zu finden. Auch gibt es keine Release Notes oder Hinweise, was denn aktualisiert wurde.
Klickintensive Verwaltung
Im Admin-Bereich erfolgt das Management der Microsoft-365-Umgebung. Im linken Menü wurden uns die verschiedenen Aktionsbereiche angezeigt. Im Bereich "General" standen folgende Aktionen zur Verfügung: Manage License, Update User Profile, Edit Mailbox, Reset Password, Update UPN, Manage Permission, Manage MFA, Import Holiday List to Calendar.

Über "Update User Profile" ließen sich verschiedene Daten des Profils aktualisieren, wobei es sich um allgemeine Adressdaten handelt (Bild 1). Hinter dem Punkt "Edit Mailbox" kann der Admin weitere E-Mail-Adressen und Postfachgrößen einstellen. Letzteres hat uns etwas verwundert, denn Microsoft 365 setzt auf feste Quotas. Änderungen bei den Größenbeschränkungen ließen sich erfolgreich durchführen, sie wurden aber nicht dauerhaft übernommen.

Bild 1: Mit GingerEx for Office 365 lassen sich einige Verwaltungsaufgaben direkt erledigen. Die Oberfläche wirkt aber veraltet.

Das Handling beim Ausführen einer Aktion ist insgesamt sehr klickintensiv. Bei jeder Tätigkeit öffnet sich erst ein Fenster für das zu aktualisierende Objekt. Hier gilt es, über ein Pluszeichen einen Nutzer auszuwählen. Das geschieht nicht direkt über eine Liste, sondern es startet ein weiteres Suchfenster, in dem zunächst ein Suchkriterium abgefragt wird. Ohne Eingabe eines Kriteriums ist das Klicken auf "Check names…" nötig, um eine Liste der Nutzer in einem weiteren Fenster zu erhalten. Hier konnten wir dann einen oder mehrere Nutzer auswählen, mussten dann aber zwei Fenster mit "OK" schließen, um wieder zur eigentlichen Aktion zu kommen.

Gut ist die Möglichkeit der Mehrfachauswahl, denn hierdurch lassen sich Verwaltungsaufgaben, wie zum Beispiel das schnelle Pflegen der Adressdaten für mehrere Nutzer, schneller umsetzen. Allerdings sind Massenbearbeitung bereits in Microsoft 365 sehr effizient möglich.

Im Bereich "User Action" konnten wir übergeordnete Aktionen, wie Delete User, Restore User, Purge User, Enable Remote Mailbox, Block und Allow Sign-in Access durchführen. Ein gesonderter Bereich "Mailbox Action" ließen sich Policies und Adresslisten zuweisen oder Konvertierungsaktionen durchführen. Gefallen hat uns die Möglichkeit des Setzens von Abwesenheitsmeldungen. Leider lassen sich diese nicht formatieren.

Für Gruppen gibt es eine Unterscheidung zwischen Verteilergruppen und Office-365-Gruppen mit einem eigenen Bereich. An dieser Stelle lassen sich Mitglieder einer Gruppe flexibel bearbeiten und kleinere Einstellungen durchführen. Dynamischer Verteilergruppen wurden nicht berücksichtigt und neue Gruppen ließen sich ebenfalls nicht anlegen. Als Letztes sei noch auf den Eintrag "Mobile Devices" verwiesen. Dies hört sich erstmal vielversprechend an, da es einen eigenen Bereich gibt , doch leider gibt es hier nur zwei gleichklingende Aktionen: "Remove Mobile Device" und "Remove Mobile Devices". Über den ersten Punkt lassen sich zwar mobile Geräte löschen, doch war dies sehr unstrukturiert und wir konnten nicht nach Postfächern filtern. So hat uns der Punkt nicht viel weitergebracht. Auch der zweite Eintrag war nicht hilfreich und hier war uns nicht einmal klar, was dort zu löschen ist.

24.05.2021/ln/Christian Schulenburg

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