Fachartikel

Vergleichstest: Remote-Zugriff und -Support

Nicht erst die lang andauernde Pandemie hat es gezeigt: Die Zeit der Turnschuhadministration, in der der IT-Verantwortliche höchstpersönlich zum betreuten System eilte, sind endgültig Vergangenheit. Fernzugriff und Fernwartung sind inzwischen gut etablierte Lösungen. Wir haben uns mit AnyDesk, LogMeIn Pro, TeamViewer und VNC Connect vier bekannte Vertreter dieser Gattung näher angeschaut.
Für unseren großen Vergleichstest haben wir uns vier Werkzeuge für Remote-Zugriff und –Support genauer angesehen.
Für IT-Profis ist der Fernzugriff eine bewährte Sache: So konnten altgediente Systembetreuer mit dem Einsatz von Telnet glänzen oder einfach mal eben eine RDP-Sitzung auf Windows-Systeme aufsetzen. Doch die Ansprüche an die Disziplin des Fernzugriffs sind gestiegen, sodass inzwischen selbst an der Kommandozeile geschulte Administratoren oft lieber zu einer der vielen Remote-Desktop-Lösungen greifen, die sowohl als freie Software als auch als kommerzielle Lösungen bereitstehen.

Vier Programme im Testfeld
Natürlich können wir mit diesem Test keinen allumfassenden Marktüberblick geben, sondern haben uns vier Produkte aus diesem Softwaresegment herausgesucht. Dazu gehört mit dem Produkt TeamViewer des gleichnamigen Unternehmens aus dem schwäbischen Göppingen ein Werkzeug, das gerade im deutschsprachigen Raum schon fast so etwas wie ein Synonym für Fernwartung geworden ist. Aber auch der ebenfalls schwäbische Konkurrent AnyDesk aus Stuttgart ist sicher nicht nur den rein professionellen Anwendern ein Begriff, wenn es um die Wartung und Betreuung aus der Ferne geht.

Das US-amerikanische Unternehmen LogMeIn aus Boston hat sich nach eigenen Aussagen ebenfalls auf Software aus dem Umfeld der Fernwartung spezialisiert und ist mit LogMeIn Pro in unserem Vergleichstest vertreten. Das vierte Produkt hat zum Teil einen Open-Source-Hintergrund: VNC Connect. Die Software wird vom englischen Unternehmen RealVNC, das aus einem AT&T-Forschungslabor in Cambridge entstand, weiterentwickelt, betreut und vertrieben.

Wir haben alle vier Programme auf Rechnern unter Windows 10 Enterprise und Professional installiert und getestet. Ein Windows Server 2019 kam ebenfalls zum Einsatz. Auch eine Installation auf der Vorabversion von Windows 11 funktionierte bei allen Probanden problemlos. Die Microsoft-Aussage, dass sämtliche Programme, die auf Windows 10 laufen, dies ebenso auf Windows 11 tun werden, trifft also zumindest für die Vorabversion mit der Build-Nummer 22000.51 und die von uns untersuchten Fernwartungswerkzeuge zu.

Für die Überprüfung der Verbindung zu Linux-Systemen kamen Ubuntu in der Version 20.04.2 LTS und Fedora in der Version 34 in virtuellen Maschinen zum Einsatz. Neben der Oberfläche und Bedienbarkeit haben wir uns auch die Möglichkeiten bezüglich Dateitransfer und Kommunikation bei den einzelnen Programmen angeschaut. Die Reihenfolge, in der wir hier im Artikel die einzelnen Programme vorstellen, stellt keine Wertung dar – wir sind einfach nach dem Alphabet vorgegangen.

Fazit
Fazit Wir haben diesen Vergleich nicht im Sinne eines "Shootouts" durchgeführt, bei dem es um Biegen und Brechen darum ging, dass eine Software die höchste Punktzahl erhält. Das wäre schon deshalb wenig sinnvoll, weil die vier von uns getesteten Programme alle Standardaufgaben ohne Schwierigkeiten zu unserer Zufriedenheit ausgeführt haben. Negative Ausreißer konnten wir bei keinem der vier Programme ausmachen. Auch wenn dem Testteam die Oberfläche von AnyDesk schon aufgrund der Aufgeräumtheit am besten gefallen hat, bietet doch das gesamte Testfeld dem Nutzer auf den unterschiedlichen Plattformen eine gut zu bedienende GUI.


Die vier von uns getesteten Programme AnyDesk, LogMeIn Pro, TeamViewer und VNC Connect (von links oben im
Uhrzeigersinn) konnten alle Standardaufgaben ohne Schwierigkeiten zu unserer Zufriedenheit ausführen.

Die Linux-Kandidaten kamen in der Regel weniger gut mit unserem UHD-Bildschirm und dessen hoher Auflösung zurecht. Das galt bei VNC Connect auch für die Windows-Version. Alle Werkzeuge  bieten zumindest einen Viewer-Client für die mobilen Plattformen Android und iOS an. Da es nachweislich keine Freude ist, beispielsweise einen Windows-Rechner auf dem Bildschirm eines Smartphones zu bedienen oder gar zu konfigurieren, dürfte dieser im professionellen Umfeld aber nur in Notfällen zum Einsatz kommen.

TeamViewer bietet ohne Frage die vielfältigsten Möglichkeiten an und lässt sich mit Erweiterungen sehr gut in Richtung umfassendes Systemmanagement ergänzen. AnyDesk ist TeamViewer in vielen Beziehungen aber inzwischen dicht auf den Fersen. LogMeIn Pro hat nach unserer Einschätzung seit den letzten Versionen deutliche Fortschritte gemacht, was sich auch in der Oberfläche der Software deutlich zeigt. Allerdings existieren hier noch einige "Baustellen", so beispielsweise bei der Linux-Unterstützung.

VNC Connect ist ob der strengen Trennung von Server und Viewer etwas gewöhnungsbedürftig, arbeitete im Testzeitraum aber sehr zuverlässig. Im LAN ist die Geschwindigkeit dieser Software unübertroffen. Leider bleibt es den Administratoren auch bei diesen aktuellen Versionen der Fernwartungswerkzeuge, die Linux unterstützen, nicht erspart, dass sie auf diesen Systemen bei der Installation etwas basteln müssen. Das ist aber weniger den Tools als der Diversität der unterschiedlichen Linux-Derivate bei den Installationspaketen geschuldet.

Vor einer Entscheidung sollte die IT-Mannschaft und hier vor allem die Kollegen vom Helpdesk austesten, welche der Werkzeuge ihren Anforderungen am besten entsprechen und welche Anwendung den Endnutzern in der täglichen Praxis am wenigsten Probleme bereitet. Schließlich ist das Verhältnis Kosten und Nutzen ein gewichtiger Faktor: Wer eine Software einsetzen will (oder muss), die für alle Eventualitäten gewappnet ist und die sich später in Richtung Asset- und EndpointManagement/-Schutz sowie Backup ausbauen lässt, muss selbstverständlich mit einem höheren Preis pro Nutzer und System rechnen.

Den kompletten Test finden Sie in Ausgabe 09/2021 ab Seite 14.
30.08.2021/ln/Thomas Bär und Frank-Michael Schlede

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